| 20:31 Uhr

Vor Jahr und Tag
Seit einem Jahr gehen Gäste wieder ein und aus

Seit genau einem Jahr ist die renovierte Jugendherberge in Tholey wieder geöffnet. 16 000 Gäste kamen 2017.
Seit genau einem Jahr ist die renovierte Jugendherberge in Tholey wieder geöffnet. 16 000 Gäste kamen 2017. FOTO: B & K / Franz Rudolf Klos
Tholey. Am 1. April 2017 wurde Tholeys Herberge nach 15-monatiger Schließung wieder eröffnet. Nach Jahr eins zieht dessen Leiter eine positive Bilanz. Von Evelyn Schneider

Moderne Ostereier, glänzend, in den Farben Grün und Silber hängen in den Sträuchern und funkeln im Sonnenlicht. Im Innern heißt ein Langohr die Gäste willkommen. Das Tholeyer Jugendgästehaus hat sich dekotechnisch auf das Osterfest vorbereitet. Nicht das einzige, was diesen Sonntag, 1. April, gefeiert wird. Denn vor genau einem Jahr konnten wieder die ersten Gäste in der Herberge übernachten. Von November 2015 bis März 2017 war diese geschlossen, wurde nach einem neuen Pächter gesucht und schließlich umfangreich modernisiert. Am Ende war der alte Betreiber auch der neue: der Landesverband Jugendherbergen in Rheinland-Pfalz und im Saarland.


„Das Jahr ist wie im Flug vergangenen“, sagt Herbergsvater Sven Kaul. 16 000 Gäste konnten er und sein 19-köpfiges Team begrüßen. Das sei eine gute Zahl, wenn man bedenke, dass das Haus nicht die kompletten zwölf Monate, sondern nur ein Dreivierteljahr geöffnet hatte. Vor der Schließung zählte die Herberge 19 000 Übernachtungen pro Jahr. „Damals gab es aber auch noch 20 Betten mehr“, gibt Kaul zu bedenken. Nach der Renovierung stehen 118 Betten zur Verfügung. Es gibt verschiedene Zimmertypen. Sie alle sind mit Dusche und WC ausgestattet.

Für 2018 hat sich Sven Kaul 21 300 Übernachtungen als Ziel gesteckt. Buchungsstand aktuell: 20 600. Im ersten Betriebsjahr konnte das Tholeyer Herbergs-Team auch schon eine Auszeichnung einheimsen. Es gab eine Urkunde für den ersten Platz in Sachen Service und Freundlichkeit. „Dabei wurden insgesamt 45 Häuser getestet“, erläutert Kaul und ergänzt: „Darauf bin ich stolz.“ Insgesamt sei das Feedback der Gäste positiv.



Sven Kaul kennt das Jugendgästehaus noch aus Kindertagen, später war er Betreuer bei Freizeiten und dabei ist ihm eines in Erinnerung geblieben: „Es gab immer das gleiche Essen. Montags stand eben Spaghetti Bolognese auf dem Plan.“ Da die Gäste in der Regel nicht mehrere Wochen bleiben, würden sie das gar nicht merken. Trotzdem hat sich Kaul vorgenommen, mehr Abwechslung in den Speiseplan zu bringen. Und noch etwas ist dem 30-Jährigen nach eigener Aussage wichtig: regionale und frische Produkte. „Wir machen alles selbst“, sagt Kaul und das komme auch bei den Gästen an. Noch ein Vorteil: So kann sich die Küche auch auf mögliche Lebensmittelunverträglichkeiten der Urlauber einstellen. Diese werden bei Gruppen schon im Vorfeld abgefragt.

Viele Schulklassen kommen in das Jugendgästehaus, aber auch Familien. In Tholey machten sie zuletzt 54 Prozent der Gäste aus. Im Durchschnitt sind es 30 Prozent. „Mir ist auch aufgefallen, dass immer mehr Familien aus dem Saarland selbst hier ein Wochenende verbringen“, sagt der Herbergsvater. Das führt er zum einen auf sogenannte Vorzugsangebote zurück, die in einem bestimmten Zeitraum drei Tage Urlaub für 81 Euro ermöglichen. Zum anderen sei bei seinen Gästen die Saarland-Card beliebt. Diese gewährt dem Inhaber Vorteile bei 70 Partnern wie freier Eintritt oder freie Teilnahme an Aktionen. Das kommt auch bei auswärtigen Gästen an. Teils würden Urlauber ihren Aufenthalt gezielt nach der Saarland-Card planen. In Tholey selbst sind der Schaumbergturm, das Museum Theulegium und nun auch das Schaumbergbad Partner der Gästekarte.

Jetzt, während der Ferienzeit, sind überwiegend Familien in der Jugendherberge untergebracht. Zu Ostern gibt es ein spezielles Aktivitäten-Paket, zu dem beispielsweise das Basteln und Eiersuchen sowie eine Kräuterwanderung gehören. Solche Programme gibt es auch zu Halloween, in der Adventszeit und an Silvester. Über den Jahreswechsel zählte die Jugendherberge 106 Gäste, darunter 46 Kinder.

Wenn es wärmer wird, sind auch die sechs Blockhäuser mit knapp 40 Betten an der Jugendherberge wieder als Übernachtungsmöglichkeit gefragt. Das Ambiente ist rustikaler. Aber auch hier wurde renoviert. „Die Böden sind abgeschliffen worden“, erklärt Kaul. Außerdem wurden die alten Betten ausgetauscht. Das einstige Mobiliar aus der Herberge kam in die Hütten. „Bei uns wird auch viel geschwenkt“, berichtet der Herbergsvater. Daher kam zu dem großen Grillplatz vor dem Haus ein zweiter dazu – hinter dem Gebäude. Als nächstes soll auf dem Vorplatz noch eine Terrasse hergerichtet werden.

Ein Jahr mit vielen Gästen. Da stellt sich die Frage nach besonderen Erinnerungen, kuriosen Erlebnissen. Sven Kaul lächelt. Denn er muss an einen eher außergewöhnlichen Test in Sachen Feueralarm denken. „Kürzlich hat ein Kind so heftig Deo versprüht, dass die Brandmeldeanlage ausgelöst wurde. Jetzt wissen wir: Sie funktioniert.“

Herbergsleiter Sven Kaul.
Herbergsleiter Sven Kaul. FOTO: B & K / Franz Rudolf Klos