Teppichreinigung mal anders: mit Rosmarin und Quark

Teppichreinigung mal anders: mit Rosmarin und Quark

Dillingen. Adam Cyryl ist ein waschechter persischer Teppich-Knüpfmeister. Im Iran hat der 25-Jährige in seiner Jugend das Handwerk der Fransenknüpftechnik gelernt. Ihm liegt die Pflege der orientalischen Teppiche am Herzen. In seiner Galerie Isfahan in Dillingen restauriert und reinigt er handgeknüpfte Originale auf altpersische Art. "Das heißt auf Naturbasis", erklärt Cyryl

Dillingen. Adam Cyryl ist ein waschechter persischer Teppich-Knüpfmeister. Im Iran hat der 25-Jährige in seiner Jugend das Handwerk der Fransenknüpftechnik gelernt. Ihm liegt die Pflege der orientalischen Teppiche am Herzen. In seiner Galerie Isfahan in Dillingen restauriert und reinigt er handgeknüpfte Originale auf altpersische Art. "Das heißt auf Naturbasis", erklärt Cyryl.Die Wolle für die Teppiche wird vor dem Knüpfen mühevoll gefärbt. Von Hand tauchen die Perser die Wolle in Ochsenblut und färben sie so rot, das Blau gewinnen sie aus Schmetterlingsflügeln, aus Pflanzen die Farbe Grün. "Eine heilige Farbe in Persien, weil es bei uns wenig Pflanzen gibt. An so etwas lässt man keine chemische Reinigung."

Cyryl und seine Mitarbeiter waschen orientalische Teppiche ausschließlich mit Regenwasser, Rosmarin und Lavendel, mit Schmierseife und Essig - und mit Quarkmolke für die weißen Fransen. Essig löst die Farbe und zieht sie nach oben, mit Salz wird die Farbe dann fixiert. "So wird die Original-Farbe zurückgewonnen - bei der chemischen Reinigung dagegen geht Farbe verloren", erklärt der Knüpfmeister.

Auch der Vorsitzende des Orient-Teppich-Verbandes in Berlin, Hagshenas Kourosh, sagt: "Ein original orientalischer Teppich muss gewaschen werden, nicht gereinigt." Werde ein Teppich nur durch eine Maschine laufen gelassen, verliere die Wolle an Fett. "Dadurch kann die Lebensdauer des Teppichs um zwei Drittel verkürzt werden." Die Handwäsche dagegen sei nicht weniger gründlich, aber schonender.

Für Cyryl ist ein Teppich ein langlebiger Überbringer der persischen Geschichte. Die Motive zeigen Traditionen und Legenden, kunstvoll und immer farbenfroh. "Aber mit der Zeit verliert jeder Teppich an Fett und Feuchtigkeit, die Farbe der Wolle verblasst." Daher sollte ein Teppich alle fünf bis sechs Jahre gereinigt werden. "Man muss ihn rückfetten, imprägnieren, die Farbe aufbereiten mit Essig-Extrakten."

Fast jeden Teppich kann man wiederherstellen, sagen die Iraner. So beseitigt Cyryl in seiner Galerie auch Brandschäden. Sein 60 Jahre alter Vater Achmed Maleki knüpft die beschädigten Stellen im Ernstfall ganz neu. Natürlich von Hand - laut seines Sohnes gibt es keine Maschine dafür. Dabei darf die frisch geknüpfte Stelle nicht neu aussehen: Selbst moderne Teppiche werden aus zehn Jahre alter Wolle geknüpft. Die muss so lange lagern, damit sie nicht brüchig wird.

800 Teppiche hat der 25-Jährige in seiner Galerie auf Lager, das älteste Stück stammt aus dem 17. Jahrhundert. "Für den Boden ist der viel zu wertvoll, der wird als Schmuck an die Wand gehängt", sagt Cyryl. "Das ist Kurk, die feinste Wolle, die man kriegen kann, von Stirn und Hals des Schafes." Was den orientalischen Teppich in seinen Augen ausmacht? "Die Muster, die Qualität, die Lebensdauer. So ein handgeknüpfter Teppich bleibt für ein ganzes Menschenleben und für eine Nachwelt erhalten."