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Zwischen Cartoon und Dichtung

Bernd Kissel kam auf Einladung von Elisa Rauber (r.). Foto: SZ
Bernd Kissel kam auf Einladung von Elisa Rauber (r.). Foto: SZ
Theley. Bin ich ein Dichter? Das fragte sich die 13-jährige Elisa Rauber, bevor sie sich entschloss, beim dritten landesweiten Schreibwettbewerb "Wortsegel" der Gemeinde Tholey mitzumachen und sich in diesem Fach einfach einmal zu versuchen Von SZ-Mitarbeiter Gerhard Tröster

Theley. Bin ich ein Dichter? Das fragte sich die 13-jährige Elisa Rauber, bevor sie sich entschloss, beim dritten landesweiten Schreibwettbewerb "Wortsegel" der Gemeinde Tholey mitzumachen und sich in diesem Fach einfach einmal zu versuchen. Viele Stunden gebrütetViele Stunden brütete das Mädchen über dem Text, in dem es heißt: "Wörter, Sätze, Fragezeichen, Rechtschreibung und Satzbau reichen nicht, denn es gibt Schranken beim Aufschreiben von Gedanken. ( ) Doch versuch' ich's hier und dort, leg' den Bleistift wieder fort. Und dann denk' ich vor mich hin, dass ich wohl kein Dichter bin".So wenig Elisa Rauber noch während des Schreibens von ihren Dichterqualitäten überzeugt war, so sehr musste sie sich am Ende selbst korrigieren. Die Jury des Wettbewerbs entschied nämlich, dass sie mit ihren Versen in ihrer Altersklasse auf den zweiten Platz gehört. Sie durfte sich aus dem so genannten "Bestellkatalog für Autoren" einen aussuchen, der dann zu einer Lesung in ihre Schulklasse kommt. Elisas Wahl fiel auf den saarländischen Comic- und Trickfilmzeichner Bernd Kissel aus Berus. Der Künstler hat sich in der vergangenen Zeit mit 100 Folgen seiner gezeichneten "Saar-Legenden" in der Saarbrücker Zeitung einen Namen gemacht und auch bereits zwei Bücher darüber herausgegeben. Der 27. April war dann Elisas großer Tag: Bernd Kissel kam für zwei Unterrichtsstunden in die Klasse 7a nach Theley. Nicht nur ihre Lehrerin Miriam Breyer freute sich über den Besuch des Zeichenkünstlers, sondern auch ihre Klassenkameraden. Bernd Kissel erzählte zuerst etwas über die Technik des Zeichnens und erklärte den Kindern das Prinzip, wie man sich beim Malen zuerst einen Fluchtpunkt aussuchen muss und dann danach arbeitet. Anschließend kam er auf die Sagen und Legenden zu sprechen. "Sagen und Comics gab es schon in der Steinzeit", erzählte er. Texte und Bilder"Im Mittelalter hat man sie auf Küchenfenster gemalt. Später kamen zu den Bildern auch Texte". In der zweiten Unterrichtsstunde las eine Schülerin die Sage "Die guten Zwerge von Ensheim" vor - "weil sie eine ganz besondere Moral hat", wie Kissel weiß. Aus der Geschichte wurde der Zwerg - er hat einen besonders großen Kopf und Gänsefüße - herausgegriffen. Die Schüler malten ihn, sozusagen als ihre eigene Version zu der Geschichte. In ihr geht es um einen Müller, der einen verunglückten Zwerg wieder gesund pflegt und er deshalb mit Reichtum belohnt wird. Dass ein Autor also nicht unbedingt ein Vorleser, sondern auch ein Zeichner sein kann, haben die Schüler der Klasse 7a während diesen interessant gestalteten Unterrichtsstunden mitbekommen. Michelle: "Ich habe die Bildgeschichten von Bernd Kissel in der SZ oft gelesen, mir um den Zeichner aber nie Gedanken gemacht". Julia: "Eines Tages möchte ich auch einmal so schön zeichnen können wie er". Max: "Mit dem Zeichnen habe ich nicht viel am Hut. Trotzdem hat mir der Unterricht mit Bernd Kissel sehr gut gefallen".


Zur PersonBernd Kissel wurde 1978 in Saarbrücken geboren. Von 1992 bis 1995 zeichnete er Karikaturen für die Saarbrücker Zeitung und machte anschließend drei Jahre lang in Luxemburg eine Ausbildung als Trickfilmzeichner. Seit 2000 ist er Background- und Pop-Designer in einem Luxemburger Studio. Von 1998 bis 2002 zeichnete Bernd Kissel Cartoons für die Schrift "Schrot und Korn". Von 2007 bis 2009 veröffentlichte er in den Samstagsausgaben der Saarbrücker Zeitung die "Saar-Legenden", zu denen er inzwischen zwei Bücher herausgegeben hat. gtr