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Weihnachtsmarkt in St. Wendel
Umgang mit Kamel schockt Markt-Besucher

Ein Kamel samt Darsteller im Stall der Heiligen Drei Könige.
Ein Kamel samt Darsteller im Stall der Heiligen Drei Könige. FOTO: Thorsten Grim
St. Wendel. Besucher des St. Wendeler Weihnachtsmarktes beklagt via sozialem Netzwerk Tierquälerei. Von Thorsten Grim

Der Vorwurf, der über das soziale Netzwerk Facebook die SZ-Redaktion erreichte, ließ einem den Atmen stocken: Auf dem St. Wendeler Weihnachtsmarkt soll ein Tier gequält und misshandelt worden sein, lautete die Anklage.


„Leider musste ich gestern mitbekommen“, so fängt die Nachricht an, „dass eines der Kamele, das am Boden lag, nach mehrmaligem Auffordern durch sein Herrchen nicht aufgestanden ist. Danach schlugen mehrere Personen auf das Tier ein.“ Das geschlagene Kamel habe zwar versucht sich zu erheben. Nach Meinung des Schreibers ist es dazu aber zu schwach gewesen. Indiz dafür sei das Zittern der Vorderbeine gewesen und erbrochen habe es sich auch. „Umso heftiger schlugen seine Peiniger zu und rissen dem Tier am Hals mit dem daran angebrachten Geschirr.“ Der Zeuge des Vorfalls habe die Tierbesitzer angesprochen und gefragt, warum sie das tun würden, doch hätten die Kamelhalter ihn schlichtweg ignoriert. „Es wäre schön, wenn das mal überprüft wird. Kein Tier hat das verdient. Es standen auch viele Kinder dabei, was aber die Tierquäler nicht störte.“

Die SZ fragte bei der Stadt, dem Veranstalter des Weihnachtsmarktes nach. Dort erläutert Markt-Chefin Leonie Paqué, dass das betroffene Tier sich zu nahe an die Kulisse gelegt hatte. Als es dann habe aufstehen wollen, „konnte es wegen der Beengtheit nicht genügend Schwung holen, um sein Gewicht von einer Tonne hoch zu stemmen und auf die Knie zu kommen“. Deshalb hätten seine Betreuer ihm helfen müssen „und haben es am Halfter hochgezogen und mittels energischer Ansprache unterstützt“. Einfache Reitgerten hätten dabei als verlängerter Arm des Tiertrainers gedient und den Tieren die Richtung gewiesen. Weiter erklärt Paqué, dass die Tiere regelmäßig vom Veterinär begutachtet würden und gültige Dokumente hätten.



Ob man Tiere überhaupt zu Unterhaltungszwecken einsetzen sollte, etwa im Zirkus, Zoo oder bei Veranstaltungen, „dazu gehen die Meinungen weit auseinander. Über diese ethische Frage wird trefflich gestritten. Wir können einem Tierverbot auf unserem Weihnachtsmarkt nichts abgewinnen“, erklärt die Markt-Leiterin. „Denn dann müssten wir auch gegen Zoos sein und alle Tierparks verbieten und so weiter. Letztlich gilt: Menschen greifen nun mal in die Tierwelt ein.“ Umso mehr komme es daher darauf an, „dass man Regeln aufstellt, die das Wohl der Tiere zwar nicht absolut setzen, aber angemessen berücksichtigen. Das ist bei den Tieren, die auf unserem Markt auftreten, gewährleistet“.

Für viele Kinder sei die Begegnung mit den Kamelen ein unvergessliches Erlebnis. Das Krippenspiel fasziniere die Besucher nicht nur, es löse bei den Kindern auch Ehrfurcht aus und Achtung vor den Tieren. „Das ist eine gute Voraussetzung, die Sensibilität für Tierschutz zu erhalten und oft sogar erst zu wecken.“ Außerdem seien die Tiere auf der Farm ihrer Besitzer groß geworden und die Betreuer vor Ort ihre primären Bezugspersonen. „Von der artgerechten Haltung der Tiere habe ich mich vor der ersten Buchung persönlich überzeugt.“ Allerdings habe man, anders als in der Vorjahren, auf die Kamel-Karawane verzichtet – zum Wohl der Tiere.