THW-Ortungsspezialisten suchen im höchsten Kampfgebiet der Erde nach ÜberlebendenDramatischer Einsatz für THW

Freisen. Sie wirken müde. Ausgelaugt. Kein Wunder. Johannes Arnoldi vom Ortsverband des Technischen Hilfswerks (THW) in Nohfelden und sein Freisener THW-Kamerad Andres Schaal sind gerade vom bislang höchsten THW-Auslandseinsatz aus dem pakistanischen Kaschmir-Gebirge zurückgekehrt und werden in der Freisener THW-Unterkunft empfangen

Freisen. Sie wirken müde. Ausgelaugt. Kein Wunder. Johannes Arnoldi vom Ortsverband des Technischen Hilfswerks (THW) in Nohfelden und sein Freisener THW-Kamerad Andres Schaal sind gerade vom bislang höchsten THW-Auslandseinsatz aus dem pakistanischen Kaschmir-Gebirge zurückgekehrt und werden in der Freisener THW-Unterkunft empfangen. "Ich habe seit drei Tagen nicht mehr geschlafen", sagt der 45-jährige Schaal, als ihn seine Ehefrau und sein Sohn umarmen. Am Ostersonntag sind die beiden Seeba-Einsatzkräfte (Schnell-Einsatz-Einheit-Bergung-Ausland) alarmiert worden. Tags zuvor hatte eine Schneelawine im Norden Pakistans in der Nähe des Siachen-Gletschers auf über 4570 Metern Höhe einen pakistanischen Militärstützpunkt unter sich begraben. 124 Soldaten und 11 Zivilisten wurden nach Armeeangaben verschüttet."Es war ein sehr schwieriger und harter Einsatz", meint Schaal. Denn nach der Ankunft in Islamabad verzögerte sich die Weiterreise wegen schlechten Wetters. Drei Tage nach der gewaltigen Lawine waren die Chancen, Überlebende zu bergen, minimal. "Man geht davon aus, dass in den ersten 72 Stunden noch jemand lebend zu finden ist", erklärt der 51-jährige Arnoldi. Statt per Hubschrauber mussten die Ortungsspezialisten drei Tage über Land ins Katastrophengebiet fahren.

Der Siachen-Gletscher gilt als das höchstgelegene Kampfgebiet der Erde. In dem Gebiet stehen sich Tausende pakistanische und indische Soldaten gegenüber. Sie sind in Höhen von bis zu 6700 Metern stationiert. Die Lawine hatte ein Gebiet von über einem Quadratkilometer unter sich begraben. Eis, Schnee und Geröll türmten sich bis zu 25 Meter hoch und höher. Gemeinsam mit einem dreiköpfigen Team aus der Schweiz orteten sie mit Messgeräten für Lawinenortung in rund 4000 Meter Höhe das Gelände. "Die Luft war sehr dünn, und wir konnten uns nur sehr langsam fortbewegen", schildert Arnoldi die extremen Bedingungen bei der Suche nach Überlebenden. Das zerklüftete Gelände und auch gefährliche Spalten im Lawinenfeld hatten die Ortung erschwert und mitunter unmöglich gemacht. Zwar habe man einmal in einem Tunnel Klopfzeichen gehört und als Lebenszeichen gewertet. Eine genaue Lokalisierung sei aber nicht möglich gewesen und die Suche leider ergebnislos geblieben. "Hinter euch liegt ein Einsatz mit außergewöhnlichen Belastungen", weiß der Ortsbeauftragte des Freisener THW, Michael Becker. Marco Arnold, der kommissarische Ortsbeauftragte aus Nohfelden, klopft Arnoldi dafür anerkennend auf die Schulter.Foto: Faber

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Auf einen Blick

Der Siachen-Gletscher gilt als das höchstgelegene Kampfgebiet der Erde. Im jahrzehntelangen Konflikt zwischen Indien und Pakistan um Kaschmir sind dort mehr Soldaten durch Naturgewalten ums Leben gekommen, als durch Kampfhandlungen. Durch Lawinen und Erdrutsche werden in der Region immer wieder Straßen unpassierbar und Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten. Im Februar wurden mindestens 16 indische Soldaten von zwei Lawinen getötet. frf