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Tholix
Fiktiver Zeitzeuge meldet sich zu Wort

Tholix blickt von der Fassade des Hauses Nummer 20 in der Trierer Straße auf das Geschehen in Tholey.
Tholix blickt von der Fassade des Hauses Nummer 20 in der Trierer Straße auf das Geschehen in Tholey. FOTO: Frank Faber
Tholey. Um den Namensgeber der Stadt St. Wendel ranken sich zahlreiche Mythen. Niko Leiß stellt ihm jetzt einen Druiden namens Tholix zur Seite.

Im Herbst ist in der Kreisstadt das 1400. Todesjahr des Heiligen Wendelin mit einer Jubiläumswallfahrt groß gefeiert worden. Verschiedene Legenden ranken sich um den Volksheiligen. Autor Manfred Peter weist in seinem Buch „Die St. Wendelins-Trilogie“ auf „eine reale historische Existenz des Heiligen“ hin. Nun ist mit dem Druiden Tholix ein fiktiver Zeitzeuge aufgetaucht. Aber Vorsicht, alles nur Satire. Niko Leiß, Vorsitzender des Vereins zur Erforschung des Schaumberger Landes in Tholey, hat eine (un)wahre Geschichte recherchiert, in deren Mittelpunkt die Existenz des Volksheiligen Wendelin steht. Darin schildert er, wie Wendelin zum Chef der Mönche wurde und St. Wendel zu seinem Name gekommen ist.


Comic-Held Tholix, ein Druide und epochenübergreifende Sympathiefigur im Schaumberger Land, erlebt unglaubliche Abenteuer. Vor langer Zeit hatte er einmal einen guten Kameraden mit Namen Linus. Er war ein rechter Vagabund und hatte sich im Schaumberger Land niedergelassen, wo er umherzog und Schafe hütete. Tholix mochte diesen Kerl, auch wenn er bisweilen ein arger Aufschneider war. Er behauptete nämlich, in Wahrheit ein schottischer Königssohn zu sein. Immer, wenn er am Schaumberg vorbeikam, schaute er beim Druiden herein. Die beiden verstanden sich prächtig und hockten dann oft den ganzen Abend und die halbe Nacht bei einem oder zwei oder drei Gläschen zusammen und erzählten sich gegenseitig ihre Abenteuergeschichten. Eines schönen Tages stieg am Schaumberg ein großes Fest. Die Mönche aus der Abtei hatten beschlossen, Linus ehrenhalber zu ihrem Chef zu machen, denn dieser Posten war gerade vakant geworden und Linus konnte den Leuten doch so schön predigen. Er ließ sich deswegen nicht lumpen und brachte eine gehörige Portion von seinem berüchtigten Destillat mit, für das, wie er behauptete, seine schottische Heimat berühmt sei. Die Kehlen waren entsprechend trocken, und Vorräte bald bis auf den letzten Tropfen aufgebraucht.

Die Feier und die anschließenden lebhaften Schilderungen ihrer Taten strengten Tholix und Linus so sehr an, dass sie bald in einen tiefen Schlaf fielen. Als Tholix wieder zu sich gekommen war, wollte er Linus wecken, aber der rührte sich nicht mehr. Den ganzen Tag lang versuchten Tholix und die Mönche, ihn wieder munter zu machen, aber er lag wie tot da. Auch die herbeigerufenen Medizinmänner Haslix und Lindemix und die sonst Wunder vollbringende Tinktur des Schamanen Herix schafften es nicht mehr, Linus aufzupeppen. Die Menschen im Schaumberger Land waren sehr traurig, weil sie einsahen, dass sie Linus beerdigen mussten.

Sie schaufelten eine Grube, zimmerten für ihn eine Kiste und ließen sie hinab. Wegen eines mächtigen Schluckaufs hüpfte Linus samt Kiste mehrfach aus der Grube raus. Daraufhin beschlossen die Schaumberger, die Kiste auf einen Karren zu legen, mit Zugochsen zu bespannen und davonzujagen. Im Nachbardorf wollten die Bewohner die Kiste nicht haben, hauten den Ochsen auf ihre Hintern und riefen: „Alls weider!“ Deswegen heißt dieser Ort heute noch Alsweiler. Als die Ochsen schließlich in Bosonvillare zum Stehen kamen, machten die Leute die Kiste auf und staunten nicht schlecht. Sie hielten es für ein Wunder, dass der verblichene Linus sich in seinem engen Sarg hatte drehen und wenden können. Fortan nannten sie ihn Wende-Linus.

Damit es ihnen nicht genauso erging wie den Schaumbergern, ließen sie die Kiste aber nicht in eine Grube hinab, sondern stellten sie so hoch auf, dass man sogar darunter hindurchlaufen konnte. Sie machten Wendelinus zu einem Heiligen und im Lauf der Zeit kamen immer mehr Leute, die sich den Spaß nicht nehmen lassen wollten, einmal unter einem Sarg hindurchspazieren zu dürfen. Sie mussten deswegen eine große Kirche drumherum bauen und benannten schließlich sogar ihre ganze Stadt nach dem nun heiligen Wendelinus. „Ich gebe zu, dass die Geschichte ziemlich unwahrscheinlich klingt“, meint Autor Leiß. Aber dass sie stimmen würde, sei noch heute zu sehen, „denn die Stelle in der Nähe der Kirche, wo die Ochsen stehen geblieben sind, heißt noch immer Zum Ochsen“.