| 19:19 Uhr

Von Heimweh und Langeweile keine Spur

Die Gruppe um Betreuerin Selina Schütz (Bildmitte): In der vorderen Reihe um sie herum (von links) sitzen Mia Roßfeld, Viktoria Keller, Jana Harge. Dahinter haben sich, ebenfalls von links, positioniert: Jochen Schmidt, Lara Endres, Lea Janus, Emilie Trenz, Raphaela Maul, Dana Magard. Foto: Schmidt
Die Gruppe um Betreuerin Selina Schütz (Bildmitte): In der vorderen Reihe um sie herum (von links) sitzen Mia Roßfeld, Viktoria Keller, Jana Harge. Dahinter haben sich, ebenfalls von links, positioniert: Jochen Schmidt, Lara Endres, Lea Janus, Emilie Trenz, Raphaela Maul, Dana Magard. Foto: Schmidt FOTO: Schmidt
Tholey. 150 Kinder sowie 15 Jugendliche nehmen an den drei Ferienlagern der Gemeinde Tholey teil. Jeweils eine Woche erleben sie Abenteuer erleben. Betreut werden sie von je 14 Ehrenamtlern. Marion Schmidt

Die ersten Ferien ohne Eltern, eine Woche mit Altersgenossen Spaß haben, viel erleben, aktiv und kreativ sein. Seit 41 Jahren ermöglicht die Gemeinde Tholey dies in den Ferienlagern am Schaumberg . Drei Ferienlager stehen in diesem Jahr auf dem Programm, zwei Termine für Kinder von sechs bis 13 Jahren sowie ein Jugendlager für Teilnehmer ab 13 Jahren.


73 Kinder bezogen ihr Quartier in den rustikalen Blockhütten vor dem Jugendgästehaus. Das Betreuerteam um Lagerchef Jochen Schmidt hatte sich einige Aktionen ausgedacht, um die Ferienkinder eine Woche lang bei Laune zu halten. An Heimweh war da gar nicht erst zu denken, verrät die zehnjährige Lea Janus aus Oberlinxweiler: "Wir machen hier so viele tolle Sachen, da bekommt man einfach kein Heimweh." Und wenn ein Kind doch einmal die vertraute Umgebung zu Hause vermisst, helfen die Betreuer mit einem Erste-Hilfe-Rezept weiter. "Dann bereiten wir für das Kind unseren speziellen Heimweh-Tee zu, der hilft immer", verrät Selina Schütz.

Bis zur Rente



Die 18-Jährige ist bereits zum zweiten Mal als Betreuerin dabei. Die Ferienlager der Gemeinde kennt sie aber bereits seit zwölf Jahren. "Bevor ich Betreuerin wurde, habe ich hier zehnmal die Ferien verbracht. Ich kann mir keine Ferien ohne unsere Ferienlager auf dem Schaumberg vorstellen. Ich werde noch lange dabei sein, wohl bis zur Ferienlagerrente," erzählt sie mit einem Augenzwinkern. Die Arbeit mit Kinder- und Jugendgruppen ist ihre große Leidenschaft. Außerhalb der Ferienzeit ist Selina Schütz das ganze Jahr über in Jugendgruppen als Fußballtrainerin oder Skilehrerin aktiv. "Wir sind hier im Ferienlager wie eine große Familie. Unter den Betreuern herrscht eine große Harmonie, die sich schnell auf die Kinder überträgt."

Acht zufrieden und ausgeglichen wirkende Mädchen im Alter von zehn bis 13 Jahren stehen unter der Obhut der 18-Jährigen. "Es ist voll cool, dass die Betreuer so jung sind und mit uns so viel Spaß machen. Bei unserer Anreise haben sie uns so herzlich empfangen. Da fühlt man sich direkt wohl", meint Mia Roßfeld. Der Zwölfjährigen aus Tholey gefällt es, mal von zu Hause weg zu sein und mit anderen Kindern die Ferien zu verbringen. Sie gehört zu den Wiederholungstätern unter den Gästen und ist bereits zum fünften Mal dabei. Die zwölfjährige Emilie Trenz aus Tholey ergänzt: "Man erlebt hier was, was man zu Hause nicht erlebt. Man kann neue Freunde treffen." Ihr Smartphone vermissen die jungen Damen aus Selinas Gruppe nicht, denn im Ferienlager herrscht absolutes Handyverbot. Nur die Betreuer haben ihre Mobiltelefone für Notfälle.

