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Musik überwindet Sprachbarrieren

Tholey. Die neunten Gitarrentage in der Schaumberg- Jugendherberge gehen zu Ende. An diesem Samstag präsentiert das junge Ensemble sein Können. Frank Faber

Die Gitarren sind gestimmt, die linken Füße ruhen auf kleinen Stützen - aber nur kurz. Sobald die ersten Töne des Werkes "Calilegua" erklingen, wippen die Schuhe der Musiker im Takt. Die Köpfe von 36 jungen Saitenzupfern neigen sich, Lächeln huschen über die Gesichter. "Mit einer so großen Gruppe hört das sich wie Orchester an", sagt der zehnjährige Konrad Keßler aus Hasborn-Dautweiler nach dem Lied. Und das Ensemble ist international. Nachwuchsgitarristen im Alter zwischen acht und 16 Jahren aus Luxemburg, Peru, Georgien, Argentinien und Deutschland haben sich vier Tage in der Tholeyer Jugendherberge am Schaumberg zu den neunten Gitarrentagen im Saarland getroffen. "Wir werden üben, üben und üben", so Musikpädagogin Inés Peragallo aus Lebach, die mit José Pedroni den klassischen Gitarren-Workshop leitet. Der Georgier Paul Dzindzibadze (13) schwärmt: "Wir sind eine schöne Gemeinschaft". 15 Stunden war er von georgischen Hauptstadt Tiflis bis nach Tholey unterwegs. Drei Tage hat die Anreise der acht peruanischen Gitarrenschüler aus Lima gedauert. "Es gibt keinen Direktflug. Wir haben einen Tag in Madrid verbracht und einen Gitarrenbauer besucht", berichtet Renato Machado (13). Seinem Freund Matteo Alcalde gefällt der Workshop ausgesprochen gut. "In Deutschland herrscht aber mehr Disziplin, als bei uns", hat der 14-jährige Peruaner festgestellt.

Schwierigkeiten mit der Verständigung untereinander gibt es nicht. Dass Musik das Handicap der Sprachbarrieren überwinden kann, leuchtet dem Workshop-Besucher spontan ein. Im Kurs genügt ein Handzeichen von Musikpädagogin Peragallo und die Blicke des internationalen Gitarren-Ensembles sind auf sie fixiert. "Es ist schön zu sehen, dass sich die Jugendlichen gegenseitig helfen und austauschen", sagt José Pedroni. Für den Tholeyer Raphael Seis (15), der in den Osterferien seine fünften Gitarrentage verbringt, sei es eine wunderschöne Erfahrung mit einer so großen Gruppe zu spielen. Er nimmt Gitarrenunterricht, in einer Band spielt er nicht. Gitarrenschüler, so erklärt Peragallo, hätten nach wie vor wenig Möglichkeiten mit Gleichaltrigen in einer großen Gruppe zu spielen. "Dazu lernen sie während der Gitarrentage noch Jugendliche aus anderen Ländern und deren Kulturen kennen", fügt sie an. Der Workshop ist zudem gekoppelt an einen internationalen Kompositionswettbewerb "La-Mancha-guitars". Zwei Monate vor dem Start der Gitarrentage hatten die Kinder die Noten bereits zugesandt bekommen, um diese schon einmal einzuspielen. "Die Schüler spielen mit sehr viel Enthusiasmus, sie haben eine hohe Motivation und das Abschlusskonzert ist das Ziel", freut sich Kursleiterin Peragallo. Aufgelockert wird der viertägige Gitarrenunterricht durch eine lockere Freizeitgestaltung. So haben sie unter anderem eine Nachtwanderung zum Schaumberg-Turm gestartet und das Konzert der norwegischen Gitarristin Ho Yan Kok im Tholeyer Rathaus besucht.

Zum Thema:

Die neunten Gitarrentage für Kinder und Jugendliche im Saarland, organisiert von der Gemeinde Tholey, der Stadt Lebach und, beinhalteten Workshops und waren an den achten internationalen Kompositionswettbewerb "La-Mancha-guitars" gekoppelt. Laut Inés Peragallo seien dazu an die 100 Kompositionen eingereicht worden. Den Abschluss bildet ein Konzert mit dem Ensemble der Gitarrentage an diesem Samstag, 17 Uhr, in der Lebacher Stadthalle.

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