Ehrentag: Trier feiert 200 Jahre Karl Marx

Ehrentag : Trier feiert 200 Jahre Karl Marx

Der berühmteste Denker der Stadt Trier feiert Geburtstag. Gäste der Marx Party sind Prominente von Mario Adorf bis Günther Jauch.

Am 200. Geburtstag von Karl Marx schaut die Welt auf Trier. Dort wird am 5. Mai der bekannteste Sohn der Stadt groß gefeiert: Vor allem mit der Enthüllung einer Riesen-Marx-Statue, die die Volksrepublik China der Moselstadt zum historischen Tag geschenkt hat – und die alles andere als unumstritten ist. Politische Prominenz aus Berlin und China hat sich zu dem Festakt in der City angekündigt. Klar ist aber auch: Wenn das rote Tuch vom insgesamt 5,50 Meter hohen Bronze-Marx gezogen wird, wird auch Kritik und Protest hörbar sein.

„Wir sind überrascht, wie groß das öffentliche Interesse am 200. von Marx ist“, sagt der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD). Über Diskussionen zu und über Marx freue er sich: „Wir wollen ja die Auseinandersetzung.“ Zum Festakt erwartet er 180 Ehrengäste – von SPD-Chefin Andrea Nahles über die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) bis zum Vizeminister des Informationsbüros des Staatsrates der Volksrepublik China, Guo Weimin – und gut 1000 Trierer. Auch zum anschließenden Bürgerfest.

Zudem steht das barocke Geburtshaus von Marx im Fokus. Im dortigen Museum Karl-Marx-Haus, das der Friedrich-Ebert-Stiftung gehört, wird eine neue Dauerausstellung eröffnet, die Marx und die Wirkung seiner Ideen bis heute in den Blick nimmt. Die Party ist prominent besetzt: Die Festrede hält Nahles. TV-Moderator Günther Jauch liest die Geburtsurkunde von Marx vor - ist er doch der Ururururenkel von Emmerich Grach, der 1818 als zweiter Bürgermeister von Trier die Urkunde unterschrieb.

Mit dabei ist auch Schauspieler Mario Adorf, der gerade die Marx-Hauptrolle im Dokudrama „Karl Marx – der deutsche Prophet“ übernommen hatte – und der beim Festakt in Trier Gedichte von Marx rezitieren wird. Angesagt haben sich auch etliche Marx-Nachfahren, verrät Museumsleiterin Elisabeth Neu. Darunter die Ururenkelinnen Frédérique und Anne Longuet-Marx. „Es wird ein Familienfest.“

Auch die Bundespolitik fühlt sich nach Trier gerufen. Der SPD-Bundesvorstand macht eine Gedenkveranstaltung mit 500 geladenen Gästen im Theater. Nahles spricht – auch in Erinnerung an jene Rede, die Willy Brandt vor 50 Jahren in Trier auf Marx hielt. Zudem gibt es Musik und Texte. „Es wird eine Feinschmecker-Veranstaltung“, sagt SPD-Sprecher Philipp Geiger in Berlin. Und am Abend wird Linke-Politiker Gregor Gysi an der Uni Trier das Audimax füllen.

Nicht alle sehen im runden Geburtstag einen Grund zu feiern. Schließlich seien im Namen von Marx in kommunistische Diktaturen unzählige Verbrechen verübt worden, sagt unter anderem die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherschaft. Für den Tag haben sich mehrere Mahnwachen – auch gegen Opfer in China – angekündigt. Ein Protestierer will in einen Hungerstreik treten. Und die AfD hat einen Schweigemarsch durch die Innenstadt angemeldet.

An Marx scheiden sich immer noch die Geister. Die Linke und die kommunistische DKP wollen als Marx-Bündnis auch demonstrieren – für Marx. Die Polizei, die mit einem Großaufgebot an Kräften unterwegs sein wird, lässt die Kundgebungen zeitversetzt laufen, um Kollisionen zu verhindern. „Die ganze Stadt ist voller Veranstaltungen. Das ist sicherheitstechnisch eine große Herausforderung“, sagt Kulturdezernent Thomas Schmitt (CDU). Journalisten aus aller Welt werden erwartet.

Wie groß die Marx-Statue sein sollte, wo sie stehen sollte und ob sie sich Trier von China schenken lassen sollte – darüber ist in der Stadt an der Mosel zuvor heftig gestritten worden. Das Jawort für den Mega-Marx kam dann vom Stadtrat – mit dem Tenor: Karl Marx habe Weltgeschichte geschrieben und sei der bekannteste Trierer. Das Denkmal bedeute keineswegs eine Glorifizierung. „Wir machen keine Weltpolitik. Wir wollen Marx in die Stadt reinholen“, sagt Leibe. Marx, einer der geistigen Väter des Kommunismus, verbrachte die ersten 17 Jahre seines Lebens in Trier.

Der 5. Mai ist zugleich der Start ins Marx-Jubiläumsjahr: Dazu gehört auch die große, gut fünf Millionen Euro teure, rheinland-pfälzische Landesausstellung „Karl Marx 1818-1883. Leben. Werk. Zeit.“, die dann erstmals für Besucher öffnet. In zwei Museen sind rund 400 Exponate aus ganz Europa zusammengetragen worden – für die, nach Angaben der Macher, erste kulturhistorische Ausstellung zu Marx überhaupt. Die Festrede zur Eröffnung der Marx-Ausstellungen wird am Vorabend EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker halten.

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