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Protestaktion
„Wer singt und tanzt hat keine Angst“

Die Menschen, die sich auf dem Schlossplatz versammelten, setzten ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen. Laut einer repräsentativen Studie des Familienministeriums haben 40 Prozent der Frauen in Deutschland seit ihrem 16. Lebensjahr schon körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt. Die Kampagne „One Billion Rising“ gibt es bereits seit 2012. Bundesweit fand sie in diesem Jahr in 175 Orten statt und verlieh den Opfern damit eine ausdrucksstarke Stimme.
Die Menschen, die sich auf dem Schlossplatz versammelten, setzten ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen. Laut einer repräsentativen Studie des Familienministeriums haben 40 Prozent der Frauen in Deutschland seit ihrem 16. Lebensjahr schon körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt. Die Kampagne „One Billion Rising“ gibt es bereits seit 2012. Bundesweit fand sie in diesem Jahr in 175 Orten statt und verlieh den Opfern damit eine ausdrucksstarke Stimme. FOTO: Frank Faber
St. Wendel. „One Billion Rising“: 100 Menschen haben bei der Protestaktion auf dem Schlossplatz ein sichtbares Zeichen gegen Gewalt an Frauen gesetzt. Von Frank Faber

Bundesweit wurde in mehr als 175 Orten gegen Gewalt an Frauen gesungen und getanzt. In St. Wendel trafen sich 100 Menschen auf dem Schlossplatz, um sich mit der weltweiten Protestaktion „One Billion Rising“ zu solidarisieren. „Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist nicht hinzunehmen“, verurteilte Ursula Weiland, die Frauenbeauftragte im Landkreis St. Wendel, die Gewalttaten. Laut einer repräsentativen Studie des Familienministeriums haben 40 Prozent der Frauen in Deutschland seit ihrem 16. Lebensjahr schon körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt. Verübt wird sie meist von Partnern oder Expartnern im häuslichen Umfeld.


So auch im Landkreis St. Wendel. Laut der polizeilichen Kriminalstatistik, so Weiland, müsse die Polizei 100 Mal pro Jahr wegen häuslicher Gewalt ausrücken. „Dazu kommt dann noch, dass etliche Fälle einfach totgeschwiegen werden“, ergänzte die Frauenbeauftragte. Die Altersgruppe der 15- bis 44-jährigen Mädchen und Frauen würden zur Risikogruppe zählen. „Das ihnen Gewalt angetan wird, ist statistisch wahrscheinlicher, als dass sie in Verkehrsunfälle verwickelt werden“, sagte Weiland. Lediglich läppische fünf Prozent aller Vergewaltigungen würden zur Anzeige gebracht, davon nur 13 Prozent vor Gericht landen. „Es gibt zu wenig Platz in den Frauenhäusern“, bemängelte sie.

Auf dem Schlossplatz verzichteten  die Frauen am Valentinstag auf Rosen, die oft dazu benutzt werden, Gewalt zu verschleiern. „Wir brauchen einen gewaltfreien und respektvollen Umgang miteinander“, forderten sie. Katja Bonny gab auf der Bühne die Tanzschritte vor, und 100 Menschen – überwiegend aus den Einrichtungen der St. Wendeler Lebenshilfe – tanzten die Choreografie und sangen die Hymne „Break the chain“ („Zerbrich die Ketten“).

„In den vergangenen beiden Jahren hatten wir mehr Teilnehmer“, so Weiland. Aber sie weiß, dass es sich nicht um ein „sexy Thema“ handelt. „Und die Hoffnung, dass eine betroffene Frau zur Protestaktion kommt, die kann man vergessen“, meinte sie. Es sei dennoch wichtig die Gesellschaft auf das Thema aufmerksam zu machen. „Viele Frauen, die Gewalt erlebt haben, spüren ihren Körper nicht mehr richtig. Deswegen ist es so wichtig, hier gemeinsam zu tanzen“, machte Weiland die große Bedeutung des Tanzens für betroffene Frauen deutlich.

Auch auf die Vorwürfe wegen sexuellen Fehlverhaltens eines US-Filmproduzenten, die derzeit für Aufsehen sorgen, ging die Frauenbeauftragte kurz ein. „Kein Job kann so gut sein, dass man mit einem Mann dafür schlafen muss“, betonte sie. Allerdings von einem umgekehrten Fall habe man noch nie was gehört. „Wer singt und tanzt, hat keine Angst, und damit wollen wir andere Frauen ermutigen, dass sie Freiheit verspüren und die Solidarität untereinander stärken“, meinte Weiland. Und deshalb sei es so wichtig gewesen, auch diesmal wieder gegen Ausbeutung und Gewalt öffentlich zu protestieren.