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Unsere Woche
Von der Würde jedes Menschen

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Die Feierstunde „25 Jahre therapeutische Wohngruppe der Lebenshilfe St. Wendel“ am Donnerstag hat mich aufgewühlt, ergriffen und empört. Zeitzeugen erzählten, dass bis Anfang der neunziger Jahre verhaltensauffällige behinderte Menschen im Landeskrankenhaus in Merzig verwahrt, weggesperrt wurden. Von Thorsten Grim

Sie waren aus dem öffentlichen Leben verschwunden. Vergessen. Problem gelöst?


Dann kam 1993 die Psychiatriereform und damit verbunden die dezentrale Unterbringung dieser Behinderten, auch in St. Wendel. Diese Behinderten erhielten fortan nicht nur Medikamente, sondern auch Therapien. Sie blieben nicht hinter verschlossenen Türen, sondern nahmen am Leben in der Stadt teil. Heute eine Selbstverständlichkeit. „Vieles hat sich zum Wohl der behinderten Menschen geändert“, blickte Ministerpräsident Tobias Hans in seiner Rede auf die Entwicklung zurück.

Fast jeder Redner stellte auch einen Zusammenhang mit den jüngsten Entwicklungen in Deutschland, der wachsenden Ausländerfeindlichkeit her. Wie das? Die ehemalige Sozialministerin Regina Görner drückte es so aus: „Die therapeutische Wohngruppe hat eine große Bedeutung für die Gesellschaft. Die Menschen, die früher weggesperrt wurden, hatte man gar nicht mehr im Blick. Man hatte die Gesellschaft entwöhnt von Menschen mit Behinderung.“ Es sei aber wichtig, dass man erleben könne, dass auch Menschen, die anders sind, ihren Wert haben. Recht hat sie.



Nicht ohne Grund heißt es in unserem Grundgesetz: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Die Würde jedes Menschen.