1. Saarland

Überraschen und fiese Pointen

Überraschen und fiese Pointen

Friedrichsthal. "Affe in Hast. Ast verpasst. Schrei verhallt im Regenwald." Bei dem regnerisch-trüben Aprilwetter kam derlei aufheiternd makabre Kurzlyrik gerade recht: Am Mittwoch startete die viertägige Veranstaltungsreihe "Comedy im Frühling" und lockte zahlreiche Zuschauer ins Katholische Vereinshaus Friedrichsthal

Friedrichsthal. "Affe in Hast. Ast verpasst. Schrei verhallt im Regenwald." Bei dem regnerisch-trüben Aprilwetter kam derlei aufheiternd makabre Kurzlyrik gerade recht: Am Mittwoch startete die viertägige Veranstaltungsreihe "Comedy im Frühling" und lockte zahlreiche Zuschauer ins Katholische Vereinshaus Friedrichsthal.Der künstlerische Leiter Charlie Bick staunte nicht schlecht, dass trotz des parallel laufenden Champions League-Fußballspiels so viel Publikum da hockte - dabei müsste er es besser wissen: Denn längst ist der vom Kulturforum des Regionalverbands Saarbrücken jeweils in Kooperation mit vier Städten beziehungsweise Gemeinden veranstaltete "knallbunte Abend" zum Selbstläufer mit treuer Stammkundschaft geworden. Zur Akzeptanz trägt sicher auch bei, dass die Veranstaltung keinen Eintritt kostet, sondern auf freiwilliger Basis ein Obolus für die Hutsammlung entrichtet werden kann. "Kultur für alle!" lautet das Motto.

Das traditionell mit Lokalmatadoren besetzte Vorprogramm bestreitet in diesem Lenz der dreimalige Wilhelm Busch-Preisträger und Wahlsaarländer Ody (www.ody-online.de) alias Gregor Köhne mit Ausschnitten aus seinem aktuellen Soloprogramm "GedichtsMassage". Und das ist im wahrsten Sinne des Wortes tierisch. Ody blickt darin tief in Flora und Fauna und bedichtet, gerne in Schüttelreimen und Wortneuschöpfungen, indianische Wetterregeln, depressive Killerwale, küsswillige Frösche, unterbelichtete Kleidermotten, kämpferische Kami-Ka(t)zen und das Schweigen der Störe. Wie immer mit Überraschungsmomenten und fiesen Pointen - Ody lässt Viecher massenweise auf oft wunderbar bizarre Art verrecken, so in seiner grandiosen wie tödlichen Yorkshire-Terrier-Trilogie mit ebenso letalem Epilog. Und weil der Schlägerkappen-bewehrte Wortartist Ody nicht nur begnadet reimt, sondern auch in Sachen Vortragskunst einiges dazugelernt hat, war das Vergnügen selbst für Tierfreunde gänzlich ungetrübt.

Auf einer Unterhaltungswelle ganz anderer Art reitet dagegen das Wall Street Theatre. Dessen Protagonisten Herr Schultze und Herr Schröder sind gebürtige Rheinländer, dabei wirken die beiden gescheitelten, pomadisierten und hornbebrillten Anzugträger "Simply british". So der Name ihres Programms, das Clownereien, ausgefallene Akrobatik, schräge Jonglage, faulen Zauber und Puppenspiel mit dem eigenen oder fremden Körper vereint. Dabei wird manche Erwartungshaltung unterlaufen, und über allem schwebt ein absurder Humor in memoriam Monty Python. Zum Abschluss zündeten die beiden Pseudobriten wahrlich ein Feuerwerk: in Form einer Zündkerze in ihrem Allerwertesten, die zu Ehren der Queen zu feierlichen Klängen von Edward Elgars "Pomp and Circumstance" abfackelte.