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Aberglaube
Volkskundler erklärt den wahren Ursprung des Unglückstages

Volkskundler Gunter Altenkirch.
Volkskundler Gunter Altenkirch. FOTO: Marcus Altenkirch-FessErfweiler / Lasse Altenkirch
St. Wendel. Von Sarah Konrad

Es ist ein besonderer Tag. Menschen bleiben scheinbar grundlos zu Hause. Viele meiden Leitern, schwarze Katzen und zerbrochene Spiegel. Denn für Abergläubige bedeuten diese Unglücksboten am Freitag dem 13. quasi den sicheren Tod. Aber warum ist das so? Was ist dran an dem Mythos? Und wo kommt er überhaupt her?


Die allwissende Suchmaschine Google hat auf diese Fragen unzählige Antworten parat: 13 ist die Zahl des Teufels. Adam und Eva mussten an einem Freitag das Paradies verlassen. 1929 kam es in den USA an einem Freitag zum größten Börsenkrach aller Zeiten. Judas, der dreizehnte Apostel, hat Jesus verraten. Und der französische König Philipp IV. ordnete an einem Freitag dem 13. an, die Ritter des Templerordens zu verhaften – über all diese Erklärungen ärgert sich Gunter Altenkirch. „Sie sind falsch“, ist der Volkskundler aus Rubenheim überzeugt. Die meisten Menschen würden die wahre Herkunft des Pechtages nicht mehr kennen und deshalb „irgendeinen Unsinn erfinden“.

Aber was hat es denn nun wirklich mit Freitag dem 13. auf sich? Zunächst einmal müsse man zwischen der Zahl und dem Wochentag unterscheiden, sagt Altenkirch. Der schlechte Ruf der 13 hänge mit den Kalendern zusammen. Jahrhundertelang kämpfte die untere Sozialschicht dafür, den 13 Monate umfassenden Mondkalender beizubehalten. Die Bauern wussten vom Zusammenhang zwischen Wetter und Mond. Sie orientierten sich daher bei ihrer Arbeit am Mondkalender. Die obere Sozialschicht kümmerte das wenig. Sie wollte den zwölfmonatigen Sonnenkalender einführen. „Um den 13. Mondmonat aus dem Gedächtnis der einfachen Leute zu löschen, wurde die 13 zur Unglückszahl erklärt“, erzählt der Volkskundler. Spuren für diesen Kampf würden sich beispielsweise in alten Überlieferungen des Dornröschen-Märchens finden. Auch würden viele Hebammen bis heute noch mit dem Mondkalender rechnen. Denn dort hat ein Monat 28 Tage und entspricht somit dem Menstruationszyklus.

„Dass nun ausgerechnet der Freitag als Unglückstag gilt, dafür ist die Kirche verantwortlich“, erklärt Altenkirch weiter. Sie wollte alle Erinnerungen an die vorchristlichen Gottheiten beseitigen. Da Freitag der germanischen Göttin Freya gewidmet war, galt es diesen Tag zu einem schlechten umzudeuten. „Da kam es gerade recht, dass Jesus an einem Freitag gekreuzigt wurde“, sagt der Volkskundler. Für ihn ist es daher naheliegend, dass die Menschen irgendwann begonnen haben, einen Freitag, der auf einen 13. fällt, besonders zu fürchten.

Und das ist bis heute so. Allerdings wandele sich die Bedeutung des Tages langsam. Altenkirch bezeichnet dies als „den Aberglaube des Aberglaubens.“ Geschuldet sei er unter anderem den Medien, die ihn instrumentalisieren. Plötzlich wird Freitag der 13. zum Glückstag. „Einige Gewinnspiele werben damit sogar schon“, hat der Volkskundler beobachtet. Ein weiteres Beispiel für eine Umdeutung sei das Hufeisen. Dieses soll angeblich nur Glück bringen, wenn die Öffnung nach oben zeigt. Diese Regel gebe es allerdings erst seit den 1920er Jahren. „Davor glaubten die Menschen, ein Hufeisen bringe Pech, wenn die Öffnung nach oben zeigt.“ Diese Beispiele beweisen, dass Aberglaube wider alle Vernunft ist. „Als ich einen Afrikaner fragte, was er mit Freitag dem 13. verbindet, antwortete er, den Tag nach Donnerstag dem 12.“, erzählt Altenkirch. Aus volkskundlicher Sicht sei Freitag der 13. eben ein Tag wie jeder andere.



Gunter Altenkirch referiert heute Abend um 18 Uhr in der Volkshochschule Lebach, Dillinger Straße 67. Das Thema lautet „Volks- und Aberglauben“. Der Eintrittspreis (drei Euro) kommt dem Museum für dörfliche Alltagskultur in Rubenheim zugute. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.

Abergläubige Menschen haben Glück: Dieses Jahr fällt der Freitag nur zwei Mal auf den 13. Der nächste Schicksalstag ist im Juli.
Abergläubige Menschen haben Glück: Dieses Jahr fällt der Freitag nur zwei Mal auf den 13. Der nächste Schicksalstag ist im Juli. FOTO: Victoria Bonn-Meuser / dpa