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Forstwirtschaft
Gefällte Bäume und tiefe Eindrücke

Förster Bernhard Paul neben den umgefallenen Fichten im Saarforst bei Theley.
Förster Bernhard Paul neben den umgefallenen Fichten im Saarforst bei Theley. FOTO: B&K / Bonenberger/
Theley. Milde Temperaturen, Dauerregen und Stürme. Der Winter war den Forstarbeitern nicht wohlgesonnen. Welche Probleme es gibt, schildert Förster Bernhard Paul. Von Thorsten Grim

Zum meteorologischen Frühlingsanfang ließ Väterchen Frost seine Muskeln spielen. Doch nun scheint der Lenz Oberwasser zu gewinnen. In sattem Grün präsentieren sich im Hahnacker-Wald nahe der Johann-Adams Mühle üppige Moospolster. Die Strahlen der aufsteigenden Frühlingssonne brechen sich Bahn durch das Nadelgehölz. Wo ihre langen schmalen Finger bis in Bodennähe vordringen, durchstechen die Sonnenstrahlen die diesige Morgenstimmung. Ringsum im Geäst werben Vögel zwitschernd Partner für das bevorstehende Brutgeschäft. Mittendrin im Morgenidyll steht Bernhard Paul, Leiter des Tholeyer Forstreviers.


Wobei das Wort Idyll haarscharf an der Realität vorbei geht. Denn auf den zweiten Blick sieht der Betrachter, dass hier kürzlich gearbeitet wurde. Mit der Motorsäge und Gerät zum Rücken der transportgerecht zugeschnittenen Fichtenstämme. Darauf lassen die teils noch verstreut liegenden, teils im Wald bereits aufgestapelten Baumstämme schließen. Ausgehebelte Wurzelscheiben stehen senkrecht meterhoch nach oben. Den Waldboden selbst durchziehen Fahrspuren – die sind mal tiefer und mal weniger tief in den völlig durchweichten Untergrund eingegraben. Der Winter im Saarland war nicht nur mild, sondern vor allem klatschnass. 150 Liter pro Quadratmeter fielen jeweils in November und Dezember. Im Januar regneten sogar 215 Liter auf jeden Quadratmeter Saarland zu Boden.

„Wir haben das Holz hier im Wald teilweise auf Stapeln vorkonzentriert“, erklärt Revierförster Paul beim Ortstermin, „konnten es aber noch nicht zum Abtransport an die Wege rücken.“ Eben wegen des völlig durchweichten Bodens. Auch das Rausziehen der Stämme mit dem Schlepper und das Stapeln im Wald hat Spuren hinterlassen. Aber die seien bei weitem nicht so tief, wie sie ein Forwarder hinterlassen würde. So heißt das Arbeitsgerät, das in den Wald hineinfährt, die Stämme huckepack nimmt und sie für den Abtransport durch Lastwagen an die Straße transportiert. Voll geladen bringen diese Forwarder bis zu 20 Tonnen auf die Waage. Zwar wird das Gewicht auf drei oder vier Achsen verteilt, dennoch wären die Bodenschäden, würde man die Arbeitsgeräte jetzt in den Wald schicken, beträchtlich. Und das gilt nicht nur für den Wald am Hahnacker, sondern für Pauls gesamtes Revier.



