1. Saarland

„Superministerin mit mehreren Geschäftsbereichen“

„Superministerin mit mehreren Geschäftsbereichen“

Von wegen: Das bisschen Haushalt macht sich von allein! Diese Arbeit beanspruchte die Bergmannsfrau voll und ganz. Sie stand als erste am Morgen auf und ging als letzte zu Bett.

Dazwischen lag ein Tag mit harter Arbeit, angefangen vom Waschen ohne Waschmaschine, dem Stopfen der derben Bergmannskleidung, dem Abwischen des Kohlenstaubs von den Möbeln und dem Kochen für die in Etappen eintreffenden Kinder und den Ehemann. Das war ihre Aufgabe, auf die sie in den an den lothringischen Grubenstandorten allgegenwärtigen Haushaltsschulen, gerne auch "Puddingschule" genannt, vorbereitet wurde. "Das klingt nach Beschäftigungstherapie, jedoch war die unbezahlte Arbeitskraft der Hausfrauen ein wesentlicher Bestandteil des Systems Bergbau", sagt die Autorin Sabine Graf. Damit der Bergmann unter Tage seine Leistung bringen konnte, musste die Bergmannsfrau über Tage für sein Wohlergehen sorgen. Diese unbezahlte, aber mit zahlreichen Vergünstigungen seitens des Bergbauunternehmens ausgestattete Tätigkeit der Frauen steht im Zentrum der von Graf in deutscher Sprache für das Bergarbeitermuseum entwickelten Führung: "Sie bekam keinen Lohn, war aber für den Etat der Familie zuständig. Ein Zeitzeuge hat daher das Bild von der Bergmannsfrau als Wirtschaft-, Finanz-, Innen- und Erziehungsministerin der Familie geprägt. Sie war so etwas wie eine Superministerin mit mehreren Geschäftsbereichen." Darauf spielt der Titel der Führung "Gestatten: Frau Superministerin" an. Sie verbindet die Geschichte der Arbeit der Bergmannsfrau und der Frauen im Bergwerk mit der Dauerausstellung des Bergarbeitermuseums im Carreau Wendel.

Führung im Carreau Wendel am Sonntag um 15 Uhr.