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Vom Bankdrücker zum Mitfahrer

19 solcher Mitfahrerbänke sind in Tholey und Theley aufgestellt worden. Fotos: B&K
19 solcher Mitfahrerbänke sind in Tholey und Theley aufgestellt worden. Fotos: B&K
Tholey. Tholey, Theley und Türkismühle machen bei dem Projekt „Mitfahrerbänke“ gemeinsame Sache. Nach dem Vorbild einer Hunsrückgemeinde sollen damit Fahrgemeinschaften in den Dörfern entstehen. Startschuss des Projekts ist heute in Tholey. Evelyn Schneider

Sie fallen auf - die knallroten Bänke , die an ausgewählten Stellen in Tholey und Theley platziert wurden. Und Aufmerksamkeit brauchen sie auch. Sollen sie doch ein neues Projekt zum Erfolgsmodell machen. Eine Aufschrift verrät: Es sind Mitfahrerbänke.


Nach dem Vorbild der Hunsrück-Gemeinde Speicher startet die Gemeinde Tholey im Zusammenschluss mit Türkismühle diesen etwas anderen Personennahverkehr (wir berichteten). Dabei geht es nicht darum, in Konkurrenz mit dem ÖPNV zu treten. "Es ist ein Angebot, im innerörtlichen Verkehr spontan Fahrgemeinschaften zu bilden", erklärt Tholeys Bürgermeister Hermann Josef Schmidt (CDU ).

Und so funktioniert es: Wer beispielsweise von Tholeys Ortsmitte zum Supermarkt möchte, der Weg dahin aber zu beschwerlich ist, der nimmt auf der roten Mitfahrerbank an der Trierer Straße in der Nähe des Rathauses Platz. Auf dem Schilderbaum daneben gibt es die Wahlmöglichkeit "Einkaufsmärkte". Autofahrer, die vorbeikommen, wissen nun, wohin die Frau oder der Mann auf der Bank möchte. Wenn's zum eigenen Ziel passt, kann der Fahrer anhalten. Und schon geht's gemeinsam zum Supermarkt. Dort steht dann auch eine Mitfahrerbank. "Bei jedem Ziel gibt es ein Gegenstück, das zum Ausgangspunkt führt", erläutert Schmidt.



Besonders Senioren sollen von dem Konzept profitieren. "Aber auch für Flüchtlinge, die noch nicht mobil sind, könnte es eine gute Möglichkeit sein, sich innerörtlich zu bewegen", so der Rathaus-Chef. Zunächst gibt es die Mitfahrerbänke nur in den beiden Ortsteilen Theley (zehn) und Tholey (neun). "Ich habe keinen Zweifel daran, dass das Projekt funktionieren wird", sagt Schmidt. Sollte dies so eintreffen, werden Bänke auch in anderen Ortsteilen platziert. Neben der Chance auf unkomplizierte Mobilität, sieht der Verwaltungschef noch einen weiteren Vorteil des Projekts: "Es geht auch um Kommunikation und um das dörfliche Miteinander."

Bedenken in Sachen Versicherungsschutz kann Schmidt ausräumen. Wer jemanden im Auto mitnimmt, sei über die eigene Haftpflichtversicherung geschützt. Außerdem beweise der Fahrer in diesem Moment ehrenamtliches Engagement, so dass er im Falle eines Unfalls über die Ehrenamtsversicherung des Landes abgesichert sei.

Mit Flyern sollen jetzt die Mitfahrerbänke beworben werden. Außerdem gibt es Aufkleber fürs Auto , die anzeigen "Ich bin dabei", und die neue Generationenbeauftragte der Gemeinde, Ines Ney, plant eine Aktion.

Finanzielle Unterstützung gibt es aus dem Modellvorhaben "Land(auf)Schwung".

Infos zu den Mitfahrerbänken gibt's bei den Ortsvorstehern von Tholey und Tholey sowie im Rathaus bei Jutta Backes-Burr, Tel. (0 68 53) 5 08 13.

Gewünschtes Ziel am Schilderbaum auswählen.
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