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Ferienprogramm
„Der Betreuer-Job ist kein Strandurlaub“

Die Betreuer bei der Ferienfreizeit der Gemeinde Tholey, viele sind Wiederholungstäter, sind ein bestens funktionierendes Team, das den Kindern viel Spaß vermittelt.
Die Betreuer bei der Ferienfreizeit der Gemeinde Tholey, viele sind Wiederholungstäter, sind ein bestens funktionierendes Team, das den Kindern viel Spaß vermittelt. FOTO: Marion Schmidt
Tholey. Seit 42 Jahren gibt es die Ferienfreizeiten in Tholey. Doch damit die Kinder ihren Spaß haben, braucht es verantwortungsvolle Helfer. Von Marion Schmidt

Arbeiten, wo andere Urlaub machen. Dafür hatten sich in diesen Sommerferien junge Menschen aus der Gemeinde Tholey entschieden. Jeweils eine Woche verbrachten sie als ehrenamtliche Betreuer in einer Ferienfreizeit der Gemeinde Tholey in der Jugendherberge auf dem Schaumberg. Seit 42 Jahren organisiert die Gemeinde in Zusammenarbeit mit der katholischen Kirchengemeinde Kinderferienfreizeiten in den Sommerferien. Drei einwöchige Ferientermine für Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren standen  auf dem Programm.


Der Wille zu Einsatzbereitschaft, Verantwortungsbewusstsein und die Bereitschaft, rund um die Uhr auf Empfang sein, das ist es, was die Betreuer auszeichnet.  Bei der 43. Auflage der Ferienfreizeiten, die insgesamt drei Wochen dauerte, waren 32 Betreuer im Einsatz und bescherten  171 Kindern erlebnisreiche Ferienwochen. Viele Betreuer sind Wiederholungstäter und engagieren sich schon seit einigen Jahren in den Ferienfreizeiten auf dem Schaumberg. Manche von ihnen waren in ihrer Kindheit selbst Feriengast. So wie Sarah Scheer aus Tholey. Die heute 28-Jährige gehört seit elf Jahren zum Betreuerteam. „Mein Klassenlehrer an der Tholeyer Realschule war damals Chefbetreuer im Ferienlager und motivierte mich für den Job. Mit 18 Jahren fing ich als Betreuer an“, berichtet Scheer. Ihr Engagement im Ferienlager habe ihr auch geholfen, die Weichen für ihre berufliche Zukunft zu stellen. „Mir wurde klar, dass ich im sozialen Bereich arbeiten will“, erklärt die junge Frau, die in der ambulanten Familienhilfe arbeitet.

Linn Schmidt und Melanie Johann gehören bereits seit fünf Jahren zum Betreuerteam, Sarah Scheer ist seit  zehn Jahren dabei. Die Ferienfreizeiten am Schaumberg will sie aber nicht missen. „Die Arbeit im Betreuerteam hat einen anderen Charakter als mein Beruf. Die Kinder sind so dankbar für das, was wir für sie in den Ferien organisieren.“



Chiara Melcher ist seit ihrem siebten Lebensjahr von dem Ferienfreizeit-Virus infiziert. Sechs Jahre lang genoss sie in den Sommerferien eine Woche auf dem Schaumberg. „Das hat mir als Kind so gut gefallen, dass ich später dieses Angebot auch einmal von der anderen Seite erleben wollte“, verrät die heute 20-Jährige, die als Betreuer in die Fußstapfen ihres Onkels trat. Als Betreuer sind Sarah und Chiara den Kindern für eine Woche lang eine Mischung aus Aufsichtsperson, Tröster, Animateur, Freund, Helfer und auch Elternersatz. „Was wir von den Kindern für unser Engagement zurückbekommen, ist nicht bezahlbar. Es ist ein tolles Gefühl zu erleben, wie die Kinder sich von uns anstecken lassen und sich amüsieren. Oft fühle ich mich dabei selbst auch wieder wie ein Kind“, so Chiara.

Auch Linn Schmidt lernte das Ferienangebot  im Alter von neun Jahren als Gast kennen. „Ich war fünf Mal dabei. Als ich mit 16 Jahren wegen Erreichen der Altersgrenze nicht mehr hingehen konnte, war ich richtig traurig“, erinnert sich der 25-jährige Ingenieur. Ein Freund habe ihn damals mit dem Betreuer-Virus angesteckt. Auch seine Motivation ist die Begeisterung der Kinder: „Man freut sich, wenn die Kinder einen morgens anlachen und gespannt sind auf den neuen Tag.“ Er schätzt besonders den Zusammenhalt im Betreuerteam. „Wir sind wie eine Clique, die sich seit Jahren kennt und über das gemeinsame Engagement zusammengewachsen ist“, beschreibt Linn Schmidt das Gemeinschaftsgefühl unter den Betreuern.

Auch wenn sich jedes Jahr viele Wiederholungstäter im Betreuerteam zusammenfinden, Nachwuchs wird immer gesucht. „Neue Betreuer brachen oft ein bis zwei Tage, um ihren Ferienlagermodus zu aktivieren und zu verstehen, dass die Betreuer als Individuum im Hintergrund stehen“, beschreibt Sarah Scheer die Startphase eines neuen Teammitglieds. Auch wenn die Tätigkeit als ehrenamtlicher Betreuer in einer Ferienfreizeit kein Strandurlaub ist, weitermachen wollen sie alle. Denn das Gefühl, vielen Kindern etwas Gutes getan zu haben und die Erinnerungen an eine unvergessliche Zeit, halten lange an und sind der Mühe bester Lohn. „Nach einer Woche fällt es schwer, sich von den Kindern zu trennen. Zu Hause angekommen, muss man sich als Betreuer dann erst einmal daran gewöhnen, die Stille auszuhalten“, verrät Chiara Melcher.