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"Tunnel bringt deutliche Verbesserung"

"Tunnel bringt deutliche Verbesserung"

Saarbrücken. Für Baudezernentin Rena Wandel-Hoefer (Foto: Stadt) ist die "Stadtmitte am Fluss" die große Chance für Saarbrücken - und viel mehr als ein Autobahntunnel. Die Stadt müsse gerade bei sinkenden Einwohnerzahlen attraktiver werden

Saarbrücken. Für Baudezernentin Rena Wandel-Hoefer (Foto: Stadt) ist die "Stadtmitte am Fluss" die große Chance für Saarbrücken - und viel mehr als ein Autobahntunnel. Die Stadt müsse gerade bei sinkenden Einwohnerzahlen attraktiver werden. Und ob sich Professoren und Manager für Saarbrücken entscheiden, hänge auch mit der Lebensqualität zusammen, meint die Dezernentin im SZ-Redaktionsgespräch. Sie will das Feld nicht dem FDP-Kandidaten fürs Oberbürgermeisteramt, Friedhelm Fiedler, überlassen, der gegen den Tunnel wettert; sie wirbt stattdessen dafür, trotz eines Briefes aus dem Bundesministerium für Verkehr und Bau um mehr Zuschüsse in Berlin zu kämpfen. In dem Brief steht, dass der Bund nicht mehr als die zugesagten 64 Millionen Euro zuschießen wird, es sei denn, Stadt und Land präsentierten neue Fakten. Doch Wandel-Hoefer geht in die Offensive: "Wir sind der Meinung, die 64 Millionen Euro sind zu wenig. Und wir sagen jetzt nicht einfach: Stadt und Land übernehmen zwei Drittel der Kosten des Tunnels. Dann würden wir ja schlecht verhandeln."Wandel-Hoefer sieht gute Chancen, mehr Geld zu bekommen. Denn die Tunnel-Planung sei überarbeitet worden, die Trasse nicht mehr so kurvig wie ursprünglich geplant und der gesamte Bauablauf einfacher. So habe die Stadt mehr Sicherheit, die Kosten von derzeit rund 200 Millionen Euro für den Tunnel einzuhalten. Doch erst Mitte 2012 werde es konkrete Kostenberechnungen geben, sagt Wandel-Hoefer: "Erst wenn der Tunnel-Entwurf steht, prüft der Bund." Erst dann könne über einen höheren Bundesanteil verhandelt werden. Nach ihren Angaben hat das Ministerium der Stadt bereits attestiert, dass mit dem Tunnel eine entscheidende Verbesserung der Verkehrssituation auf der Stadtautobahn gewährleistet sei. Darin gehe der CSU-Staatssekretär Andreas Scheuer in seinem jüngsten Brief an den FDP-Landesvorsitzenden Oliver Luksic aber gar nicht ein, kritisiert sie.

Dass auf der Stadtautobahn etwas passieren muss, ist dem Bund klar, sagt die Dezernentin. Nach einer Prognose des Bundes bis 2030 müsse Saarbrücken im Jahr mit 230 000 Staustunden auf der A 620 rechnen. Das liege vor allem am europaweiten Lkw-Verkehr. Wenn der Tunnel nicht komme, müsste nach Überlegungen des Bundes die Stadtautobahn auf sechs Spuren ausgebaut werden und die Franz-Josef-Röder-Straße würde nur noch zweispurig und damit als Hochwasserumfahrung wegfallen.

Wandel-Hoefer setzt aber nicht nur auf den Bund. Die EU gibt 50 Millionen Euro aus einem Städtebau-Topf, und für die neue Förderperiode ab 2014 könne sich die Stadt wieder um Zuschüsse bewerben. Das habe die EU zugesagt, sagt die Dezernentin. Sie ist aber frustriert, dass die Landesregierung die Finanzierungsvereinbarung immer noch nicht unterschrieben hat. Darin sei unter anderemn festgelegt, dass die "Stadtmitte am Fluss" in Stufen umgesetzt wird und dass Stadt und Land gemeinsam in Berlin um mehr Zuschüsse kämpfen wollen. Der Stadtrat habe sein Okay bereits im März gegeben, jetzt müsse das Land nachziehen. "Wir brauchen die Vereinbarung dringend, um weiterarbeiten zu können." Davon hänge zum Beispiel der Auftrag für die Baugrunduntersuchung ab, die ganz entscheidend für die Höhe der Kosten sei, sagt Wandel-Hoefer. Auch der Tunnelplaner, den das Landesamt für Straßenbau ausgesucht habe, könne erst nach der Unterschrift des Landes beginnen. Der habe viel Erfahrung und bereits den Rheinufertunnel in Düsseldorf geplant. sm