1. Saarland

Suche nach Musik mit Bezug zum Saarland war Detektivarbeit

Suche nach Musik mit Bezug zum Saarland war Detektivarbeit

Saarbrücken. Aus dem Seminarraum in der Jugendherberge Tholey klingen bezaubernde Streichermelodien, quirlige Holzbläserarabesken und sonores Blech. Hier hat sich das Landesjugend-Symphonieorchester Saar (LJO) zurückgezogen, um unter der Leitung von Alexander Mayer auf den Pfaden romantischer Komponisten zu wandeln

Saarbrücken. Aus dem Seminarraum in der Jugendherberge Tholey klingen bezaubernde Streichermelodien, quirlige Holzbläserarabesken und sonores Blech. Hier hat sich das Landesjugend-Symphonieorchester Saar (LJO) zurückgezogen, um unter der Leitung von Alexander Mayer auf den Pfaden romantischer Komponisten zu wandeln. Wer jetzt an Brahms, Chopin, Schumann oder andere Vertreter der ersten Garde im Konzertsaal denkt, liegt daneben. Denn das mit "Romantische Entdeckungen" übertitelte Programm der 53. Arbeits- und Konzertphase des Nachwuchsklangkörpers dürfte auch eingefleischte Konzertgänger und - kenner vor echte Herausforderungen stellen. Umso besser, wenn bislang Ungehörtes mit soviel jugendlichem Elan angegangen wird. Da dieses Frühjahr neben den regulären Konzerten in der Saarbrücker Congresshalle und in Neunkirchen noch ein Auftritt im Rahmen des im Mai in Saarbrücken stattfindenden Bundeswettbewerbs "Jugend musiziert" ansteht, sollte das Programm auch einen Bezug zum Saarland haben. Das artete für die Künstlerische Leiterin Britta Lahnstein in echte Detektivarbeit aus. Fündig wurde sie schließlich im Stadtarchiv im pfälzischen Worms, wo die Werke von Friedrich Gernsheim aufbewahrt werden. "Die Noten sind bei keinem Verlag erschienen, wir leisten hier richtige Pionierarbeit", sagt Britta Lahnstein. Gernsheim, Spross aus einer angesehenen jüdischen Familie, war mit Brahms, Saint- Saens und Lalo befreundet. Zu den Schülern des gebürtigen Wormsers zählte unter anderem Engelbert Humperdinck. Gernsheim war nach Station in Paris in den Jahren 1860 bis 1865 als Musikdirektor in Saarbrücken engagiert, sein weiterer Lebensweg führte ihn nach Köln, Rotterdam und Berlin. Hinterlassen hat er vier Sinfonien und mehrere Kammernmusikwerke. Das Landesjugendorchester hat sich die erste in g- moll vorgenommen. "Das ist richtig bekömmliche, hochromantische Orchesterkost", freut sich Lahnstein. Auch den Jugendlichen gefällt es, denn in der Probenpause hört man allenthalben auf den Gängen gepfiffene Motive aus dem Werk. Auch der Rest kann sich hören lassen. Zum Auftakt wird eine Ouvertüre von Niels Wilhelm Gade kredenzt, daneben steht das wenig bekannte Bratschenkonzert von Cecil Forsyth. Ans Tageslicht gehievt hat das Werk Solistin Petra Marcolin. Sie ist ein Eigengewächs des Orchesters, studiert an der Hochschule für Musik Saar bei Professor Jone Kaliunaite und hat sich kürzlich eine Praktikantenstelle in der Deutschen Radiophilharmonie erspielt. Rund acht Stunden sind die jungen Musiker täglich im Einsatz. Da kann es durchaus zu Ermüdungserscheinungen oder kleinen Wehwehchen kommen. Denn intensives Musizieren kann mit Hochleistungssport verglichen werden. Konzerte: Donnerstag, 3. April, 19.30 Uhr, Aula des Gymnasiums am Krebsberg, Neunkirchen; Samstag, 5. April, 20 Uhr, Congresshalle Saarbrücken. Karten bei SR am Markt und im Musikhaus Arthur Knopp. Info: www.ljo-saar.de