Tourismus: Das Umland greift an

Tourismus: Das Umland greift an

Völklingen/Warndt/Köllertal/Saarbrücken. Der Großrosseler Bürgermeister Peter Duchene hat die Menschen in der Region gelobt, die Ferienwohnungen oder Privatzimmer anbieten. Die Gemeinden freue, dass Gäste auf ihrem Bann unterkommen können und nicht in Richtung Saarbrücken abziehen

Völklingen/Warndt/Köllertal/Saarbrücken. Der Großrosseler Bürgermeister Peter Duchene hat die Menschen in der Region gelobt, die Ferienwohnungen oder Privatzimmer anbieten. Die Gemeinden freue, dass Gäste auf ihrem Bann unterkommen können und nicht in Richtung Saarbrücken abziehen. Außer Duchene wollen auch seine Kollegen Klaus Lorig (Völklingen) und Martin Speicher (Püttlingen) diesen Wirtschaftszweig der privaten Beherbergung weiter fördern - und zwar gemeinsam. In der vergangenen Woche stellten sie auch die neue Auflage der Broschüre "Übernachten in der Region" vor. Neben den Hotels sind hier mehrere Dutzend private Adressen aufgeführt, bei denen man günstig unterkommt. Insgesamt sind 99 Adressen zusammengetragen worden. Mike Kind von der Stadtverwaltung Völklingen konnte die Dynamik der Branche mit Zahlen belegen: Wurden im Jahr 2008 noch knapp 3500 private Übernachtungen in Völklingen gezählt, so waren es im Jahr darauf bereits 8425, was einer Steigerung von 142 Prozent entsprach. Selbst bei der Annahme, dass Sonderfaktoren (viele Monteure der neuen Völklinger Saarstahl-Schmiede) zu berücksichtigen sind, gilt dieser Sprung als außergewöhnlich. Nach Überzeugung von Mike Kind tragen vor allem die steigende Qualität der Wohnungen und das mitwachsende Servicebewusstsein der Anbieter zu der guten Entwicklung bei. Unterdessen wird in Saarbrücken geplant, die Hotelbetreiber durch eine neue Steuer zu belasten. Die Hoteliers der Stadt sollen eine so genannte "Bettensteuer" für jeden Übernachtungsgast zahlen. Diese soll dazu beitragen, die Verschuldung der Stadt zu vermindern. Meinung

Saarbrücken schadet sich

Von SZ-Redakteur Alexander Will Diese Entwicklung sollte für Saarbrücken ein Warnschuss sein. Das Umland macht mobil, will der großen Stadt ein Stück vom Tourismuskuchen abjagen. Die Chancen stehen nicht schlecht. Zum einen machen die Bürgermeister dort gemeinsame Sache - und Einigkeit macht bekanntlich stark. Zum anderen schießt die im Rat regierende Mehrheit der Stadt gerade ins Knie. Die Rede ist von der sogenannten Bettensteuer. Was glauben Tourismus-Experten wie der Linken-Chef Rolf Linsler, was passiert, wenn die wirklich eingeführt wird? Natürlich müssen die Hoteliers die Preise erhöhen. Das wiederum dürfte viele Gäste dazu bewegen, im Umland abzusteigen. Linsler dagegen meint, dass diese Steuer, die es zum Beispiel auch in Weimar gebe, dort der Branche nicht geschadet habe. Der Vergleich sagt alles: Wer die Verhältnisse in einer weltweit bekannten Tourismusmetropole wie Weimar allen Ernstes mit Saarbrücken vergleicht, muss als Kommunalpolitiker noch viel lernen. Auf einen BlickIn Saarbrücken soll nicht nur eine Bettensteuer eingeführt werden. Die Stadt will auch die Wirte kräftiger zur Kasse bitten. Sie sollen für die Außenbestuhlung höhere Gebühren bezahlen. Die SZ fragt Sie: Ist diese Gebührenerhöhung gerechtfertigt? Stimmen Sie ab im Internet unter www.saarbruecker-zeitung.de/umfragen. red