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Kräutertage
Von der Heilkraft heimischer Pflanzen

Den Abschluss der Kräutertage soll der Kräutermarkt in Tholey rund um das Rathaus am 16. Juli bilden. ⇥Foto: Schmidt
Den Abschluss der Kräutertage soll der Kräutermarkt in Tholey rund um das Rathaus am 16. Juli bilden. ⇥Foto: Schmidt FOTO: Marion Schmidt
Tholey. Mit einem Vortrag des Kräuter-Experten, Dr. Johannes Gottfried Meyer, sind die Tholeyer Kräutertage eröffnet worden.

Mit einem Schaumbergdudler und einem Vortrag über Bäume als Arzneipflanzen wurden in Tholey die Kräutertage eröffnet. Dr. Johannes Gottfried Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin war bei hochsommerlichen Temperaturen aus Würzburg angereist, um heimische und ferne Bäume in ein neues Licht zu stellen. Der Medizinhistoriker und Literaturwissenschaftler referierte bereits zum dritten Mal bei den Tholeyer Kräutertagen über seine Forschungsschwerpunkte.



Zu Beginn seines Vortrages klärte Johannes Gottfried Mayer  darüber auf, dass Bäume wahre Meister im Kommunizieren sind. Als Beispiel führte der Wissenschaftler eine raffinierte Abwehrstrategie an, mit der sich die in Afrika wachsenden Akazien schützen und so ihren Fortbestand garantieren. „Um sich vor Fressfeinden zu schützen, produzieren die Akazien in Windeseile den Bitterstoff Tannin, wenn beispielsweise eine Antilope an den Blättern frisst.“ Und weiter: „Man hat herausgefunden, dass die betroffenen Akazien weiter hinten stehende Bäume warnen und zur Tanninproduktion aufrufen“, berichtet Mayer. Und gerade diese Verteidigungsstoffe, mit denen sich Bäume nicht nur gegen Tiere, sondern auch gegen Bakterien und Pilze wehren, qualifizierten sie als Partner in der Herstellung natürlicher Arzneimittel.

Anschaulich sprach der Wissenschaftler über heimische Bäume wie die Linde, Rosskastanie, Birke, Fichte und Eiche. Im Mittelpunkt des Vortrages standen die gesundheitsfördernden Eigenschaften von Blättern, Blüten und Rinde. So habe man schon in der traditionellen Klostermedizin die Inhaltsstoffe der Birke zu schätzen gewusst. „Alte Heilmittel nutzten vor allem den aus der Rinde gewonnenen Teer und die Knospen. Heute konzentriert man sich mehr auf die Blätter“, sagt der Wissenschaftler. Die gesundheitsfördernden Stoffe der Birkenblätter hätten eine wassertreibende Funktion und eigneten sich zum Beispiel zur Durchspülung der Nieren. Ein noch relativ junges und viel gelobtes Birkenprodukt sei eine Salbe, die aus zerkleinertem Birkenkork und etwas Sonnenblumenöl hergestellt würde. Mayer: „Diese heilende Natursalbe hat sich selbst bei schweren Brandverletzungen bewährt.“

Ein wahrer Großlieferant an heilenden Inhaltsstoffen sei die Rosskastanie. Aus ihren Bestandteilen ließen sich natürliche Mittel gegen Durchfall, Venenleiden und zur Behandlung von Entzündungen herstellen.  Mayer wusste aber auch, über neueste Forschungsergebnisse im Zusammenhang mit alternativen Behandlungsmethoden von Krankheitsbildern zu berichten: „In jüngster Zeit hat man getestet, wie Fichtenextrakt gegen Demenz wirkt. 2012 stellten Wissenschaftler fest, dass Ratten mit Plaques-Ablagerungen im Gehirn nach der Gabe des Fichtenstoffes eine deutlich bessere Gedächtnisleistung und Lernfähigkeit zeigten.“

In seinem Vortrag begab sich Johannes Gottfried Mayer auch auf einen Exkurs zu fernöstlich beheimateten Gewächsen wie dem um 1750 aus Japan nach Europa gekommenen Ginkgobaum. Goethe, der sich neben der Dichtkunst auch mit Botanik und Gartenkunde befasste, habe diesem Baum hierzulande 1815 mit seinem Gedicht „Ginkgo bilboa“ zu Popularität verholfen. Ein Extrakt aus Ginkgo-bilboa-Blättern hemme die Verklebung von Blutgefäßen.

Am Ende seines Vortrages stellte er fest, dass man mit Bäumen eine ganze Apotheke zusammenstellen könne und empfahl, sich sowohl für die klassische Medizin als auch für die Naturheilkunde zu interessieren, um von beiden Welten zu profitieren. Mit großem Interesse hatten die Besucher der ersten Veranstaltung der Kräutertage den Vortrag des Würzburger Wissenschaftlers verfolgt und mit Fragen das ein oder andere Thema vertieft.

In Tholey hat der Referent mittlerweile schon seine eigene Fangemeinde. Zu seinen begeisterten Zuhörern gehört Rosemarie Kles aus Theley: „Wenn es passt, versäume ich keinen seiner Vorträge. Die Themen, über die er spricht sind immer hochinteressant.“

Zum Auftakt der Kräutertage verwöhnte Vera Lauck-Schneider, Diplom-Biologin und Kräuterexpertin aus Tholey, die Besucher des Vortrags mit einer selbst hergestellten erfrischenden Kräuterlimonade. Die Zutaten für ihren „Schaumbergdudler“, nämlich Minze, Giersch, Melisse, Holunderblätter und wilder Oregano, habe sie  allesamt frisch aus ihrem eigenen Kräutergarten geerntet.