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Geschichtsorte
Wo im Wareswald die Götter lebten

Tholey. Ein besonderer Geschichtsort im Landkreis St. Wendel ist der antike Marstempel im Wareswald. Hier wurde gebetet und geopfert. Von red

Im Wareswald zwischen Oberthal, Alsweiler und Tholey entsteht im ersten Jahrhundert nach Christus auf einem Gebiet mit keltischen Vorgängerbauten eine römisch geprägte Siedlung. Hier kreuzen sich die Handelsstraßen von Straßburg nach Trier und von Metz nach Mainz – bedeutende Städte der gallischen Provinzen. Die Siedlung im Wareswald wird archäologisch erschlossen. Dazu gehört auch ein antiker Tempel – ein Geschichtsort im Landkreis St. Wendel.


Die Siedlung im Wareswald wird seit 1984 archäologisch erschlossen. Dazu gehört auch ein antiker Tempel – ein Geschichtsort im Landkreis St. Wendel. „Dieser gallo-römische Umgangstempel war dem Gott Mars geweiht. Im Zentrum stand ein Kultbild. Wie das aussah, wissen wir nicht. Jedoch wissen wir, dass der Gott, der hier verehrt wurde, nicht dem römischen Kriegsgott entsprach, sondern eher ein keltischer Fruchtbarkeitsgott in der äußeren Hülle des Mars war“, erklärt Grabungsleiter Klaus-Peter Henz.

In Tempeln erbaten die Menschen damals Gesundheit und Wohlergehen und brachten verschiedene Opfergaben dar. Einige dieser Gaben wurden am Marsheiligtum gefunden: Figürchen des Gottes Mars, eine bronzene Figur eines Hundes, einem Attribut des Gottes, verzierte Spruchbecher und zahlreiche Münzen. Henz: „Wir graben hier seit 2003 und haben den Tempel in seinem Grundriss freigelegt. Ebenso wie einen Anbau aus dem späten vierten Jahrhundert, von dem wir noch nicht genau wissen, welche Funktion er hatte.“



Neueste Grabungen in Zusammenarbeit mit der State University of Georgia im Außenbereich des Heiligtums lassen vermuten, dass im Wareswald weitere Tempel für verschiedene Gottheiten standen. Henz: „Vielleicht stand hier ein ganzer heiliger Bezirk.“

Der Marstempel selbst befindet sich etwa 200 Meter vom Kern der einstigen Siedlung im Wareswald entfernt. Bereits aus dem Jahre 1755 stammen erste schriftliche Zeugnisse, die Grabungsfunde belegen. Eine systematische Grabung begann vor inzwischen 34 Jahren. Seit ihrer Gründung im Jahre 2001 betreibt die gemeinnützige Gesellschaft Terrex die Grabungen. „Wir sind eine gemeinnützige GmbH in Trägerschaft des Landkreises St. Wendel und der Gemeinden Marpingen, Nonnweiler, Oberthal und Tholey. Unser Ziel ist die Betreuung der Ausgrabungen am keltischen Ringwall Otzenhausen und im Wareswald“, erklärt Henz dazu.

Das Grabungsprojekt Wareswald der Terrex veranstaltet jährlich In Kooperation mit der Gemeinde Tholey auch ein Grabungscamp für Hobbyarchäologen aus ganz Deutschland und darüber hinaus.

Auf der Video-Plattform Youtube gibt es auch einen Kanal des Landkreises, auf dem die Geschichtsorte vorgestellt werden: www.youtube.com/results?search_query=landkreis+st+wendel.

So könnte der Marstempel einst ausgesehen haben. Visualisiert hat ihn Pascal Klein von der Saarbrücker Hochschule der bildenden Künste.
So könnte der Marstempel einst ausgesehen haben. Visualisiert hat ihn Pascal Klein von der Saarbrücker Hochschule der bildenden Künste. FOTO: Pascal Klein
Der Standort des ehemaligen Marstempels im Wareswald aus der Luft fotografiert. Der Grundriss des Heiligtums ist gut zu erkennen. Der Weg nach links führt zum Kern der ehemaligen Siedlung.
Der Standort des ehemaligen Marstempels im Wareswald aus der Luft fotografiert. Der Grundriss des Heiligtums ist gut zu erkennen. Der Weg nach links führt zum Kern der ehemaligen Siedlung. FOTO: Alexander C. Groß