| 20:00 Uhr

Neue Skulptur
Der stählerne Winkelgast in Hasborns Dorfmitte

 Die Skulptur von Johannes Kühn steht in der Ortsmitte von Hasborn-Dautweiler.
Die Skulptur von Johannes Kühn steht in der Ortsmitte von Hasborn-Dautweiler. FOTO: Marion Schmidt
Hasborn-Dautweiler. Hasborn hat nicht nur seinen berühmtesten Einwohner gefeiert, sondern ihm auch mitten im Dorf eine Skulptur gestiftet. Unweit seines Stammlokals, dem Gasthaus Huth. Dort, wo sich Johannes Kühn noch immer viermal wöchentlich mit seinen langjährigen Weggefährten, Freunden und literarischen Beratern Benno und Irmgard Rech trifft. Von Marion Schmidt

„Da, wo die Kirche noch mitten im Ort steht, entsteht Weltlyrik“, heißt es zu Beginn der kürzlich ausgestrahlten Film-Biografie über Kühn. Er, der sein Heimatdorf, die Menschen und die Natur rund um den Schaumberg zeitlebens in aller Ruhe beobachtet, in sich aufgesogen und in seinen Gedichten einfühlsam verewigt hat, akzentuiert fortan als stummer Beobachter die Dorfmitte seines so wertgeschätzten Heimatortes. Tholeys Bürgermeister Hermann Josef Schmidt (CDU) hatte das Aufstellen einer Skulptur als Überraschung für den einzigen Ehrenbürger der Gemeinde angeregt. „Der Standort ist von symbolischer Kraft. Mittendrin, weil Du ein ganz besonderer Bestandteil unseres Ortes bist und selbst heute noch hier herum gehst“, richtet Schmidt seine Worte an Johannes Kühn.


Sichtlich gerührt enthüllte der Dichter dann persönlich die ihm gewidmete Skulptur im Beisein von Freunden, Nachbarn und Familie. Die in der Dorfmitte am Rande der Hauptdurchfahrtsstraße stehende Arbeit zeigt Johannes Kühn silhouettenhaft als Spaziergänger mit Buch, Hut und Zigarre. Eben so, wie viele den Dichter kennen, der von sich sagt: „Wenn ich nicht dichte, bin ich nicht glücklich. Ich brauche Papier, Stift, Kaffee, Zigarren und die Natur, um zu dichten um damit zufrieden zu sein.“

Die 1,80 Meter hohe aus Cortenstahl geschaffene Figur ist ein Gemeinschaftswerk von Karin Mannsmann und Hermann-Josef Colle. Der aus Hasborn stammende Fachmann für Metallbauarbeiten hatte die Tholeyer Künstlerin bereits bei der Gipfelkunst bei der Schaffung ihres Kunstprojektes unterstützt. Für Karin Mannsmann war es eine große Herausforderung, die Skizze für die scherenschnittartige Skulptur zu entwerfen: „Es war nicht einfach, die Zeichnung zu erstellen, weil ich kein Bildmaterial hatte, das ihn in der Silhouette zeigte. Ich konnte ihn auch nicht fotografieren, da die Skulptur eine Geburtstagsüberraschung sein sollte. Aus dem Bollinger-Film fotografierte ich geeignete Posen ab und näherte mich so dem Entwurf seiner Silhouette an.“ Da es ohne Modell schwierig sei, einen scherenschnittartigen Entwurf zu zeichnen, musste Ehemann Roman mit einer Zigarre in der Hand Modell stehen. Auch Sohn Fabian hat mitgewirkt: „Er hat meine Zeichnung digitalisiert und in eine Vektorgrafik umgewandelt, mit der Hermann-Josef Colle dann weiter arbeiten konnte.“ Er war für die technische Umsetzung des Entwurfs verantwortlich.



Gefertigt wurde die Skulptur von der Tholeyer Firma Zewe. „Der Cortenstahl ist eine Stahlart, die hier draußen nur bis zu einem gewissen Punkt rostet. Dann ist die Skulptur von einer Schutzschicht überzogen und rostet nicht mehr weiter“, erklärt Hermann-Josef Colle. In wenigen Wochen wird die Kühn-Skulptur die typische orange-rote Schicht entwickelt haben und die Blicke auf sich ziehen. Und während Johannes Kühn in seinem Gartenhäuschen in unmittelbarer Nähe zufrieden weiter dichtet, kündet seine stählerne Silhouette von der Weltlyrik, die hier in der Dorfmitte entsteht.