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G8
Volljährigkeit in vollen Zügen genießen

FOTO: Veit
Für mich war die Oberstufe die schönste Zeit meiner Jugend. Das Erlangen von neuen Freiheiten durch die Volljährigkeit konnte ich in vollen Zügen genießen, weil ich mich im sicheren und mir bekannten Umfeld der Schule befand. In dieser Phase meines Lebens hätte ich mich nicht mit Dingen wie WG-Suche und Studienbewerbungen beschäftigen können und wollen. Natürlich haben auch wir G9-Schüler das Abitur nicht geschenkt bekommen. Aber wir wurden ausreichend auf die Prüfungen vorbereitet, sodass wir neben den schulischen Aktivitäten auch noch andere Kompetenzen entwickeln konnten. Das sind die Vorteile einer längeren Schulzeit. Vorteile einer kürzeren Schulzeit sehe ich nicht. Es bringt niemandem etwas, mit 18 Jahren Abitur zu haben und dann sofort zur Uni zu gehen, nur um sich mit 23 in den Beruf zu bewerben.

Wir haben im Saarland auch ohne die bevorstehende Abstimmung zwei Alternativen: Das Gymnasium bietet ein Abitur nach acht Jahren, die Gemeinschaftsschule mit gymnasialer Oberstufe bietet ein Abitur nach neun Jahren. Jedoch sind Gymnasium und Gemeinschaftsschule grundsätzlich unterschiedlich, da sie verschiedene Leistungsspektren bedienen. Soll sich ein Kind im obersten Leistungsniveau befinden und möglichst früh im akademischen Beruf sein, dann soll es wohl auf das Gymnasium gehen. Soll es etwas mehr Jugend genießen können, wird es die Gemeinschaftsschule wählen, in der es auch mit Leistungsschwächeren zusammen unterrichtet wird. Die Einführung des klassischen G9-Abiturs bietet für Kinder einen Kompromiss zwischen Gymnasium und Gemeinschaftsschule, da es mehr Zeit für die jugendliche Entwicklung aber auch eine Förderung im obersten Leistungsbereich enthält.“


Johannes Veit (Foto: J. Veith), 28 Jahre, Aus Bosen, Referendar an Gemeinschaftsschulen im Saarland