Testfahrt mit Landfrauen

Testfahrt mit Landfrauen

Kulani Kulturlandschaftsinitiative st. wendeler land projekt tholey hunnenring kelten römer bostalsee, bosener mühle otzenhausen bosen

Nonnweiler/ Tholey. In der Arena des künftigen Keltenparkes reist der Archäologe Thomas Fritsch mit 30 Landfrauen in die Zeit der Kelten vor 2500 Jahren zurück. Anschaulich berichtet er vom Leben damals rund um den Ringwall. Wenige Stunden später lässt der Wissenschaftler Klaus Peter Henz im Wareswald den römischen Marktflecken in der Nähe des Schaumberges zum Leben erwachen. Im Tholeyer Kloster beleuchtet der Experte Johannes Naumann die Frankenzeit und das Mittelalter.Einen Tag lang gingen Landfrauen auf Entdeckungsreise in ihrer eigenen Heimat. Ihre Rundfahrt zu Orten der 2500-jährigen Geschichte des St. Wendeler Landes war ein Test. Ein gelungener, wie Werner Feldkamp, Vorsitzender der Kulturlandschaftsinitiative St. Wendeler Land (Kulani), sagt.

Die Tour sollte Bewusstsein und Interesse für die regionale Geschichte wecken. Dieses Ziel sei erreicht. "Für mich war vieles neu, das war eine Super-Veranstaltung", unterstreicht Margret Holzer, Vizechefin der Kreislandfrauen. Vorsitzende Christel Pauly sagt: "Die Referenten haben die Geschichte richtig lebhaft rübergebracht." Manches habe man noch aus der Schule im Gedächtnis, vieles erst bei dieser Exkursion erfahren.

Die kulturgeschichtliche Reise habe ihre Feuertaufe bestanden. Nächstes Jahr will Kulani deshalb solche Fahrten in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule (VHS) anbieten. "Wir planen zwei unterschiedliche Touren", kündigt Feldkamp an. Eine auf den Spuren der Kelten und Römer vom Hunnenring über den Wareswald bis Abtei und Schaumbergplateau. Eine zweite auf denen des heiligen Wendelin von Tholey nach St. Wendel mit Schwerpunkt Frankenzeit. Ansprechen will Kulani Menschen aus der Region.

"Unser Ziel ist es, der örtlichen Bevölkerung das reiche kulturelle Erbe der Region bewusster zu machen", betont Feldkamp. Die VHS-Touren sind da ein wichtiger Baustein im Projekt "St. Wendeler Land steinreich".

Weitere Bausteine kommen hinzu. So ist in jeder Kommune in Zusammenarbeit mit den örtlichen Heimatkundlern mindestens ein geschichtlicher Vortragabend geplant. Einige Themen sind schon festgelegt. So steht in Tholey der Gewerkschafter Nikolaus Warken, genannt Eckstein, im Vordergrund. In St. Wendel wird es um die Zerstörung der Stadt im 17. Jahrhundert gehen. In Oberthal könnten die Rötelkrämer ins Rampenlicht rücken, in Nohfelden die Lohhecken oder die Köhlerei.

Darüber hinaus plant Kulani eine Dauerausstellung in der Bosener Mühle zu 2500 Jahre Kulturgeschichte und deren Epochen.

Mit diesen verschiedenen Projekten will Kulani ihr von der Europäischen Union gefördertes Projekt "St. Wendeler Land steinreich" auf Alltagstauglichkeit testen (siehe Info).

Solche Geschichtsfahrten könnten auch Urlauber ansprechen, die beispielsweise ab Mitte 2013 im Ferienpark am Bostalsee entspannen sollen.

Hintergrund

Mit dem regionalen Entwicklungskonzept Lokalwarenmarkt St. Wendeler Land hat es sich die Kulturlandschaftsinitiative (Kulani) St. Wendeler Land zur Aufgabe gestellt, die regionalen Ressourcen Natur, kulturelles Erbe und örtliche Bevölkerung besser zu nutzen. Ziel: regionale Wertschöpfung, Nachhaltigkeit und kulturelle Identität verbessern. Während der EU-Förderperiode (Leader plus) wurden Besonderheiten des kulturellen Erbes unter dem Motto "St. Wendeler Land steinreich" zusammengefasst und mit Hilfe eines gemeinschaftlichen Dachprojektes und neun Partnerprojekten 2004 bis 2008 weiterentwickelt.

Während der jetzigen Förderperiode fassen Kulani und Partner die Stein-Themen unter der Überschrift "Das St. Wendeler Land: Beispiel einer 2500-jährigen europäischen Kulturgeschichte" zusammen und bereiten sie für die Bevölkerung auf. Dabei entstehe eine "Erzählung Europa", die kulturelle Besonderheiten des St. Wendeler Landes in Verbindung mit dem Thema Europa näher bringen soll. Zum Abschluss stehe ein Zukunftsforum, das eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft der Region schlage. Dieses Forum findet am Samstag, 1. Dezember in der Europäischen Akademie in Otzenhausen statt. red

Mehr von Saarbrücker Zeitung