1. Saarland

Trauerbewältigung im Garten

Trauerbewältigung im Garten

Dudweiler. Die Sonne scheint bei 16 Grad und frischem Wind. Blätterrauschen, Bienensummen, Stille. Die Steinmauerbank ist warm. Man kann sich setzten. Nein, es ist kein klassischer Park, der auf dem städtischen Friedhof in Dudweiler zum Verweilen einlädt

Dudweiler. Die Sonne scheint bei 16 Grad und frischem Wind. Blätterrauschen, Bienensummen, Stille. Die Steinmauerbank ist warm. Man kann sich setzten. Nein, es ist kein klassischer Park, der auf dem städtischen Friedhof in Dudweiler zum Verweilen einlädt.Am gestrigen Dienstagmorgen wurde in einem Kreis von rund 30 Besuchern der Memoriam-Garten in der Nähe des mittleren Eingangs zur Neuweilerstraße hin vorgestellt. "Entstanden ist dieser Garten in Kooperation des Friedhofs- und Bestattungsbetriebes der Landeshauptstadt Saarbrücken mit der Dauergrabpflege-Treuhandstelle Saarländischer Friedhofsgärtner", informierte Susanne Storb, Geschäftsführerin der Dauergrabpflege-Treuhandstelle vor Ort. Man wolle mit der Idee, innerhalb eines Landschaftsgartens Bestattungen zu integrieren, die neuen Bestattungsformen und Veränderungen im Bestattungsbetrieb auffangen.

"In diesem Bereich finden starke Liberalisierungen statt. Stichwort "Friedwald". Bundesweit geht der Trend zur Aschbestattung und zu Bestattungsriten wie das Ausstreuen der Asche vom Heißluftballon", informierte Uwe Kunzler, Werkleiter des Friedhofs- und Bestattungsbetriebs Saarbrücken. Die Friedhöfe würden kleiner, da oft auch das Geld fehle für eine klassische Bestattung. "Die Verarmung der Älteren, die sich für die günstigere Einäscherung entscheiden müssen, die Vereinsamung, weil die Kinder nicht mehr im selben Bundesland leben, die Angst: Wer wird sich um mein Grab kümmern, das führt schließlich zu den verschiedensten Erscheinungsformen an Grabstätten", so Kunzler weiter. Dabei bräuchte man einen Ort für Trauerbewältigung. "Ich war noch so erzogen, dass man vor Allerheiligen die Gräber schön gemacht hat", berichtete Bezirksbürgermeister Walter Rodermann am Dienstagmorgen im Memoriam-Garten.

Der Rathauschef begrüßte die Bestattungsform sehr. "Friedhof ist doch auch Treffpunkt von Gleichaltrigen mit dem gleichen Trauerhintergrund", so Rodermann. Das Konzept des Gartens beinhalte den Aspekt der Trauerbewältigung und des Gedenkens. "Man braucht einen Ort in geschützter Atmosphäre. Die Pflanzen, Sitzgelegenheiten und Kunstgegenstände helfen, sich an den Verstorbenen zu erinnern", erläuterte Susanne Storb. In zweijähriger Arbeitsphase vom Fall des ersten Baumes bis zum Tag der Eröffnung am Dienstag hat Karl Birkenmeier mit seinem Friedhofsgärtnern und Steinbildhauerin Nicole Jung den Garten mit viel Sorgfalt und Fingerspitzengefühl angelegt. "Wenn sie irgendwo hinkommen, wo es blüht, und auch der Winter schön ist mit winterharten, Reif besetzten Pflanzen, wo Stehlen und Steinkugeln die Gräber markieren, da möchte man gerne innehalten", beschreibt Landschaftsgärtner Birkenmeier den Ort.

Und dass es so bleibt, dafür sorgt die Dauergrabpflege, denn das Vorhaben sieht einen festen Pflegezeitraum von 20 Jahren vor. "Wer sich für ein Grab hier im Memoriam-Garten entscheidet, bezahlt einmalig eine Summe für Bestattung, Stein und 20 Jahre Pflege. Man braucht sich dann keine Sorgen mehr zu machen", sagte Susanne Storb. Zunächst gäbe es aus Platzgründen in Dudweiler erstmal Urnengräber, obwohl die Richtlinien für diese Gartenanlage auch Personengräber vorsähe.

"Auf dem Hauptfriedhof haben wir bereits ein Konzept mit Personengräbern vorgesehen", fügte Kunzler hinzu. Der Werkleiter hat bereits ähnliche Stätten in Mannheim und Karlsruhe betreut. Für das Saarland habe Dudweiler nun erstmalig den Startschuss gegeben. Aus christlicher Sicht begrüßte man das Gartenkonzept ebenfalls. "Wo es anonym ist, geht man nicht hin. Ein scheinbar leicht pflegbares Grab mit Steindeckel spricht die Menschen nicht an", bestätigte Christoph Storb, seit vier Jahren Diakon in Fischbach und Quierschied.

memoriam-garten.de