1. Saarland

Über Verbrechen vor eigener Haustür

Über Verbrechen vor eigener Haustür

Theley. Zum 70. Jahrestages der Novemberprogrome 1938 referierte Eva Tigmann, Historikerin und Lehrerin an der Erweiterten Realschule (ERS) Schaumberg in Theley vor 200 Schülern

Theley. Zum 70. Jahrestages der Novemberprogrome 1938 referierte Eva Tigmann, Historikerin und Lehrerin an der Erweiterten Realschule (ERS) Schaumberg in Theley vor 200 Schülern. Tigmann erläuterte, dass Reichsprogromnacht oder Reichskristallnacht vom NS-Regime organisiert wurde und für den Beginn der Judenverfolgung im Deutschen Reich steht, die später in den Holocaust an den europäischen Juden mündet. Die ersten jüdischen Mitbürger wurden ermordet oder in den Selbstmord getrieben, mehr als 30000 Juden in Konzentrationslagern inhaftiert, viele Synagogen und jüdische Friedhöfe zerstört. Tigmann schilderte eindrucksvoll die ersten Aktionen gegen die Juden im Saarland - gestützt mit Bildbeispielen aus St. Wendel, Ottweiler, Sötern und Bosen, wo die jüdische Bevölkerung die Inneneinrichtung ihrer Gotteshäuser sogar selbst zerstören musste. Tigmann untermauerte ihre Ausführungen mit Bildern aus der damaligen Zeit. Die Reaktionen der Schüler zeigten, dass ihnen bewusst wurde, dass diese schrecklichen Verbrechen nicht irgendwo im Reich, sondern vor der eigenen Haustür, in ihren Dörfern, stattfanden. Auch die Nachkriegsprozesse wurden angesprochen. Es gab bis 1952 im Saarland Verfahren gegen 340 Personen. In Sötern und Bosen wurde gegen 24 Bürger ermittelt, wobei die Gerichte 14 Haftstrafen bis zu drei Jahren verhängten. "Diese Strafen waren viel zu mild", meinte dazu eine Schülerin einer Hauptschulabschlussklasse. red