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Geschichtsorte im Landkreis St. Wendel
Als in Tholey Recht gesprochen wurde

1798 zog das Gericht in einen Neubau unterhalb des Marktplatzes. Im Kellergeschoss befand sich auch ein Gefängnis. Der letzte Gefangene saß hier 1957 hier ein. Heute beherbergt das Gebäude das Museum Theulegium.
1798 zog das Gericht in einen Neubau unterhalb des Marktplatzes. Im Kellergeschoss befand sich auch ein Gefängnis. Der letzte Gefangene saß hier 1957 hier ein. Heute beherbergt das Gebäude das Museum Theulegium. FOTO: M.Theulegium
Tholey. Tholey war nicht nur Verwaltungssitz des lothringischen Amtes Schaumburg, sondern auch Ort der Rechtssprechung. red

Tholey und der Schaumberg: eine geschichtsträchtige Region. Schon Kelten und Römer siedelten hier. Die wahrscheinlich älteste Abtei auf deutschem Boden wurde hier gegründet. Und seit dem Mittelalter war Tholey nicht nur ein Verwaltungssitz des lothringischen Amtes Schaumburg, sondern auch Ort, an dem Recht gesprochen wurde – ein Geschichtsort im Landkreis St. Wendel.


„In der Ortslage von Tholey ‚Unter der Linde‘ fanden seit je her die Jahrgedinge statt, bei denen über Streitigkeiten und Vergehen der unterschiedlichsten Art Gericht gehalten wurde“, weiß Niko Leiß vom Historischen Verein zur Erforschung des Schaumberger Landes. Auf der Schaumburg tagte bei besonders schweren Vergehen das herzogliche Hochgericht: Hier wurden die Zeugen vernommen, mitunter auch gefoltert, im Kerker der Burg gefangen gehalten, wo sie auf ihr Urteil warteten. Das auch ein Todesurteil sein konnte.

Die Hinrichtungsstätte befand sich unterhalb der Burg, nahe der heutigen Kriegsgräberstätte. Hier wurden die verurteilten Delinquenten gehenkt – oder verbrannt. Leiß: „Vor allem im 16. und 17. Jahrhundert brannten die Scheiterhaufen, auf denen vermeintliche Hexen oder Zauberer starben.“ Alleine für das Jahr 1618 sind 13 Hexenprozesse überliefert: 12 endeten mit dem Todesurteil, einer mit einem Selbstmord.



1618 begann auch der Dreißigjährige Krieg. Während dieses langen und blutigen Konflikts wurde die Burg auf dem Schaumberg zerstört. Das Gericht daher am Marktplatz eingerichtet, hinter der nicht mehr existenten Johanneskirche. Das einstige Gerichtsgebäude ist heute ein Wohnhaus, denn im Zuge der Französischen Revolution, 1798, zog das Gericht erneut um, diesmal in einen Neubau unterhalb des Marktplatzes. Im Kellergeschoss befand sich auch ein Gefängnis. Der letzte Gefangene saß 1957 hier ein. Heute beherbergt das Gebäude das Museum Theulegium. Und dieses wird vom Historischen Verein zur Erforschung des Schaumberger Landes betrieben. Leiß: „Das Museum wurde 2006 eingerichtet und verfügt unter anderem über Bestände aus dem alten Tholeyer Abteimuseum und zahlreichen Exponaten aus dem Schaumberger Land.“

Die Ausstellung ist verschiedene Abteilungen unterteilt. So wird die Vor- und Frühgeschichte der Region gezeigt, natürlich die Abtei, zudem Mineralien, die in der Region gefunden wurden. Darunter Tholeiit, eine Gesteinsart, die nach Tholey benannt wurde. Auch eine Kopie des ältesten Dokumentes der Rheingegend ist zu sehen: Das Testament des fränkischen Adeligen Adalgisel, auch Grimo genannt, von 634, das Tholey in verschiedenen Namensformen mehrmals erwähnt und das in einer Abschrift aus dem 10. Jahrhundert im Landeshauptarchiv Koblenz gelagert wird.

Auch der Keller kann – jedoch nur mit einer Führung – besichtigt werden. Denn dort befand sich das Gefängnis. Leiß: „Die Zelle ist vor allem bei Kindern sehr beliebt. Im Keller gibt es aber auch eine Ausstellung zu berühmten Töchtern und Söhnen Tholeys.“ Wie zu Albrecht Meydenbauer, der die Photogrammetrie entwickelt hat, ein fotogestütztes Vermessungsverfahren. Oder Olga Schwind, die sich intensiv mit mittelalterlicher Musik auseinandergesetzt hatte. Der einstige Gefängnishof dient heute als weiterer Ausstellungsort, denn hier gibt es Steinexponate aus vielen Jahrhunderten zu sehen.

Vom Gerichts- zum Geschichtsort: Wo einst Recht gesprochen wurde, wird heute über Geschichte informiert. Durch den Historischen Verein zur Erforschung des Schaumberger Landes, der sich 2002 gründete. Und neben dem Museum auf weiteren Feldern aktiv ist. Leiß: „Wir beschäftigen uns nicht nur mit dem Ort Tholey, sondern auch mit den umliegenden Ortschaften, der Abtei, mit Archäologie, bereiten Archivalien auf, machen Vorträge und Fahrten. Momentan sind wir auch dabei, ein Familienbuch für Tholey zu erstellen.“ Weitere Infos zum Verein und zum Museum gibt es auch online.

Der YouTube-Kanal des Landkreises mit Videos zu den Geschichtsorten findet sich im Netz unter: https://www.youtube.com/channel/UCF9sq51TlbaRMWx9ePIRzog.

Im heute mit Glas überdachten Hof des ehemaligen Tholeyer Gefängnisses dient heute als weiterer Ausstellungsort: Hier gibt es in und rund um Tholey ausgegrabene Steinexponate aus vielen Jahrhunderten zu sehen.
Im heute mit Glas überdachten Hof des ehemaligen Tholeyer Gefängnisses dient heute als weiterer Ausstellungsort: Hier gibt es in und rund um Tholey ausgegrabene Steinexponate aus vielen Jahrhunderten zu sehen. FOTO: Nico Leiß