Thema Organspende polarisiert

Thema Organspende polarisiert

Völklingen

Völklingen. Wie ist es um die Bereitschaft der Menschen bestellt, selbst einen Organspende-Ausweis zu führen und somit, im Falle des plötzlichen Todes, als Organspender zur Verfügung zu stehen? Nach den Organspende-Skandalen in Göttingen und Regensburg, bei denen Krankenakten manipuliert wurden, um Patienten bevorzugt zu einer Spenderleber zu verhelfen, sehen sich einige Bürger in ihrer Zurückhaltung, was das Spenden eines Organs angeht, bestätigt. Die Umfrage zeigt, das Thema löst gemischte Gefühle aus.Claus Ehehalt, den wir in Wehrden trafen, hatte bereits vor dem Skandal Bedenken: "Für mich ist die Aktenmanipulation nicht ausschlaggebend. Auch davor war ich nicht im Besitz eines Spenderausweises." Der 61-jährige Mitarbeiter in der Marktforschung fügt hinzu: "In vielen Angelegenheiten führen härtere Strafen nicht zum gewünschten Ergebnis, aber in dieser Affäre halte ich eine härtere Bestrafung, wie sie auch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr vorsieht, für sinnvoll." Gisela Stumpe (63) zückt direkt ihren Spenderausweis aus ihrem Portemonnaie: "Ich habe seit den 70er Jahren einen Ausweis und werde ihn aufgrund des Transplantationsskandals auch nicht ablegen - im Gegenteil: Nach dem Vorfall sind die Kontrollen doch viel stärker", so die Rentnerin aus Wehrden. Ganz anders sieht das Robert Stahlhofer aus Völklingen: "Aufgrund des unfairen Handels mit Organen trage ich keinen Organspendeausweis. Der Film ,Fleisch', der das Thema Organhandel aufgreift, hat meine Einstellung nur bestätigt", sagt der 57-jährige Diplomvolkswirt. Jens Pitschmann trägt ebenfalls keinen Spenderausweis mit sich, aber nicht aus Protest, sondern aus Faulheit: "Als ich jung war, habe ich mir Gedanken über die Organspende gemacht, aber da durfte ich noch nicht spenden. Danach war ich einfach zu faul, mir einen Ausweis anzuschaffen." Der 41-jährige Filialleiter aus Großrosseln äußert weiter: "Viele Ärzte versuchen, so schnell wie möglich an Organe zu kommen. Aber wenn klare Regeln gebrochen werden, dann ist das nicht richtig."

Betriebswirt Harry Bentz, der in Wehrden einkauft, sagt: "Auch vor dem aufgedeckten Skandal hatte ich keinen Spendeausweis. Der offizielle oder inoffizielle Handel spricht für mich dagegen. Aber meiner Familie und Freunden würde ich jederzeit Organe spenden", erklärt der 40-jährige Betriebswirt. "Wenn man wüsste, dass es an die Richtigen gelangt", so Ehefrau Tanja Bentz und fährt fort: "Wenn jemand aus dem Familienkreis meine Organe benötigt, dann sollen meine Nächsten in dem Moment darüber entscheiden, und nicht ein Ausweis."Foto: Becker& bredel

Fot0: becker & bredel

Zur Person

Aufgabe eines Transplantationsbeauftragten ist es, ärztliches und pflegerisches Personal, Patienten und Angehörige sowie die Öffentlichkeit für die Bedeutung und dringliche Notwendigkeit von Organspenden zu sensibilisieren und die internen Handlungsabläufe für Organspenden festzulegen und laufend zu optimieren.

An den SHG-Kliniken Völklingen hat diese Aufgabe der Chefarzt der Nephrologie und Dialyse, medizinische Klinik III, PD Dr. Martin Marx, übernommen, Telefon (0 68 98) 12 23 01. red

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