1. Saarland

Unberührte Natur — fremde Städte

Unberührte Natur — fremde Städte

Güdesweiler. Eine Woche durch Lettland zu wandern, war einer der Höhepunkte in der fast vierzigjährigen Geschichte des Wandervereins Güdesweiler. "Es war eigentlich eine fixe Idee. Wir haben im Internet nach günstigen Ausflugszielen gesucht und sind auf Lettland gestoßen", erläutert Karl-Heinz Werner (65), seit 1998 Mitglied und seit Februar dieses Jahres Vorsitzender

Güdesweiler. Eine Woche durch Lettland zu wandern, war einer der Höhepunkte in der fast vierzigjährigen Geschichte des Wandervereins Güdesweiler. "Es war eigentlich eine fixe Idee. Wir haben im Internet nach günstigen Ausflugszielen gesucht und sind auf Lettland gestoßen", erläutert Karl-Heinz Werner (65), seit 1998 Mitglied und seit Februar dieses Jahres Vorsitzender. 2006 flogen 40 Saarländer ins Baltikum. Werner ging vorher mit fünf Vereinsmitgliedern auf Erkundungsfahrt. Sie haben Übernachtungsmöglichkeiten und Wanderwege klar gemacht. "Die außergewöhnliche Landschaft ist uns allen besonders in Erinnerung geblieben", erinnert sich Werner. Der Ostseestrand, frei lebende Bieber und die unberührte Natur haben die Herzen der Saarländer höher schlagen lassen. Aber auch Stadtbesichtigungen, unter anderem der Hauptstadt Riga, standen auf dem Programm: "Vor allem die Architektur hat mir gefallen. Jedoch muss man sagen, dass der Kontrast zwischen Arm und Reich hervorstach. Arm überwog dabei."Das war nicht die erste Reise, die der Verein in das östliche Europa unternahm. 2004 ging es an die polnisch-tschechische Grenze — natürlich zum Wandern. Werner: "Ein Mitwanderer hatte die Idee. Zu DDR-Zeiten war er dort oft im Urlaub." Die Elbquelle im tschechischen Teil des Riesengebirges sei einer der Glanzpunkte dieser Reise gewesen.

Etwa 100 Vereinsmitglieder zahlen den Jahresbeitrag von zwölf Euro. Doch beteiligen sich an den gemeinsamen Wanderungen auch Familienangehörige und Gäste. Alle 14 Tage wird gewandert — bei Wind und Wetter. "Nur einmal mussten wir eine Wanderung absagen, da es eine Sturmwarnung gab", entsinnt sich Werner.

Die Wanderfreunde kommen überwiegend aus Güdesweiler und den umliegenden Orten, viele sind durch Verwandte oder Freunde mit dem Verein in Berührung gekommen, einige sind geblieben. Werner: "Bei uns geht es vor allem um die Geselligkeit und das Beisammensein, nicht darum, möglichst viele Kilometer zu wandern." Regelmäßig veranstaltet der Verein in der ersten Dezemberwoche eine Nikolauswanderung, die den Mitgliedern auch als Weihnachtsfeier dient. Werner: "Dabei wird das Ziel nicht bekannt gegeben, das ist immer eine kleine Überraschung."

Und jährlich richten sie das Wanderfest auf dem Vereinsgelände aus, das von den Güdesweilern besonders gut aufgenommen werde. "Außerdem besuchen unser Fest befreundete Wandervereine aus Ottweiler, Oberthal und Nohfelden. Wir gehen natürlich im Gegenzug zu ihren Feiern", erklärt Werner.

Eine besondere Gruppe ging vor über 20 Jahren aus dem Wanderverein hervor: die Rentnerband. Ehrenamtlich pflegen die aktuell sieben Mitglieder Kriegsgräber und -friedhöfe. Karl-Heinz Werner habe einfach mal mitgemacht, ohne große Hintergedanken. Mittlerweile sei er davon überzeugt, dass die Arbeit der Rentnerband dazu beitrage, die Erinnerung an die Schrecken der beiden Weltkriege wachzuhalten: "Leider ist der Bezug zu den Kriegen in Deutschland nicht so da wie in Frankreich oder England. Hier fehlt das Interesse, vor allem der jüngeren Generationen."