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„Einfach die Disteln stehen lassen“

Wie ein Schmetterlingsgarten aussehen sollte, davon konnten sich die Besucher bei der Familie Schug überzeugen. Foto: Armin Kuphal
Wie ein Schmetterlingsgarten aussehen sollte, davon konnten sich die Besucher bei der Familie Schug überzeugen. Foto: Armin Kuphal FOTO: Armin Kuphal
Überroth. Sie sind schön anzusehen, die Schmetterlinge. Noch. Denn ihre Zahl geht in vielen Gebieten zurück. Dabei könnte jeder Gartenbesitzer gegensteuern. Indem er der Natur in seinem Garten ein wenig mehr Raum gibt. Tipps dazu hatte der Experte Rainer Ulrich bei seinem Besuch im Schmetterlingsgarten der Familie Schug in Überroth parat. red

Schon zwei Mal in diesem Jahr war Rainer Ulrich zum Vortrag über Schmetterlinge in der Schaumbergregion, das erste Mal in Neipel, das zweite Mal in Tholey. Jetzt konnte der bundesweit bekannte Schmetterlingsexperte auf Anregung von Herbert Schug aus Überroth noch für einen weiteren Besuch im Bohnental gewonnen werden. An einem konkreten Beispiel sollte er zeigen, wie ein Hausgarten aussehen kann, damit er als Lebensraum für Schmetterlinge (und andere Lebewesen) in Frage kommt. An die 20 Besucher, nicht nur aus dem Bohnental, waren der Einladung in Schugs Garten in der Hargartstraße 14 in Überroth gefolgt.


Schmetterlinge waren auch anwesend. Wobei man bei diesen Tieren ja immer etwas genauer sagen muss, in welchem Stadium sie sich gerade befinden. Herbert Schug konnte sie in jeder ihrer Gestalten präsentieren: Als Eier, wie sie meist auf der Unterseite von Blättern abgelegt werden und wie man sie mit etwas Übung entdecken kann. Als nimmersatte Raupen, in einem zur Beobachtung eigens für sie angelegten Terrarium. Ein Beispiel für eine Puppe gab es eher zufällig, denn man findet die gut getarnten und leblos aussehenden Puppen ganz schwer: Die Raupe eines Aurorafalters hatte sich an einer draußen abgestellten Taschenlampe angeheftet und sich dort verpuppt. Und natürlich auch als fliegendes Insekt.

"Tu so, als sei es dein eigener Garten und sage frei heraus, was du anders machen würdest": Dazu wurde der Experte Ulrich aufgefordert. Aber der hatte an Schugs Garten kaum etwas auszusetzen. Es stimmte fast alles: Die ohne Dünger mager gehaltene Wiese; nicht alles auf einmal gemäht, damit immer etwas blüht. Gänzlich vom Gras befreite Flächen, auf denen sich eine andere Vegetation entwickeln kann. Ein von diversen Pflanzen überwucherter "Unordnungshaufen" aus Steinen und totem Holz, der vielen Tiere einen Unterschlupf gibt. Eine Vielzahl von Pflanzen, die den Schmetterlingen Nahrung geben wie Dost, Hornklee, Efeu, Kapuzinerkresse und Faulbaum.



Wichtig sei immer, so Ulrich, dass die Wildformen gepflanzt werden und vor allem keine Exoten, mit denen die Schmetterlinge nichts anfangen könnten. Der Experte: "Es kommt auch weniger darauf an, dass die Falter ihren Nektar saugen können. Die sind sehr genügsam. Viel wichtiger ist, dass die Raupen etwas zu fressen haben."

So ist der Schmetterlingsflieder bekanntlich eine beliebte Schmetterlingsweide, aber die Raupen könnten damit nichts anfangen. Viel wichtiger sei beispielsweise der Kohl, welcher der Raupe des stark bedrohten Kohlweißlings als Nahrung diene, hörte man von Rainer Ulrich .

Ulrich: "Der größte Teil der Bevölkerung will bunte Blumen aus dem Gartencenter." Viele Hausbesitzer legten größten Wert darauf, dass es ums Haus herum "sauber" und "ordentlich" aussehe. Dann gebe es nur mehr Rasen und versiegelte Flächen. "Schlechter als der liebevoll gepflegte Rasen ist nur noch Asphalt und Beton", sagt der Biologe Rainer Ulrich : "Wo nichts mehr blühen kann, ist die Natur tot." Dabei sei es einfach, der Natur wieder etwas Raum zu geben, wenn man von der Vorstellung abrücke, ein Garten müsse "aufgeräumt" sein. "Einfach mal die Disteln stehen lassen", fordert er für die Schmetterlinge .

Zwei Stunden lang war an diesem Nachmittag im Hausgarten in Überroth die Rede davon, wie man Schmetterlinge und insbesondere die Raupen mit bestimmten Pflanzen zum Essen anlockt. Dann waren die menschlichen Gartengäste dran. Inge und Herbert Schug luden sie in ihre Gartenlaube ein.

Frisch geschlüpft: Diesen Schwalbenschwanz hat Herbert Schug in die Freiheit entlassen. Foto: Schug
Frisch geschlüpft: Diesen Schwalbenschwanz hat Herbert Schug in die Freiheit entlassen. Foto: Schug FOTO: Schug
Immer hungrig und auf Futtersuche ist diese Raupe. Foto: Schug
Immer hungrig und auf Futtersuche ist diese Raupe. Foto: Schug FOTO: Schug
Raupen des Schwalbenschwanzes lieben Möhren. Foto: Kuphal
Raupen des Schwalbenschwanzes lieben Möhren. Foto: Kuphal FOTO: Kuphal