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Neuer Schliff fürs stumpfe Küchenbeil

Leo Lösch demonstriert Rosemarie Kles (links) an Zeitungspapier den neuen Schliff ihres Küchenbeils. Foto: Marion Schmidt
Leo Lösch demonstriert Rosemarie Kles (links) an Zeitungspapier den neuen Schliff ihres Küchenbeils. Foto: Marion Schmidt FOTO: Marion Schmidt
Überroth-Niederhofen. Während der Bohnentaler Schärfertage in Überroth verpassten Handwerker stumpfen Messern, Scheren und Sensen wieder scharfe Klingen. Marion Schmidt

Stumpfe Messer und Scheren sind in Küche und Garten ein Ärgernis. Weiß man, worauf es ankommt, ist das Schärfen von Messern eigentlich ein einfacher Vorgang. Leo Lösch, gelernter Werkzeugschleifer, ist ein wahrer Meister im Messerschleifen. In Altland bei Wadern betreibt er seit 1988 seine Werkstatt und bietet seit 2003 den Schleifdienst an. Am Wochenende ist er auch mal ehrenamtlich im Einsatz, um bei Aktionstagen das alte Handwerk des Schleifens zu demonstrieren. So auch am Samstag bei den dritten Bohnentaler Schärfertagen in Überroth. Die Bohnentaler Selbermacher hatten in Zusammenarbeit mit dem Obst- und Gartenbauverein Überroth-Niederhofen dazu geladen.


Etwa 40 Besucher nahmen das Angebot der Selbermacher an. Sie kamen mit ihren Küchenmessern, Haushalts- und Gartenscheren, Taschenmessern und Äxten. Mit fachmännischem Blick und flinken Händen nahm sich Leo Lösch der unterschiedlichsten Gerätschaften an. Tatkräftig unterstützt wurde er von Tochter Nadine Latz-Peter. Die gelernte Maschinenbautechnikerin arbeitet auch in der Altlander Werkstatt mit ihm Hand in Hand. Den Besuchern der Schärfertage in Überroth erklärte sie die unterschiedlichen Schleifgeräte wie den stabförmigen Abziehstahl oder den Abziehstein. "Wenn man ein Küchenmesser geschliffen hat, kann man damit etwa ein halbes Jahr arbeiten", erklärt Nadine Latz-Peter. Sie rät dringend davon ab, hochwertige Messer in die Spülmaschine zu stecken. Die aggressiven Reinigungstabs würden die Klingen angreifen. Um die Lebensdauer der Messer zu erhalten, sollten gute Messer immer direkt von Hand gespült werden und man sollte es vermeiden, mit der Klinge auf Glas oder Stein zu schneiden.

Leo Lösch ist ein großer Verfechter von hochwertigen Messern und Gegner von billigen Wegwerfprodukten: "Beim Kauf von Messern sollte man auf Qualität achten. Lieber einmal tiefer in die Tasche greifen. Ein gutes Messer aus Edelstahl ist ein Werkzeug, das mit durchs Leben geht." Im eigenen Haushalt setzen er und seine Frau auf Minimalismus: "Wir arbeiten in der Küche mit nur drei hochwertigen Messern. Ein Gemüsemesser, ein großes Fleischmesser sowie ein größeres Kochmesser mit einem besonders benutzerfreundlichen Griff. Das reicht." Er beobachtet, dass immer mehr Menschen auch umschwenken und beim Kauf der Küchengeräte auf langlebige Qualität setzten.



Rosemarie Kles aus Theley nutzte die Schärfertage, um ihre große Schneiderschere und ein hochwertiges Küchenbeil schärfen zu lassen. "Das Küchenbeil hängt schon seit 20 Jahren in meiner Küche an der Wand und ist fast täglich im Einsatz. Mit meiner Schere arbeite ich bereits seit 40 Jahren." Leo Lösch bestätigt die gute Qualität der Arbeitsgeräte. Für das Schärfen kleiner Messern nutzt der Werkzeugschleifer den Schleifstab. Dabei sei es wichtig, das Messer vom Körper weg im Winkel um die 15 Grad mit der ganzen Schneide vom Griffansatz bis zur Messerspitze am Wetzstab entlangzuführen. Für den finalen Feinschliff arbeitet er mit elektrisch betriebenen Schleifmaschinen. Hans-Gerd Schug aus Überroth hat zwei kleinere Gartenscheren mitgebracht, mit denen er nach dem Rasenmähen die Kanten an der Mauer nachschneidet. Nadine Latz-Peter baut die Scheren vor dem Schleifvorgang an der Maschine auseinander. Ehe die Scheren und Messer wieder ihren Besitzern übergeben werden, demonstriert Lösch an einem Stück Zeitungspapier den neuen Schliff.

Wer seine Sense mitgebracht hatte, konnte das Sensenblatt von Helmut Risch schärfen lassen. Mit einem speziellen Hammer bearbeitete er die Schneidkante auf einem schmalen Amboss. Auf einem Hof aufgewachsen, beherrscht er dieses Dengeln seit seiner Kindheit und hat das Handwerk vom Vater und Großvater erlernt.

"Mit unseren Veranstaltungen wie den Schärfertagen wollen wir alte Kulturtechniken aus dem Handwerk wie das Messerschärfen oder auch Korbflechten wiederbeleben und an jüngere Generationen weiter vermitteln", so Armin Kuphal, der das Bohnental-Projekt der Selbermacher wissenschaftlich unterstützt. Die Resonanz auf die Schärfertage bestärkt den Soziologen darin, auch im nächsten Jahr die Veranstaltung fortzusetzen.