Umfrage: Kunst und Musik müssen bleibenSPD-Junioren kontern der CDU-Konkurrenz

Umfrage: Kunst und Musik müssen bleibenSPD-Junioren kontern der CDU-Konkurrenz

St. Wendel. Das Ergebnis ist eindeutig: 76,06 Prozent aller Teilnehmer an einer SZ-Umfrage zum Thema Kunst- und Musik an allgemeinbildenden Schulen wollen, dass diese Fächer auch weiterhin zum Pflichtlehrplan gehören. Nur 23,94 Prozent halten den Vorschlag der CDU-nahen Schülerunion (SU) im Landkreis St

St. Wendel. Das Ergebnis ist eindeutig: 76,06 Prozent aller Teilnehmer an einer SZ-Umfrage zum Thema Kunst- und Musik an allgemeinbildenden Schulen wollen, dass diese Fächer auch weiterhin zum Pflichtlehrplan gehören. Nur 23,94 Prozent halten den Vorschlag der CDU-nahen Schülerunion (SU) im Landkreis St. Wendel für überlegenswert, diesen Unterricht als freiwilliges Angebot auf den Nachmittag zu verlegen. Leser stimmten am Wochenende per Telefon und im Internet ab. Zwar ist diese Umfrage nicht repräsentativ, zeigt aber dennoch einen klaren Trend auf.Wie auch im Internetnetzwerk Facebook. Dort wurde leidenschaftlich diskutiert. CDU-Saar-Landtagsabgeordneter Thomas Schmitt sprach sich vehement für musische Fächer aus: "Man kann übrigens auch kulturell verdummen. Ein Land, das so reiche Traditionen hat, sollte sich das nicht erlauben. Ich bin der Meinung, dass ein Schüler auch mal was von Bach gehört haben sollte und auch weiß, was eine gotische Kirche ist." Doch glücklich schien Schmitt prinzipiell nicht über die öffentliche Debatte. Denn er schrieb zusätzlich: "Ich hatte gehofft, die Zeitung würde es übersehen." Und meinte damit die dazu von der SU verfasste Pressemitteilung.

Einen anderen Diskussionsansatz hatte ein Primstaler: "Das Abschaffen dieser Fächer ist in meinen Augen nicht die richtige Lösung. Vielmehr sollten Lehrpläne und Notenvergabe überdacht werden. Der allgemein-bildende Charakter der beiden Fächer ist, so denke ich, zu umfassend, als dass er noch in den Geschichtsunterricht eingearbeitet werden könnte."

Eine der wenigen Unterstützer-Beiträge für freiwilligen Kunst- beziehungsweise Musikunterricht schickte ein jüngerer Diskussionsteilnehmer: "Wer bis zur achten Klasse seine Liebe (und Fähigkeiten ) zur Kunst und Musik nicht entdeckt, sollte wählen dürfen."St. Wendel. Sollen Kunst und Musik vom Lehrplan verschwinden? Die CDU-Kaderschmiede kann sich das durchaus vorstellen. In diese von der Schülerunion (SU) im St. Wendeler Land ins Rollen gebrachte Diskussion schalteten sich die Jungsozialisten (Jusos) ein. Die stehen dem Vorschlag des SU-Chefs Jonas Reiter (16) laut ihrer Kreisvorsitzenden Sandra Henkel kritisch gegenüber. "Kunst und Musik sind so wichtig wie Mathematik", behauptet die 21-Jährige. "Es ist schon erstaunlich, dass der Vorsitzende der Schülerunion der Meinung ist, dass Schüler auf Grund fehlender Fähigkeiten an den Schulen bestraft werden." Dabei seien Musik und Kunst von hohem kulturellem Wert.

Zuletzt habe sich das Bildungssystem hauptsächlich auf Deutsch, Mathe und Fremdsprachen konzentriert, was Henkel bedauert. Schüler sollten umfassende Fertigkeiten und Fähigkeiten in verschiedensten Bereichen von Chemie bis Musik und Sport erlernen.

