Tradition wahren - Neues wagen

Tradition wahren - Neues wagen

Selbach. Gleichsam ein Kind der Revolution ist der Oldenburger Hof in Selbach. Bei seinem Bau, 1804 bis 1807, wurden Steine des Tholeyer Klosters verwendet, aus dem die französischen Revolutionstruppen 1792 die Benediktiner Mönche vertrieben hatten

Selbach. Gleichsam ein Kind der Revolution ist der Oldenburger Hof in Selbach. Bei seinem Bau, 1804 bis 1807, wurden Steine des Tholeyer Klosters verwendet, aus dem die französischen Revolutionstruppen 1792 die Benediktiner Mönche vertrieben hatten. Ein Vorfahr Jochen Schneiders hatte das Kloster gekauft, Teile abreißen lassen, die Steine nach Selbach transportiert und damit den Oldenburger Hof bauen lassen."Das war Revolution genug", sagt Jochen Schneider und spielt auf die Küche des Restaurants an, das er vor über einem Jahr mit seiner Lebensgefährtin Charlotte Hoppe von seinen Eltern übernommen hat. In der Küche setzt der 32-Jährige auf Evolution, Weiterentwicklung, nicht auf Revolution, gewaltsame Veränderung. Die beiden gelernten Köche wollen Bewährtes weiterentwickeln, Neues ausprobieren und damit das Traditionelle bereichern.

Dass sich im Oldenburger Hof etwas tut und schon getan hat, ist deutlich sichtbar. Seine Fassade wurde ansprechend neu gestrichen und der Restaurantbereich wirkt jetzt viel heller und freundlicher.

In den vergangenen Wochen hatten wieder einmal die Handwerker im Oldenburger Hof die Herrschaft übernommen. Der Bereich der Küche wurde umgeändert und eine komplett neue Küche eingebaut. Im Restaurantbereich wurde ein neuer Fußboden verlegt und der Eingangsbereich umgestaltet.

Dass er irgend einmal die Gaststätte von seinem Vater übernehmen wird, das war für Jochen Schneider schon früh klar. Nach der Schule in die Kochlehre war dann auch folgerichtig sein Werdegang. Absolviert hat Schneider seine Lehre im Restaurant Kunz in Bliesen. Auch seinen Zivildienst leistete er in der Küche ab, in der Großküche des Hospitals in St. Wendel.

Seine Wanderjahre, von 1999 bis 2009, führten ihn über Karlsruhe, Mallorca, Colorado, Florida, hier kochte er im Privatclub von Donald Trump, zurück in die Heimat. Ausgesucht hat er seine Arbeitsstellen nach dem Motto "was ich noch lernen möchte". Mit den Jahren wuchs der Wunsch nach Selbstständigkeit, Unabhängigkeit und der Chance, eigene Ideen zu entwickeln. In Kehl am Rhein, dort hat er seine Lebensgefährtin kennengelernt, hat ihn dann sein Vater mit dem Angebot überrascht, den Oldenburger Hof zu übernehmen.

Seit dem 1. Januar 2010 führt das Paar den Oldenburger Hof und entwickelt das Haus unter Wahrung der Tradition weiter. Schnitzel und Rumpsteaks, dafür ist der Oldenburger Hof bekannt, die wird es auch weiterhin geben. Jochen Schneider und Charlotte Hoppe freuen sich aber auch darauf, Neues zu probieren. Gerne bieten sie, auch auf Vorbestellung, Küchenklassiker an, deren Zubereitung längere Zeit braucht. Im Übrigen wird die Karte der jeweiligen Saison angepasst.

Wann immer es möglich ist, und Preis und Qualität stimmen, greift Schneider auf Produkte der Region zurück. Gerne verwendet er etwa auch Obst und Gemüse, das ihm aus der Nachbarschaft angeboten wird.

Das wird ein spannendes Jahr blicken Charlotte Hoppe und Jochen Schneider nach vorne, wenn am Mittwoch, 20. April, das Restaurant seine Tore wieder öffnet. Spannend aber auch ganz privat. Das Paar erwartet im Mai sein erstes Kind, "es wird ein Junge, ein Koch".