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Stars schon vor dem ersten Auftritt

Im richtigen Leben heißen sie Sadik Kabashi und Thomas Bastuck (von links) und haben sich vor einem Monat das Ja-Wort gegeben. Als Prinz Thomas I. und Prinz Sadik I. sind sie jetzt als blaublütige Stimmungsbringer auf der Theleyer Fastnacht aktiv. Fotos: B & K
Im richtigen Leben heißen sie Sadik Kabashi und Thomas Bastuck (von links) und haben sich vor einem Monat das Ja-Wort gegeben. Als Prinz Thomas I. und Prinz Sadik I. sind sie jetzt als blaublütige Stimmungsbringer auf der Theleyer Fastnacht aktiv. Fotos: B & K
Theley. Ein schwules Prinzenpaar, das hat es in der fünften Jahreszeit im Saarland bis jetzt noch nicht gegeben. Nun kam es in Theley zu einer Coming-Out-Premiere. Thomas I. und Sadik I. haben sich vor einem Monat auf dem Standesamt das Ja-Wort gegeben und sind von den Theleyer „Narrekäpp Helau Mildau“ als Blaublüter auf Zeit inthronisiert worden. Frank Faber

Die SZ-Meldung über das erste schwule Prinzenpaar im Saarland hat landesweit einen wahrhaftigen medialen Konfettiregen ausgelöst. "Ich habe bei einem Zahnarzttermin ein Autogramm schreiben müssen", berichtet Sadik Kabashi. Sein Ehemann Thomas Bastuck, von Beruf Koch, sei mehrfach erkannt und gefragt worden, "du bist doch einer der Prinzen aus Theley ".

Der Medienrummel bis hin zum Radiointerview hat die beiden närrischen Majestäten überrascht. Die üblichen Klischees, mit denen sich gleichgeschlechtliche Paare selbst im Jahre 2016 noch immer rumschlagen müssen, lassen sie jedoch gerne außen vor. "Wir wollen als Prinzenpaar unseren Teil dazu beitragen, dass die Leute an den Fastnachtstagen in Theley ihren Spaß haben", verkündet Prinz Thomas I.
Verein mit eigener Philosophie

Vor einem Jahr hat Peter "Piet" Groß, Vorsitzender der Theleyer Narrekäpp Helau Mildau bei dem 33-Jährigen angefragt, ob er mit seinem damaligen Freund Sadik in die Prinzen-Rolle schlüpfen will. Ursprünglich wollten die Narrekäpp ein lesbisches Paar auf den Thron setzen, kassierten aber eine Absage. Am Halloween-Tag sagt das männliche Paar zu und gibt sich im wahren Leben vor einem Monat auf dem Standesamt das Ja-Wort.

"Ich bin nicht so der Fastnachtsnarr. Bei mir hat es etwas länger gedauert. Thomas war sofort Feuer und Flamme und ich wollte ihm gerne den Wunsch erfüllen", sagt der zwei Meter große Prinz Sadik I. Ein weiterer Aspekt für ihn sei gewesen, dass die Narrekäpp im Vergleich zu anderen Vereinen ihre eigene Philosophie von Fastnacht zum Ausdruck bringen. "Das ist nicht so steif, nicht so viel vorgegebenes Programm, dafür alles sehr spontan", meint der 34-Jährige, der bei einem Lebensmittel-Discounter arbeitet.

Thomas I. hat sich den zusätzlichen Kick bei seinem Onkel geholt, der vor einem Jahr die Narren in Lebach regiert hat. Auf der Bühne kennt sich der Schriftführer der Narrekäpp bestens aus. Mit der Tanznummer "Dirty Dancing" oder als Akteur im Männerballett, gehört er seit Jahren zum schrägen, abgefahrenen Programm der Gaudisitzungen dazu. "In diesem Jahr bin ich nicht nur als Prinz dabei", mehr will Thomas I. noch nicht preisgegeben.

Am 5. Februar grüßen die Regenten, begleitet von einem Hofstaat, beim Theleyer Umzug aus der Schaufel eines Radladers heraus, erstmals ihre Untertanen. "Es wird für uns locker, wir brauchen ja nicht von Termin zu Termin hetzen", so Thomas I. Seine Aufwartung macht das Prinzenpaar noch bei den Umzügen in Lebach und Bubach-Calmesweiler.

Übrigens: Da die Theleyer Narrekäpp Helau Mildau nicht im Verband Saarländischer Karnevalsvereine (VSK) organisiert sind, blieb Thomas I. und Sadik I. eine Absage erspart. Wie der Verband auf seiner Internetseite mitteilt, dürfen an der Wahl zum "Prinzenpaar des Jahres" Dreigestirne, Einzelpersonen als Prinz oder Prinzessin oder andere Formen von Repräsentanten von Vereinen an der Wahl nicht teilnehmen. Löst nun die Inthronisierung des landesweit ersten schwulen Prinzenpaares in Theley beim VSK künftig eine Änderung des zugelassenen Teilnehmerkreises an der Wahl zum "Prinzenpaar des Jahres" aus? "Für uns ist das auch neu und für die Zukunft werden wir das überdenken", erklärte die VSK-Vizepräsidentin Julia Martini auf SZ-Anfrage.

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