1. Saarland

Tafeln planen Zusammenschluss

Tafeln planen Zusammenschluss

In der Regionalkonferenz der Tafeln in Merzig berieten die Vertreter darüber, ob bei der anstehenden Landestagung ein regionaler Verband gegründet werden soll. Problematisch könnte es dabei werden, die Tafeln unter einen Hut zu bringen.

Es muss etwas geändert werden. Da sind sich die zwölf saarländischen und neun westpfälzischen Tafeln einig, die sich in Merzig getroffen haben. Dabei berieten die Tafel-Vertreter in ihrer Regionalkonferenz darüber, ob bei der anstehenden Landestagung am Dienstag, 5. November, in Grünstadt ein Verband gegründet werden soll, der einige Aufgaben der separat organisierten Tafeln unter einen Hut bringen könnte.

Wichtig sei vor allem, das Abrechnungswesen zusammenzulegen, da es für die einzelnen Tafeln großen bürokratischen Aufwand bedeute. "Auch Großlogistik wird bald von Nöten sein, da ausschließlich regionale Spender in der Zukunft nicht mehr ausreichen werden", fürchtet Roland Best von der Homburger Tafel.

Aus diesem Punkt ergibt sich das erste große Problem eines möglichen Zusammenschlusses. Vor allem den Tafeln, die Trägerschaften unterstehen, ist es meist nicht gestattet, Spenden von außerhalb einzusammeln. "Um die Versorgung für die Zukunft zu sichern, müssen auch die Trägerschaften umdenken. Sonst stehen wir bald mit dem Rücken zur Wand", fordert Sabine Strauch von der Merziger Tafel.

Neben Differenzen bezüglich der Gründung eines regionalen Verbandes wurde auch über grundsätzliche Probleme im Tagesgeschäft diskutiert. So sei das Finden von ehrenamtlichen Mitarbeitern eine große Baustelle. "Vielen Ehrenamtlichen fehlt Anerkennung für ihre Arbeit", berichtet Versammlungsleiter Manfred Hohl von der Kuseler Tafel, "das hat auch mit der Außendarstellung der Tafelarbeit zu tun". So standen auch Ideen wie Vergünstigungen durch "Ehrenamtskarten" im Raum. Darüber hinaus wurde aus St. Wendel für die Möglichkeit geworben, bereits in den Schulen Werbung zu machen. Dort seien bereits einige Sozialpraktika absolviert worden. Sowieso seien Kooperationen mit möglichst vielen Vereinen und Institutionen nötig, um ein Netzwerk aufzubauen.

"Die Allgemeinheit muss verstehen, dass wir nicht irgendwelche Lebensmittel verteilen, sondern dass wir nur Lebensmittel verwenden, die sonst im Müll gelandet wären", sagt Roland Best: "Wir sind Lebensmittelretter." Doch auch das werde immer schwieriger, wie eine Anekdote aus der Runde belegt: In Saarlouis verweigerte die Barbarossa-Bäckerei die Ausgabe von Brot an die Tafel, weil sie durch die Verbrennung des Brotes in einer Müllverbrennungsanlage Geld verdienen kann. Ein Skandal, finden die Tafel-Vertreter.

Auch die Ausländerproblematik schwinge immer mit. "Viele Menschen behaupten: Die Tafel versorgt sowieso nur Ausländer", sagt Manfred Hohl. Dabei seien es oft die betreuenden Institutionen, die für die Migranten zuständig sind, die jene an die Tafel verweisen. Dabei komme es nicht selten zu sprachlichen Problemen. Auch sei es schon vorgekommen, dass Migranten bei den Tafeln bestimmte Lebensmittel aufgrund ihrer Kultur abgelehnt haben. "Darauf können wir keine Rücksicht nehmen", sagt Frank Paqué von der evangelischen Kirchengemeinde Merzig, die ab nächstem Jahr die Trägerschaft der Merziger Tafel pünktlich zu deren zehnten Geburtstag von der AG Altenhilfe übernehmen wird. "Da brauchen wir ein klares Profil. Wir müssen auch mal Nein sagen", macht Paqué deutlich.

Das wollen die Vertreter auf der Landestagung in Grünstadt allerdings nicht tun, denn nach Meinung der Meisten ist ein Zusammenschluss nötig. Wenn nicht als Verband, dann eben in anderer Form.