2000 bereits geschlagene Festmeter Holz, die nicht an die Wege gerückt werden können, liegen nach Angaben des Försters im Revier verteilt. „Wir müssen jetzt einfach abwarten, wie sich das Wetter entwickelt. Aber die witterungsbedingten Probleme, die wir hier haben, sind überall gleich. Der Holzmarkt ist am Schreien“, weiß der Tholeyer Förster. Der Nachschub fehlt. Wichtig ist ihm der Hinweis, dass es sich bei den Arbeiten im Nadelwald nahe der historischen Mühle nicht um geplante Fällungen handelte. Sondern man habe dort wegen Windwurfs aktiv werden müssen. Das Sturmtief Friederike hatte Mitte Januar am Hahnacker rund 200 Festmeter Holz abgerissen, umgeknickt oder entwurzelt. Wie übergroße Mikado-Hölzer lagen die Fichtenstämme kreuz und quer – oftmals unter Spannung stehend und somit lebensgefährlich für Wanderer und Waldbesucher. Zudem drohten im Bereich der Zufahrtsstraße zur Johann-Adams-Mühle einzelne Bäume auf die Straße zu fallen. „Dort bestand aus Verkehrssicherungsgründen dringender Handlungsbedarf“, unterstreicht Paul die Notwendigkeit, etwas zu tun – dem tiefen Boden zum Trotz. Auch wolle man dem Borkenkäfer keine Brutstätten überlassen. Der sei nach wie vor ein Problem in saarländischen Nadelwäldern.

Der von Paul betreute Wald besteht zu 75 Prozent aus Laubholz, das restliche Viertel ist Nadelwald. Ehe die Orkane Vivian und Wiebke im Februar 1990 durch die saarländischen Wälder fegten, sei das Verhältnis ein anderes gewesen. Aber man habe aus der Not eine Tugend gemacht. „Seit den 80-er Jahren betreibt der Saarforst bereits eine nachhaltige Waldbewirtschaftung“, erklärt der Förster. Nach den beiden Stürmen wurden viele ehemalige Nadelholz-Bestände kurzerhand mit Laubholz aufgeforstet, „um einen möglichst standortgerechten Wald aufzubauen“.

Wenngleich sich die Zusammensetzung des Waldes geändert hat, „verfolgt das Saarland die Strategie, den Nadelholzanteil nicht unter 20 Prozent fallen zu lassen. Denn mit Nadelholz wird ein großer Teil des Gewinns erwirtschaftet“. Da die Bedingungen für die Fichte aber wegen des Klimawandels wohl nicht besser werden, setzt der Saarforst auf die Weißtanne. „Die bildet im Gegensatz zur Fichte eine Pfahlwurzel und kommt auch in Trockenphasen an Wasser, wenn die Fichte mit ihren flachen Wurzeln bereits Wasserstress hat – was sie wiederum anfälliger für den Borkenkäfer macht“, erklärt der Tholeyer Förster.

Der dient sozusagen zwei Herren. 780 Hektar seines Reviers gehören der Gemeinde Tholey, 520 Hektar sind in Landesbesitz. Rund 6000 Festmeter Holz wird pro Jahr entnommen. „Das sind etwa 80 Prozent dessen, was jährlich auf diesen Flächen nachwächst.“

Dass sich aktuell Beschwerden von Spaziergängern und Wanderern über zerstörte oder arg ramponierte Waldwege häuften, kann Paul nachvollziehen. Doch daran trage das Wetter Schuld. Er gibt auch zu bedenken, dass die Wege, auch wenn sie heutzutage teilweise als Wanderwege ausgeschildert seien, nur existieren, weil der Wald nicht nur der Naherholung dient. Er ist auch Wirtschaftsraum. Und nur dann zu arbeiten, wenn Frost den Boden hart macht, wäre in diesem Winter keine Option gewesen, um den notwendigen Einschlag abzuarbeiten, damit das von Gemeinde und Land vorgegeben Jahresziel erreicht wird. „Die Wege müssen halt mit entsprechenden Wegebau-Mitteln wieder instandgesetzt werden.“

Bleibt noch der verfahrene und extrem verdichtete Waldboden, den die Bewirtschaftung hinterlässt.  „Das betrifft nur die  Rückegassen. Die liegen bei uns jedoch 40 Meter auseinander, was vergleichsweise viel ist. Nur auf diesen Gassen dürfen die Arbeitsmaschinen fahren.“ Dazwischen bleibe der Boden unangetastet. Wer sich daran nicht halte und die Gassen verlasse, habe ein Problem bei der künftigen Auftragsvergabe.