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Theater
Das Chaos hätte nicht größer sein können

Zickenalarm: Alexander (Thomas Alles, links) ist schockiert. Seine Zeitungsannonce hat ihm fünf durchgeknallte Bewerber ins Haus gebracht.
Zickenalarm: Alexander (Thomas Alles, links) ist schockiert. Seine Zeitungsannonce hat ihm fünf durchgeknallte Bewerber ins Haus gebracht. FOTO: Frank Faber
Hasborn-Dautweiler. Zickenalarm in der Kulturhalle Hasborn. Regisseur Klaus Backes gab dem Theaterstück eine eigene Note und begeisterte das Publikum. Von Frank Faber

War das wahnwitzig, was die Laiendarsteller vom Theaterverein Edelweiß Hasborn dreimal in der ausverkauften Kulturhalle inszenierten. „Zickenalarm“ lautete der Titel des Bühnenwerks von Jürgen Baumgarten, dem die Hasborner eine eigene Note verpassten.



„Alle die eine Frau zu Hause haben, wissen, worum es geht, umgekehrt aber auch“, sagt Regisseur Klaus Backes. Oder? Das ist passiert:

Nie hätte Alexander Sander (Thomas Alles) gedacht, dass eine einfache Zeitungsannonce ein solches Chaos in sein Leben bringen würde. Freundin Nicole (Tina Müller) ist bei ihm ausgezogen und er sehnt sich nach Sonne, Meer und schönen Frauen. Nix wie ab, sechs Wochen auf die Bahamas. Für die Zeit seiner Abwesenheit will Alexander einen Wohnungssitter suchen. Und das wird fatal. Die Bewerberauswahl läuft völlig aus dem Ruder und ein Zickenkrieg entbrennt. Köstlich überdreht bringen die Darsteller die besten Eigenschaften ihrer Charaktere auf den Punkt.

„Die Charaktere erfinden sich in den Proben und entwickeln sich dann weiter“, erklärt Regisseur Backes. Mit Bewerberin Nummer eins, der drallen russischen Austauschstudentin Frieda Haupenthal (Sarah Braun), landet Alexander ratzfatz in der Kiste. Reibeisenröhre Karola Brachmann (Stefanie Guckeisen) grölt ständig rum und zudem stürmen die angebliche Französin Manuela Emanuelle (Ina Weber) und die irreführende Heulsuse Babette (Annabelle Backes) seine Bude.

Das Chaos ist komplett, als der Öko-Camper Martin (Christian Schneider) im Wohnzimmer sein Wurfzelt aufbaut und den Bunsenbrenner anwirft. Zuviel für Alexander, der kippt um. „Oben ist ein Lichtlein ausgegangen, unten ist der Tank leer“, diagnostiziert der herbeigeeilte Notarzt (Jörg Fuchs) treffend.

Zwischendrin schmeißen die vier Zicken noch Alexanders Ex-Freundin Nicole aus dem Haus und saufen sich die Hucke voll. Himmlisch bekloppt kommen die Gags neben der eigentlichen Geschichte rüber. Nicoles hemdsärmeliger Freund Hugo (David Scheid) wird zum Einbrecher, der Sturzhelm tragende Werner (David Mauer), Alexanders bester Freund, will im Haus aufräumen und ein durchgeknallter Wüterich (Michael Bauer) mischt urplötzlich noch mit. Nur gut, dass der zugedröhnt wirkende Camper Martin den Durchblick behält. „Meditation macht klar“, sagt Martin. Dagegen hat der wieder hergestellte Alexander resigniert.

„Die Anzeige hat sich erledigt. Lieber lasse ich täglich freiwillig ins Haus einbrechen“, sagt er.

Wenigstens die attraktive Nachbarin Britta (Melanie Schwan) steht ihm zur Seite und versucht die Horde in den Griff zu kriegen. „Vielleicht entwickelt sich etwas zwischen den beiden“, munkelt Martin. Genau. Alle fliegen raus, die Zeitungsannonce war am Ende trotzdem kein Schuss in den Ofen, denn die Herzen von Martin und Britta finden zueinander. Welch ein Happyend.

Ein total verrückter, aber bis ins Detail gelungener Theaterabend. Verdientermaßen tosender Applaus in der Kulturhalle für die Leistung der Darsteller. „Wir haben auch an uns selbst den Anspruch abzuliefern, im Stück muss man sich selbst spüren“, meint Darsteller Christian Schneider. Der Hasborner Theaterchef und Regisseur Backes war zufrieden. „Klar haben wir unsere eigenen Gags eingebaut, wir haben ein super Team zusammen, und dass alles so gut gepasst hat, ist das Werk der ganzen Gruppe“, freut sich Backes. Die Resonanz – dreimal eine ausverkaufte Kulturhalle – sei einfach grandios.