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Schaumberg mausert sich zu Klein-Montmartre

Ramona Leiß ließ sich beim Porträtieren über die Schulter schauen. Foto: Marion Schmidt
Ramona Leiß ließ sich beim Porträtieren über die Schulter schauen. Foto: Marion Schmidt FOTO: Marion Schmidt
Tholey. Die Kulisse, das Angebot an Kunst sowie Kunsthandwerk und das Wetter: Bei der zwölften Auflage des Schaumberg-Montmartres passte alles zusammen. Vater und Tochter lieferten sich ein Duell mit dem Rötel. Marion Schmidt

Das Schaumbergplateau verwandelte sich in eine Freiluft-Kunstgalerie. Mehr als 5000 Besucher flanierten zwischen den Ständen von 53 Ausstellern umher, erwarben das ein oder andere Unikat oder ließen sich porträtieren, während Kinder ihr eigenes Kunstwerk töpfern konnten. Von Acryl bis Öl, Aquarell oder Pastell - viele Facetten der Malerei waren vertreten, ergänzt durch Arbeiten aus Keramik, Holz, Glas, Stoff und Metall. Während seinerzeit im bekannten Pariser Künstlerviertel Montmartre Picasso, Renoir und van Gogh künstlerisch wirkten, waren es beim Schaumberg-Montmartre nun Künstler wie Niko und Ramona Leiß aus Tholey oder die Künstlergruppe 23 aus Saarbrücken. Wie der Montmartre-Hügel in Paris, so ist auch der Schaumberg in Tholey die höchste natürliche Erhebung der Umgebung.



Künstlerischer Wettstreit

Die Besucher konnten nicht nur fertige Kunstwerke bestaunen, sondern auch den Künstlern bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen. Eine besondere Aktion hatte sich Niko Leiß ausgedacht. Der gelernte Restaurator und Hobbymaler, der seine mischte und seine Tochter dabei hatte, erklärte: "Wir haben uns einen Vater-Tochter-Wettstreit ausgedacht." Beide porträtierten gleichzeitig ein Modell, das dann nach Vollendung der Werke entscheiden musste, welches das Bessere ist. "Meine Tochter hatte meistens die Nase vorn. Aber viele lobten beide Porträts", verrät Niko Leiß mit einem Augenzwinkern. Als Ausdrucksform hatten die Tholeyer Künstler die Rötelmalerei gewählt. Leiß: "Sie hat in unserer Region Tradition. Bei Ausgrabungen im römischen Vicus Wareswald fand man Rötelsteine. Rund um Tholey und Oberthal wurde früher Rötelbergbau betrieben." Mit Tochter Ramona hat er für seinen Auftritt beim Schaumberg-Montmartre Rötelsteine in der Region gesucht und diese dann selbst zu Stiften verarbeitet.

Die Kunst ist dem Leiß-Duo quasi in die Wiege gelegt. Schon der Großvater von Niko Leiß war künstlerisch tätig. Als Restaurator hat er sich auch einen künstlerischen Beruf ausgewählt und Tochter Ramona steckt zurzeit mitten in einem Kunststudium. Das Zeichnen mitten im Rummel des Künstlermarktes fällt den Künstlern nicht schwer. "Ich registriere die Menschen und den Trubel um mich herum kaum. Ich bin so in die Zeichnung und mein Motiv vertieft und muss mich sehr konzentrieren", so Leiß. Den Schaumberg-Montmartre lobt der Tholeyer Künstler als schöne Plattform für regionale Künstler, um sich zu präsentieren und mit Gleichgesinnten auszutauschen.

Diese Gelegenheit nutzten auch vier Künstlerinnen aus Saarbrücken. Anne Zeyer, Klaudia Walther, Ursula Ziegler und Christina Fuchs hatten den Schaumberg mit etwa 40 Arbeiten im Gepäck erklommen. Die munteren Damen gehören der Künstlergruppe "Gruppe 23" an, die sich regelmäßig seit sieben Jahren in einem eigenen Atelier zum gemeinsamen künstlerischen Wirken und Gestalten trifft. In verschiedenen Techniken wird hauptsächlich abstrakt gemalt. "Wir zeichnen uns dadurch aus, dass wir uns gegenseitig in unserer Experimentierfreude unterstützen und so Spaß am Entstehen unserer Werke finden", so Anne Zeyer. "Das Hobbymäßige unserer Kunst macht das Malen leichter. Wir haben keinen Druck, verkaufen zu müssen. Manchmal setzen wir uns einfach mitten in unsere Bilder und fühlen uns wohl." Und wenn ein Bild verkauft werde, falle die Trennung nicht schwer. Christine Fuchs: "Man bekommt Streicheleinheiten, wenn man einem anderen das Bild überlässt. Das ist einfach ein tolles Gefühl, wenn ich mit meinem Bild in einem anderen Wohnzimmer hänge und meine Kunst geschätzt wird." Von jedem verkauften Kunstwerk erhält sie vom Käufer ein Foto, das ihr den neuen Aufenthaltsort ihres Bildes zeigt.

Mehr Programm für Kinder

Der Schaumberg-Montmartre war ein Erfolg. Alles stimmte: das herrliche Wetter, die tolle Kulisse, viele Besucher und die Vielfalt an dargebotener Kunst. "Wir waren alle zufrieden. So viele Besucher hat der Schaumberg schon lange nicht mehr gesehen. Zeitweise gab es keinen freien Parkplatz mehr und unserer Shuttlebusse fuhren durchgehend. In diesem Jahr ist es uns gelungen, noch mehr Akteure davon zu überzeugen, vor Ort live zu arbeiten", so Jutta Backes-Burr von der Gemeinde Tholey . Im nächsten Jahr soll die Freiluft-Kunstgalerie auf dem Schaumbergplateau fortgeführt werden, dann zum 13. Mal und mit einem umfangreicheren Kinderprogramm.