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Herbst 2019
Pflege-Tüv soll kritischer und besser werden

Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sollen bald aussagekräftige Bewertungen von Heimen und ambulanten Diensten bekommen.
Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sollen bald aussagekräftige Bewertungen von Heimen und ambulanten Diensten bekommen. FOTO: dpa / Daniel Karmann
Berlin/Saarbrücken. Schluss mit den ewigen Traumnoten: Die Suche nach einem guten Pflegeheim wird bald leichter. dpa/kna/SZ

Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sollen bald aussagekräftige Bewertungen von Heimen und ambulanten Diensten bekommen. Das sehen Empfehlungen für einen neuen Pflege-Tüv vor, die Wissenschaftler im Auftrag des Gesetzgebers vorgelegt haben. Damit dürfte die tatsächliche Situation in den Einrichtungen erstmals realistisch erfasst und für alle verständlich dargestellt werden. Ein System aus Punkten und Kästchen soll die umstrittenen Pflegenoten ersetzen, die generell so positiv ausfallen, dass kaum Vergleiche möglich sind.


Voraussichtlich im Herbst 2019 wird der neue Pflege-Tüv starten, teilte das Gesundheitsministerium gestern mit. „Wir werden zu realistischen Qualitätsbewertungen kommen“, sagte Chefgutachter Klaus Wingenfeld. Die bisherigen Bewertungen kranken vor allem daran, dass sie sich schwerpunktmäßig auf die Dokumentation der Heime stützen. Zentraler Kritikpunkt an den online abrufbaren Benotungen ist zudem ihre mangelnde Aussagekraft. So erzielten im Oktober Pflegeheime eine bundesweite Durchschnittsnote von 1,2. Von Land zu Land variierten die Noten zwischen 1,1 und 1,4. Im Saarland gab es fast nur Bestnoten. So schnitten sowohl die 153 geprüften Heime wie auch die 115 untersuchten Pflegedienste insgesamt mit der Traumnote 1,1 ab. „Ein Tüv, bei dem heute fast jedes Heim ein ,sehr gut’ bekommt, verdient seinen Namen nicht“, kritisierte aber auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erst kürzlich wieder. Die Stiftung Patientenschutz rügt seit langem, dass zum Beispiel ein guter Speiseplan schlechte Pflege ausgleichen könne.

Bereits 2015 hatte der Gesetzgeber Kommunen, Pflegeeinrichtungen und -kassen beauftragt, bis März 2017 ein neues Prüfverfahren zu entwickeln. Doch es gab immer wieder Verzögerungen. Künftig soll konkret geschaut werden, wie gut die Pflege wirklich ist – etwa beim Erhalt von Mobilität und Selbstständigkeit im Alltag oder beim Vermeiden schwerer Stürze.