1. Saarland

Theater in neuer UmgebungVon der ernsten Natur zur heiteren Richtung

Theater in neuer UmgebungVon der ernsten Natur zur heiteren Richtung

Selbach. "Wir hatten bei Birtels seit der Gründung des Vereins unsere Heimat, 46 Jahre lang. Dann kam das Aus. Immer haben wir gedacht, dass es nach dem Schließen des Gasthauses dort irgendwie weiterlaufen wird. Wir haben bis Sommer gewartet. Aber dann war klar: Das wird nichts mehr. Jetzt kommt für uns nur noch das Dorfgemeinschaftshaus in Frage

Selbach. "Wir hatten bei Birtels seit der Gründung des Vereins unsere Heimat, 46 Jahre lang. Dann kam das Aus. Immer haben wir gedacht, dass es nach dem Schließen des Gasthauses dort irgendwie weiterlaufen wird. Wir haben bis Sommer gewartet. Aber dann war klar: Das wird nichts mehr. Jetzt kommt für uns nur noch das Dorfgemeinschaftshaus in Frage." Mit ein wenig Wehmut, aber auch mit deutlicher Freude im Unterton prägte der Vorsitzende des Theatervereins Nahequelle, Gerd Becking, diese Sätze, als er zusammen mit den Vorstandsmitgliedern Edwin Klemm und Jakob Rausch sowie der SZ am Tisch saß.Die Freude des Vereinschefs rührte daher, dass der Umzug in das Dorfgemeinschaftshaus reibungslos über die Bühne gegangen ist und die erste Theaterveranstaltung in der neuen Umgebung ein großer Erfolg war.

Rückblende. Im Sommer, als feststand, dass der Saal Birtel für die "Nahequelle" nicht mehr in Frage kommt, führten die Verantwortlichen Gespräche mit dem Nohfelder Bürgermeister Andreas Veit, mit Dieter Malburg vom Gemeindebauamt und mit dem Selbacher Ortsvorsteher Alois Wilhelm. Dabei ging es um die Frage, ob das Dorfgemeinschaftshaus so umgebaut werden kann, dass künftig darin Theater gespielt werden könne.

Vorhang, Beleuchtung, Ton

Die positive Auskunft ermunterte den Verein, sich sofort an die Arbeit zu machen. Bei der Firma Veranstaltungstechnik Knecht in St. Wendel wurde ein Vorhang und die dazu gehörenden Schienen bestellt. Vereinsmitglied Michael Gansen kümmerte sich um die Beleuchtung, den Ton und die Technik. Edwin Klemm, Jakob Rausch, Sascha Rausch, Reinhold Hornetz und Arnold Wilhelm, außerdem eine Reihe gelegentlicher Helfer, holten die Unterteile für die Bühne, die im Dorfgemeinschaftshaus gelagert waren und die der Verein vor längerer Zeit von der Türkismühler Gesamtschule bekommen hatte, aus der Versenkung. Die Männer transportierten die Bühnenaufbauten und alle Requisiten aus dem ehemaligen Saal in das neue Domizil und verlegten einen Fußboden samt Teppichbelag. "Alles musste so installiert werden, dass es zu den Aufführungen rasch aufgebaut und danach wieder abgebaut werden kann", erzählte Gerd Becking. Reibungslos ging das manchmal nicht. Regisseur Edwin Klemm: "Wir konnten nicht immer arbeiten, wann wir wollten. Das Haus wurde ja zwischendurch genutzt. So kam es, dass wir bis eine Woche vor der Theateraufführung im Dezember am Wirken waren." Zwischen September und November musste in der Garage des Roten Kreuzes geprobt werden.

Dann kam der erste Theatertag am 2. Dezember im neuen Saal, der mit 140 fast so viele Plätze hat wie der Saal Birtel. Allerdings ist zwischen den Stuhlreihen jetzt mehr Bewegungsfreiheit für die Besucher vorhanden. Insgesamt 400 Besucher freuten sich über die drei Aufführungen des Stückes "Finger weg von Erna Zeck". Gerd Becking: "Das Flair und die Atmosphäre haben gestimmt, sie waren sogar besser, als wir erwartet hatten."

Edwin Klemm sieht jetzt allerdings die Vereinsmitglieder stärker in der Pflicht: "Wir brauchen mehr Helfer. Es muss ja immer auf- und abgebaut werden. Dass die Einnahmen aus den Speisen und Getränken ab sofort dem Verein gehören, ist zwar gut für uns. Allerdings müssen wir auch die Leute für den Verkauf stellen." Kassenwart Jakob Rausch hat für den Vorhang, der 6500 Euro gekostet hat, tief in die Schatulle greifen müssen. Einen kleinen Zuschuss gab der Verband Saarländischer Amateurtheater. "Mit den ehrenamtlichen Helfern haben wir natürlich Geld sparen können.

Doch war die Investition für uns enorm. Ein bisschen finanzielle Unterstützung durch die Gemeinde könnten wir gut gebrauchen." Die nächste Veranstaltung des Theatervereins ist der Fastnachtsabend am 11. Februar. Nach den Worten von Spielleiter Edwin Klemm wird das zweite Adventswochenende für das Theaterspiel beibehalten. Selbach. Der Theaterverein Nahequelle Selbach wurde am 5. Dezember 1945 gegründet. Unmittelbar nach dem Krieg durfte jedoch nicht so ohne weiteres Theater gespielt werden. Am 31. Dezember 1945 erteilte der Nohfelder Amtsbürgermeister die Genehmigung dazu, dass am 1. Januar 1946 in der Gastwirtschaft Birtel in der Zeit zwischen 20 bis 23 Uhr gespielt werden dürfe. Die Verwaltungsgebühr betrug drei Reichsmark. Das Schriftstück ist bis heute erhalten. 1948 wurde der Verein auf Wunsch der Behörden in "Kulturverein" umbenannt. Seit 1952 gehört die "Nahequelle" dem Saarländischen Volksbühnenbund an, der sich heute Verband Saarländischer Amateurtheater nennt. In den ersten Jahren seines Bestehens waren die Theaterstücke ernsterer Natur und der Zeit angepasst. Erst Anfang der 70er Jahre wechselte die Bühnenliteratur mehr in die heitere Richtung. 1953 wurde der Selbacher Männergesangverein Teil des Vereins. Er trennte sich 1986 von ihm und wurde ein eigener Verein. Im gleichen Jahr gründete der Theaterverein, der zurzeit rund 100 Mitglieder hat, eine Jugendgruppe. gtr

Auf einen Blick

"Finger weg von Erna Zeck" lautete der Titel des Lustspiels, das Anfang Dezember dreimal im Dorfgemeinschaftshaus aufgeführt wurde. Dabei ging es um die Rentnerin Erna Zeck, die ein kleines Haus bewohnte und das ihr eine Immobilienfirma abluchsen wollte, um auf dem Gelände einen Golfplatz anlegen zu können. Erna Zeck aber wollte das nicht. Sie und ihre Familienangehörigen versteckten auf dem Gelände keltische Funde. Aus "archäologischen Gründen" griff die Denkmalbehörde ein und verhinderte den Bau des Golfplatzes.

Die Mitwirkenden: Hermine Thome, Silke Stoll, Gerd Becking, Arnold Becker, Sascha Rausch, Miriam Trappen. Maske: Sabine Stegmaier, Anne Dupont, Julia Jung. Technik: Michael Gansen. Bühnenaufbau: Edwin Klemm und Jakob Rausch. Souffleure: Edwin Klemm und Ingrid Zöhler. Regie: Edwin Klemm. gtr