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Projekt
Von Kinderrechten und Demokratie

Bei der Aufführung des Theater-Projekts „Recht so?!“ tragen die Schüler die Kinderrechte vor.
Bei der Aufführung des Theater-Projekts „Recht so?!“ tragen die Schüler die Kinderrechte vor. FOTO: Marion Schmidt
Theley. Bei ihren Recherchen gab es viel zu lesen und zu lernen: Theleyer Gemeinschaftsschüler setzten sich mit diversen Themen auseinander. Von Marion Schmidt

Hinter der Bühne in der Aula der Theleyer Gemeinschaftsschule geht es turbulent zu. 16 Schüler laufen aufgeregt hin und her, setzten sich wieder hin, schauen sich schnell noch mal ihre Texte an, stehen wieder auf und plaudern munter. Sie warten auf den Beginn ihrer Theateraufführung. Für die meisten ist es eine Premiere, sich auf der Bühne zu präsentieren. Davor warten gespannt etwa 50 Zuschauer, darunter Eltern und Geschwister der Schüler.


Theaterpädagogin Elaine Neumann hilft mit Konzentrationsübungen gegen das Lampenfieber. „Ich versuche, ihre Energie an die richtige Stelle zu bringen, damit sie langsam runter kommen und sich beruhigen.“ Wie beim Sport vor Spielbeginn, stellen sich alle im Kreis auf, klatschen und stampfen immer lauter werdend mit den Füßen auf den Boden. „Haut alles raus, was ihr gelernt habt“, spornt Elaine Neumann ihr Ensemble an.

Die zwölfjährige Xenia Knapp ist besonders aufgeregt vor ihrem ersten Auftritt, vergisst darüber aber nicht die Bedeutung ihres Themas: „Ich habe gelernt, dass die Kinderrechte sehr wichtig sind und wir das Recht haben, dafür zu kämpfen.“ Es waren schon einige Texte, die die Schüler für ihre Aufführung auswendig lernen mussten. „Ich bin besonders stolz auf diese Leistung der Kinder. Zuerst mussten sie bei den Recherchen viel lesen und dann ausgewählte Texte lernen.“ Manche trotz Lese-Rechtschreib-Schwäche. „Das ist dann schon toll, dass sie nicht frühzeitig die Flinte ins Korn geworfen haben“, erzählt Elaine Neumann.



Im Laufe ihrer Recherchen wurden die Schüler mit der Problematik konfrontiert, dass die Rechte von Kindern weltweit nicht überall geachtet werden und vielen hart arbeitenden Kindern die Kindheit genommen wird. So schilderte ihnen ein Flüchtling aus Eritrea in einem Interview, dass er im Alter von 15 Jahren schon als Busfahrer und zuvor in einem Weinberg gearbeitet hat. Auch besuchten die Schüler das Europaparlaments in Straßburg, um ihnen vor Augen zu führen, wo und wie demokratische Prozesse stattfinden. Ein Workshop des Adolf-Bender-Zentrums in St. Wendel sensibilisierte die Schüler für demokratische Lösungsstrategien von Konflikten. Elaine Neumann: „Die Schüler haben all ihre Erfahrungen in diese Theateraufführung gepackt.“

So trugen die Schüler untermalt vom bekannten Pinkt Floyd-Song „Another brick in the wall“ im Sprechgesang vor, was Kinderrechte für sie bedeuten: „Wir haben eine Recht auf Meinungsfreiheit. Wir haben ein Recht auf Schutz vor Mobbing. Wir haben ein Recht auf Freiheit“, skandieren sie im Chor.

In einer Schulszene machen die jungen Darsteller darauf aufmerksam, dass viele Kinder nicht die Schule besuchen können, keinen Zugang zu medizinischer Versorgung und nicht ausreichend zu trinken haben. Zur Betonung ihrer Aussagen werden kleine Sprudelflaschen und Heftpflaster im Publikum verteilt. Am Ende dieser Szene stellen die Schüler fest: „Wir haben Glück, dass wir in Deutschland leben.“

In einem persönlichen Projekt-Thema stellen die Schüler das Thema Cyber-Mobbing in den Mittelpunkt. Ein Rollenspiel ließ die Schüler nachempfinden, wie es sich anfühlt, wenn etwa in sozialen Medien über einen gelästert wird, und dass auch hier sich jeder einmischen und für die Rechte des anderen einsetzen sollte. „Das war eine ganz spannende Geschichte und so, wie es auf die Bühne kam, nicht geplant“, berichtet Elaine Neumann. In einer Übung sollten die Schüler eingeteilt in die Rollen Opfer, Täter und Beobachtungsgruppe eine Mobbing-Szene spielen. „Plötzlich entwickelte sich in der Gruppe eine ungewollte Dynamik. Die Beobachter feuerten den Täter an und wollten sehen das was passiert“, so die Theaterpädagogin. Nach der Übung wären die Schüler schockiert gewesen von ihrem Verhalten und hätten sich geschämt. Dieses intensive Erlebnis ging nicht spurlos an den Schülern vorüber. Lena Recktenwald: „In Zukunft möchte ich mich einmischen, wenn ich mitbekomme, dass jemand ausgegrenzt wird.“ Gegen Ende der Vorführung treten alle Schüler auf die Bühne und tragen die zehn von Unicef, dem Hilfswerk der Vereinten Nationen, zusammengefassten Kinderrechte vor.

Am Ende gab es viel Applaus für die Schüler und Theaterpädagogin Elaine Neumann. In einem anschließenden Publikumsgespräch hatten die Schüler Gelegenheit zu berichten, welche Erfahrungen sie in dem Projekt gesammelt haben.