Ihr Amtskollege Alexander Astapczyk ergänzt: "Es ist schlimm genug, dass an vielen Schulen der Musik- und Kunstunterricht oftmals ausfällt. Dadurch wird nun mal auch den Schülern vermittelt, Musik und Kunst sei weniger wichtig als Mathe oder Französisch." Dieser Eindruck sei "schlichtweg falsch". Zudem sei es möglich, in der gymnasialen Oberstufe zwischen Musik und Kunst zu wählen, sagt der 20-Jährige.

Der SU-Vorschlag, Themen des Kunst- und Musikunterrichts aufs Fach Geschichte zu übertragen, funktioniere nach Henkels Ansicht nicht. "Ich bin nicht der Auffassung, dass der Lehrplan viel Spielraum für neue und zusätzliche Themen gibt." Wegen des straffen Zeitplans sei es Lehrern bereits heute kaum möglich, den Lehrplan einzuhalten. Statt sich über gestraffte Stundenpläne Gedanken zu machen, solle die Schülerunion lieber den Ganztagsschulenausbau forcieren. hgn

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Durchaus Überlegung wert Jedes Talent ist wichtig

Von SZ-RedakteurMatthias ZimmermannVon SZ-Redakteurin

Evelyn Schneider

Hand aufs Herz: Wie viel haben Sie aus dem Musik- und Kunstunterricht während Ihrer Schulzeit mitgenommen? Ganz ehrlich? Also ich erinnere mich, dass wir Schüler diesen wie erholsamen Boxenstopp bis zur Mathe- oder Lateinstunde nutzten. Kulturhistorische Erziehung war kaum der Rede wert. Mag sein, dass sich im Lauf der Jahre nach meiner Schulzeit - die liegt wirklich schon eine geraume Weile zurück - der Lehrplan dieser Fächer änderte, heute mehr Wert auf Kunstgeschichte gelegt wird. Doch aktuelle Gespräche mit jungen Leuten bestätigen meine Meinung, dass sich die Lernfülle hier im Vergleich zu übrigen Fächern eher am unteren Rand ansiedelt. Und wenn wir damals unserem künstlerischen Streben freien Lauf ließen auf Papier oder am Instrument, verlief dies meist unter geringem Pädagogen-Zutun. So viel zum Thema Kunst und Musik als allgemeinbildender Auftrag der Schulen. Ähnlich schätze ich übrigens Religionsunterricht ein. Ethikstunden halte ich für sinnvoller, um Heranwachsenden konfessionslos sozialen Umgang beizubringen.

Was mich wundert: Der Vorschlag gegen Kunst und Musik kam von Schülern, von jenen, die von der Lernverschnaufpause profitieren. Solch Ehrgeiz hätte es in meiner Schulzeit nicht gegeben. Eine Schule ohne Kunst- und Musikunterricht? Nein, das kann und will ich mir nicht vorstellen. Und das nicht nur, weil ich selbst Kunsthistorikerin bin, sondern auch, weil ich selbst einmal Schülerin war. Da habe ich die Kunststunden geliebt - zum einen der Kunst wegen und zum anderen, weil es uns in diesem Fach gestattet war, miteinander zu reden. Da konnte man schon mal im Flüsterton die Erlebnisse aus der Pause mit der besten Freundin teilen. Kreativ zu arbeiten, hat den Kopf frei gemacht für die nachfolgenden Stunden.

Neben dem Lehrauftrag hat die Schule meiner Meinung nach ein zweite wichtige Funktion: Schüler haben die Gelegenheit, ihre Fähigkeiten und Talente zu erkennen und auszutesten. Dem einen fallen naturwissenschaftliche Fächer leicht, der andere ist sprachbegabt oder sportlich oder hat seine Stärken eben im musischen Bereich. Es wäre also nicht fair, nur im Zusammenhang mit Zeichnen und Musik von einer Begabung zu sprechen. Der sportbegeisterte Schüler hat die Möglichkeit, sein Talent dazu zu nutzen, um den Notenschnitt zu verbessern. Und das Gleiche soll dem Schüler mit Musikgespür und Gefühl für Farben verwehrt bleiben? Mit welcher Begründung? Wer entscheidet, welches Talent wichtiger ist?