Jeder Tag im Camp ist mit Aktivitäten wie Schwimmbadbesuchen, Bastelstunden, Wanderungen und Spielen rund um den Schaumberg ausgefüllt. Los geht es um 7.30 Uhr mit dem gemeinsamen Frühstück. Anschließend gehen die Betreuer auf Kontrollgang. Selina Schütz: "Wir schauen, in welchem Verhältnis Ordnung und Chaos in den Zimmern herrschen. Anschließend überraschen uns die Kinder mit einer kleinen Vorführung. Da werden mal Witze erzählt oder die Kinder singen und tanzen was vor." Jeden Vormittag steht ein Schwimmbadbesuch im Schaumbergbad auf dem Programm. Nachmittags vergnügen sich die Feriengäste bei Spielen wie einer Rallye durch den Ort. Die Aufgabe lautete: bei Haushalten zu klingeln und eine Wäscheklammer gegen ein Wasser-Utensil zu tauschen. "In der Schaumbergstraße konnten wir eine Klammer gegen eine mit Wasser gefüllte Tüte und eine Spritzpistole tauschen", berichtet Emilie Trenz. Besonders beliebt ist im Ferienlager der Verkehrt-Herum-Tag. Zum Frühstück wird gegrillt, am Abend gibt es den Kakao.

Auch ein Ferienlager braucht einen Chef, der alle Fäden in der Hand und den Überblick hat. In den Freizeiten für Kinder, die von der Gemeinde Tholey in Zusammenarbeit mit der katholischen Kirchengemeinde am Schaumberg angeboten werden, ist dies Jochen Schmidt. Seit 2003 ist er dabei. 14 Ehrenamtler kümmern sich mit Selina Schütz im ersten Ferienlager um die Kinder. Ein Betreuer ist für eine Gruppe mit sechs bis zehn Kindern zuständig. Jochen Schmidt: "Zwei Betreuer sind unsere Mädchen für alles und springen dort ein, wo es nötig ist." Wenn die Kinder anreisen, werden sie von den Ehrenamtlern empfangen, lernen auf einem Rundgang das Gelände kennen und werden über die Lagerregeln informiert. Aber auch während der Ferientage ist dem Chefbetreuer die Kommunikation mit den Kindern wichtig: "Abends nach dem Programm treffen wir uns mit allen Kindern im Gruppenraum, um den Tag Revue passieren zu lassen." Dann geht es zum gemeinsamen Abendessen . Um 22 Uhr ist Bettruhe angesagt. Jeweils zwei Betreuer halten Nachtwache.Versichert sind die Feriengäste über die Gemeinde. Die beiden Ferienlager für Kinder haben in diesem Jahr etwa 150 Kinder gebucht. Das für Jugendliche ab 13 Jahren gedachte Jugendlager findet mit 15 Teilnehmern statt. Die Teilnehmer kommen vor allem aus dem Landkreis St. Wendel.

Überraschung zum Abschluss

Ein Höhepunkt der Ferienfreizeit ist der Abschlussabend. Diesen bereiten die Kinder mit viel Geheimnistuerei vor. Eine Aufgabe ist es, den Betreuern einen Liebesbrief zu schreiben. Bis zur Aufführung gehütet wird das Theaterstück, das die Kinder in Eigenregie schreiben und das dann von den Betreuern aufgeführt wird. "In unserem Stück muss Selina den Jonas küssen", verrät mit einem Kichern die zehnjährige Lea Janus. Diese Szene kommt nicht von ungefähr, wie die erfahrene Betreuerin Schütz weiß: "Wenn man sich mit den anderen Betreuern versteht und mal plaudert, gickeln die Kinder gleich und meinen, man sei verliebt." Für die Kinder endet die Ferienfreizeit mit dem Abschlussabend. Für Selina Schütz geht es nach einer Woche Pause an diesem Sonntag mit dem nächsten Ferienlager weiter.