| 20:10 Uhr

Bauprojekt beim SV Hasborn
Wo Bagger stehen, soll bald der Ball rollen

 Noch sind die Bagger am Werk. Bis Sommer soll der neue Kunstrasenplatz des SV Hasborn-Dautweiler fertig sein.
Noch sind die Bagger am Werk. Bis Sommer soll der neue Kunstrasenplatz des SV Hasborn-Dautweiler fertig sein. FOTO: Evelyn Schneider
Hasborn-Dautweiler. Die Arbeiten zum Kunstrasenplatz am Hasborner Waldstadion laufen nach Zeitplan. Im Sommer soll alles fertig sein. Von Evelyn Schneider

Bagger haben in den zurückliegenden Monaten ordentlich Erdmasse bewegt. Es wirkt so, als würden einzelne Terrassen stufenweise in den Hang gebaut. Oder wird es eine Mega-Tribüne?  Schließlich liegt das Baugebiet oberhalb des Waldstadions des Sportvereins (SV) Rot-Weiß Hasborn-Dautweiler mit dessen Naturrasenplatz. Dort, wo jetzt nur das Braun des Bodens zu sehen ist, wird bald das Grün sprießen. Allerdings nicht auf natürlichem Wege. Denn hier wird Kunstrasen verlegt. Für das neue Spielfeld der Hasborner Kicker.


Der Weg dahin war ein weiter. Rudi Niehren erinnert daran, dass es bereits in den 1970er-Jahren erste Pläne gab. „Doch ein dafür nötiger Grundstückserwerb war damals nicht möglich“, sagt der Chef des eigens für das Projekt gegründeten Vereins-Bauausschusses. Es trat ein Stillstand ein. Bis 2014. Dann sei der Verein zu der Erkenntnis gekommen, dass er nur mit dem Naturrasenplatz und dem bestehenden Hartplatz unterhalb des Waldstadions nicht mehr konkurrenzfähig wäre. „Zunächst gab es die Idee, den Hartplatz umzubauen“, sagt Niehren. Doch Baukosten von 500 000 Euro bei lediglich 140 000 Euro Zuschüssen seien nicht zu stemmen gewesen. Als Alternative hätte der Verein ein Kleinspielfeld mit Kunstrasen realisieren können. „Doch das hätte nur fürs Training genutzt werden können.“

Für den Bau eines Kunstrasenspielfelds mit einer Mindestgröße von 60 auf 90 Metern war kein gemeindeeigenes Grundstück verfügbar. Also stieg der Verein in die Verhandlungen mit privaten Grundstückseigentümern ein. Was an einer Stelle gar nicht so einfach war. Denn eine über Deutschland verstreut lebende Erbengemeinschaft habe ausfindig gemacht werden müssen. Dies gelang schließlich. Und so gab es grünes Licht für das Projekt „Bau eines zusätzlichen Kunstrasenplatzes“.



Da die Sportplanungskommission Plätze mit einer Größe von 100 mal 64 Metern höher fördere, entschied sich der SV Hasborn für diese Variante.  Darauf dürften dann auch Jugendspiele der Regionalliga ausgetragen werden. „Am 19. November war Spatenstich“, sagt Niehren und lächelt. Seither laufen die Arbeiten. Ein Großteil der Erdbewegungen sei schon erledigt. „Wir bauen in den Hang rein. Erdmassen, die abgetragen werden, werden an anderer Stelle genutzt, so dass wir keine Bodenmasse entsorgen müssen.“ Im nächsten Schritt muss die Fläche befestigt werden. Auch werden noch zwei Wasserauffangbecken eingebaut, die bei Starkregen die Massen verzögert in die Kanalisation entlassen sollen. Nach Ostern könne dann schon der Sportplatzbauer ran. Im Anschluss bringt eine Firma den Kunstrasen auf. „Anfang bis Mitte Juli soll alles fertig sein“, verkündet der Bauausschuss-Sprecher stolz.

820 000 Euro kostet der neue Kunstrasenplatz. Vom Innenministerium gab es eine Bedarfszuweisung in Höhe von 325 000 Euro, von der Sportplanungskommission gibt es 110 000 Euro, die Gemeinde schießt 150 000 Euro bei. Das ergibt summa summarum Zuschüsse in Höhe von 585 000 Euro.

Die Finanzierungslücke, die bleibt, muss der Verein selbst stemmen. Um das Geld reinzukriegen, haben die Verantwortlichen beispielsweise eine Aktion gestartet. „Wir verkaufen Teile des Kunstrasenplatzes“, sagt Rudi Geßner, Mitglied des Vereins-Beirats. Virtuell, versteht sich. Patenschaften können auf einer Online-Plattform erstanden werden. „Von zehn Euro für ein einfaches Rasenstück bis hin zu 3000 Euro für den Anstoßpunkt ist alles möglich“, konkretisiert Esra Perius, der mitveranwortlich für den Bereich PR beim SV Hasborn ist. Grafisch könnten die Paten auch ihren Namen hinterlassen. Aktuell sind bereits 20 000 Euro zusammengekommen. Doch das virtuelle Spielfeld bietet noch reichlich Platz für weitere Unterstützer. Diese haben die Chance auf zwei Gewinne. Wie Rudi Geßner verrät, werden sowohl eine sechstägige Reise nach Südtirol als auch ein Sechs-Tages-Trip nach Dresden mit reichlich Programm verlost. Im Ort selbst will der Verein noch gezielt um Gönner werben. „Wir könnten an zentraler Stelle einen Stand aufbauen oder von Tür zu Tür ziehen und das Konzept vorstellen“, sagt Andreas Guthörl, Mitglied des Bauausschusses.

Nicht nur finanziell, sondern auch mit reichlich Eigenleistung bringt sich der SV Hasborn für das Projekt Kunstrasenplatz ein. 30 Arbeitseinsätze gab es schon. Dabei haben bislang 23 Leute geholfen. Ganz wichtig, so sagt Guthörl, seien hierbei auch die junggebliebenen Rentner, die zeitlich flexibel und quasi von morgens bis abends auf  der Anlage seien. Gut 3000 ehrenamtliche Stunden werden wohl im Sommer zu Buche schlagen. „Und wenn der Platz fertig ist, fällt auch jeden Tag Arbeit an“, sagt Guthörl und denkt bereits weiter in die Zukunft. „Auch eine energetische Sanierung des Clubheims haben wir ins Auge gefasst.“

Doch zunächst gilt es, den Zeitplan für den neuen Kunstrasenplatz einzuhalten. „Dieses Bauprojekt hat für eine Aufbruchstimmung gesorgt“, beschreibt Geßner. Und so kann der Verbandsligist SV Hasborn wohl bald auf einem neuen Platz in eine neue Liga starten. > siehe auch Text darunter und Seite C 4

 Tholeys Bürgermeister Hermann Josef Schmidt (Zweiter von rechts) und Verantwortliche des Sportvereins Rot-Weiß Hasborn-Dautweiler betrachten die Baupläne des Kunstrasenplatzes. 
Tholeys Bürgermeister Hermann Josef Schmidt (Zweiter von rechts) und Verantwortliche des Sportvereins Rot-Weiß Hasborn-Dautweiler betrachten die Baupläne des Kunstrasenplatzes.  FOTO: Evelyn Schneider
 Für den neuen Kunstrasenplatz wurde in den Hang hinein gebaut.
Für den neuen Kunstrasenplatz wurde in den Hang hinein gebaut. FOTO: Evelyn Schneider