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Abbau
Die Luft ist raus: Tholeyer Windrad ist Geschichte

In 520 Metern Höhe stand es seit 1995 auf dem Schaumberg: ein Windrad, das jetzt abgebaut wurde.
In 520 Metern Höhe stand es seit 1995 auf dem Schaumberg: ein Windrad, das jetzt abgebaut wurde. FOTO: B&K / Bonenberger/
Tholey. Nach 23 Jahren Betrieb ist am Mittwoch die Windkraftanlage auf dem Schaumberg abgebaut worden. Zuletzt war sie zu reparaturanfällig. Von Evelyn Schneider

„Hier dreht sich alles um den Wind“ steht auf einem Schild. Es liegt auf dem Boden, wurde aus seiner Verankerung gerissen, wird nicht mehr gebraucht. Seine Zeit ist vorbei. Genau wie die des Windrades, über das  es bis zuletzt informierte.


23 Jahre lang stand das Windrad mit einer Gesamthöhe von 66 Metern nahe der Afrika-Kapelle auf dem Schaumberg. Am Mittwoch wurde es nun Stück für Stück abgebaut. „Es war zuletzt sehr reparaturanfällig, seine Lebenszeit einfach aufgebraucht“, erklärt Klaus-Peter Martin. Nach 20 Jahren am Netz stünden für solche Anlagen Gutachten an, die darüber befinden, ob ein Weiterbetrieb möglich ist. Hier ging es aus wirtschaftlicher Sicht nicht mehr.

Die Gondel, das schwerste Teil des Windrades, befestigen Arbeiter für den Abtransport am Kran.
Die Gondel, das schwerste Teil des Windrades, befestigen Arbeiter für den Abtransport am Kran. FOTO: B&K / Bonenberger/

Martin ist Sachverständiger für Windenergieanlagen und Geschäftsführer des Ingenieurbüros Jadewind. Er war es auch, der die Anlage im Herbst 1995 in Betrieb genommen hat. Gebaut hat sie damals ein Kollege. Martin leitet nun die Demontage. Die Herausforderung damals und heute auf der Fläche rund um die Kapelle: „Es ist verdammt eng.“

Bereits am Dienstag war Martin mit seinem Team vor Ort, um vorbereitende Arbeiten zu erledigen. Der Sitz seiner Firma ist in Veral, einer Stadt in Friesland am Jadebusen. Fünf bis sechs Stunden dauert die Fahrt ins Saarland. Hier sei er öfter unterwegs. Denn Jadewind erstellt hauptsächlich Gutachten für Windkraftanlagen. Service-und Wartungsarbeiten seien ein vergleichsweise kleiner Geschäftszweig.



Klaus-Peter Martin hat das Windrad in Betrieb genommen, jetzt zerlegt er es.
Klaus-Peter Martin hat das Windrad in Betrieb genommen, jetzt zerlegt er es. FOTO: B&K / Bonenberger/

Als „vergleichsweise putzig“ beschreibt der Vareler Experte das Tholeyer Windrad und lächelt. Neben modernen Anlagen wirke es eher wie ein Spielzeug. Bei der Inbetriebnahme 1995 entsprach es dem damals aktuellen Standard; hatte eine Leistung von 270 Kilowatt – heute sei das Zehnfache die Regel. 800 000 Mark hat die Windkraftanlage auf dem Schaumberg gekostet. Pro Jahr lieferte sie zwischen 300 000 und 350 000 Kilowattstunden – so viel Strom, wie etwa 100 Haushalte verbrauchen. Die Kosten für den Abbau beziffert Tholeys Bürgermeister Hermann Josef Schmidt (CDU) auf 50 000 Euro.

Mit dem Aus der Anlage endet auch das Thema  Windenergie am Schaumberg. „Es wird keine neue Anlage geben“, sagt Schmidt. Veränderte Lärmschutzlinien ließen das nicht zu. 1995 schrieb das Windrad noch ein Stück Geschichte. „Es war eine der ersten  Anlagen im Saarland.“

Das Schild wies bis jetzt auf die Windkraftanlage bei der Afrika-Kapelle hin.
Das Schild wies bis jetzt auf die Windkraftanlage bei der Afrika-Kapelle hin. FOTO: Evelyn Schneider

Seit 2012 machte das Windrad immer wieder Ärger. Damals gab es einen Schaden am Getriebe. Daher standen die Rotorblätter einige Zeit still. „Es ist auch immer schwieriger geworden, Unternehmen zur Reparatur herzukriegen. Eine solch kleine Anlage zu warten, ist nicht rentabel“, erklärt der Rathaus-Chef. Vor etwa einem halben Jahr ging wieder etwas kaputt. Das brachte das endgültige Aus für die Anlage. Ersatzteile seien nicht mehr zu kriegen.

Und so schreiten am Mittwochmorgen ab 8 Uhr Klaus-Peter Martin und sein Team zur Tat. Der Kran ist trotz beengter Platzverhältnisse  positioniert. Zunächst werden die drei Rotorblätter demontiert. „Sie wiegen zusammen 5,5 Tonnen“, erläutert Martin. Alles läuft nach Plan. Auch das Wetter spielt mit. Es ist kalt in etwa 520 Metern Höhe, aber die Sonne scheint und der Wind hält sich in Grenzen. Denn das Element, das zum Betrieb der Anlage immer willkommen war, hätte in diesem Fall gestört. Wetterbedingt war der eigentlich auf den 31. Januar terminierte Abbau gestrichen worden. Gegen 10.30 Uhr legt das Team eine Pause ein. Denn als nächstes geht es daran, die Gondel von der Turmspitze zu holen. Sie beherbergt das Getriebe und den Generator. Mit elf Tonnen ist es das schwerste Teil der Windkraftanlage. Daher muss der Kran mit Kontergewichten beschwert werden. Per Schwertransport sollen diese angeliefert werden. Der Lastwagenfahrer muss rückwärts einen teils noch vereisten Weg bergab fahren. Kurz vorm Ziel passiert es: Er fährt sich fest. Dennoch bricht keine Hektik bei den Verantwortlichen aus. Nach einer kurzen Verzögerung kann es weitergehen.

Noch einmal hat sich einen Tag lang alles um das Windrad gedreht. Dann ist es Geschichte.