Tastenkunststücke in Liszt'scher Manier

Tastenkunststücke in Liszt'scher Manier

Die Pianisten Gianluca Luisi und Uwe Brandt spielten „Unerhörtes an zwei Klavieren“: Bachs Goldberg-Variationen im Arrangement von Josef Rheinberger und Beethovens „Eroica“ in der Version von Otto Singer waren in ausgewogenen Interpretationen zu hören.

Als das Handy schnarrte, hatte gerade das Schluss-Andante der Goldberg-Variationen begonnen. Die Interpreten und das Publikum nahmen die Störung gelassen hin und reagierten mit Schmunzeln auf den akustischen Missklang.

Die Sulzbacher Aula war beim 2. Meisterkonzert bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Pianisten Gianluca Luisi und Uwe Brandt hatten nämlich "Unerhörtes an zwei Klavieren" angekündigt. "Unerhört" im historischen sprachlichen Verständnis von "noch nicht gehört", denn die Bach'schen Goldberg-Variationen BWV 988 im Arrangement von Josef Rheinberger und Beethovens "Eroica" in der Version von Otto Singer werden die Wenigsten gekannt haben.

Bachs Goldberg-Variationen, laut Biograph Nikolaus Forkel 1742 als psychische Therapie ("Gemütsergötzung") für den an Schlaflosigkeit leidenden Grafen Keyserling entstanden, entpuppten sich in der romantisierenden Bearbeitung Rheinbergers als erregt pulsierendes und dynamisch äußerst angespanntes Tonstück von verzehrender Kraft. Was Bach auf dem "Clavicimbal mit zwei Manualen" in 30 Veränderungen zu Wege brachte, reizte den Romantiker Rheinberger zu pianistischem Glanz, der Bach temperamentvoll aufpoliert und seine technischen Errungenschaften virtuos ausstaffiert. Da blieb für Luisi und Brandt viel Raum für saubere Fingerfertigkeit. Die typisch Bachischen Gegenläufigkeiten, das Terzenskalen-Geschwirre oder die zweistimmigen Sechzehntelpassagen im kanonischen Abstand eines Achtels vergrößerten sich, aufgeteilt auf zwei Klaviere, zu ergiebigen Tastenkunststücken in Liszt'scher Manier. Sehr schön der sparsame Pedal-Gebrauch, der die perlende Motorik nicht verschleierte. Makellos synchroner Einsatz, gepaart mit zart schwellender Dynamik, ließ viele lyrische Seitenblicke offen. Das Glitzernd-Virtuose, gesteigert durch gewagtes Anziehen der Tempi, wurde zum entscheidenden Charakteristikum.

In Beethovens abschließender 3. Symphonie ("Eroica"), arrangiert von Otto Singer, verstärkte sich dieses Element zu impulsiver Kraft. Die auf beide Instrumente gleichmäßig verteilten melodischen und rhythmischen Strukturen kamen ausgiebig zum Einsatz. Die Ausgewogenheit der Interpretation wurde der ideellen Bedeutung der Komposition jederzeit gerecht.