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Feier
Aus Erbe der Vorfahren wird neue Freundschaft

Während einer Feier im Himmelszelt wurden die Partnerschaftsurkunden unterzeichnet (von links): Kardinal Dom Odilo Scherer, Erzbischof Dom Jacinto Bergmann, Tholeys Bürgermeister Hermann Josef Schmidt und Paulo Mertins, Bürgermeister von Alto Feliz.
Während einer Feier im Himmelszelt wurden die Partnerschaftsurkunden unterzeichnet (von links): Kardinal Dom Odilo Scherer, Erzbischof Dom Jacinto Bergmann, Tholeys Bürgermeister Hermann Josef Schmidt und Paulo Mertins, Bürgermeister von Alto Feliz. FOTO: Evelyn Schneider
Tholey. Vertreter der Gemeinden Tholey und Alto Feliz (Brasilien) besiegeln eine Partnerschaft. Gefeiert wurde das Ereignis im Himmelszelt auf dem Plateau des Schaumbergs. Von Evelyn Schneider

Für 28 Menschen aus Alto Feliz im Alter von acht bis 83 Jahren geht es am heutigen Mittwoch zurück nach Brasilien. Im Gepäck hat die Reisegruppe viele Eindrücke aus dem Schaumberger Land, die Kontaktdaten neuer Freunde und die Erinnerung an ein historisches Ereignis. Denn sie alle waren dabei, als alte Bande neu geknüpft wurden. Seit Sonntag besteht nun offiziell eine Partnerschaft zwischen der Gemeinde Tholey und Alto Feliz im Bundesstaat Rio Grande do Sul im Süden Brasiliens.


Gefeiert wurde diese im Himmelszelt auf dem Schaumberg. Kein Wölkchen war an diesem Morgen zu sehen, nur ein strahlend blauer Himmel. Die Gäste schienen gar mit der Sonne um die Wette zu strahlen. Seit Dienstag vergangener Woche lernten die Gäste aus Brasilien die Region ihrer Vorfahren kennen, wohnten privat bei Familien. „Von Anfang an dachte man, da treffen sich alte Bekannte“, sagte Tholeys Bürgermeister Hermann Josef Schmidt (CDU). Schnell hätte die Gruppe zueinander gefunden. Ein Gesprächsthema im Himmelszelt war ein gemeinsamer Abend auf dem Schaumbergplateau, bei dem gesungen wurde. Die Brasilianer präsentierten dabei „alte deutsche Lieder, die wir selbst nicht mehr kennen“, verriet Schmidt.

Mitte des 19. Jahrhunderts wanderte hunderte Menschen aus der Gemeinde Tholey nach Brasilien aus. Seither sei die Verbindung zu ihren Wurzeln nie ganz abgerissen. „Der Kontakt wurde über verwandtschaftliche Verhältnisse gepflegt“, sagte Schmidt. Auch ein ganz besonderes Haus in Theley habe zur Kontaktpflege beigetragen: die „Casa do Brasil“ von Mathilde Ludwig. Sie und ihre Familie „bewirtete über viele Jahrzehnte junge und angehende Priester aus Brasilien“. Dazu zählten auch Kardinal Dom Odilo Pedro Scherer, der heutige Erzbischof von São Paulo, der drittgrößten Diözese in der Welt (5,2 Millionen Katholiken) und Dom Jacinto Bergmann, Erzbischof von Pelotas. Beide Würdenträger waren zu Gast bei der Feier, die Wurzeln beider liegen in der Gemeinde Tholey. Insgesamt, so berichtete Schmidt, gebe es in Brasilien 40 Bischöfe und Kardinäle deutscher Abstammung, darunter zehn aus dem Schaumberger Land.



Um eine Partnerschaft zwischen zwei Gemeinden zu knüpfen, braucht es neben historischer Verbindungen vor allem Menschen, die darauf drängen, nicht müde werden, etwas anzuschieben. Im Falle von Alto Feliz und Tholey zählte auch Dom Jacinto Bergmann zu diesen Menschen. „Jacinto, Du hast genervt“, scherzte Schmidt. „Aber Du hast gewonnen.“

Er habe auch den Bürgermeister von Alto Feliz genervt, gestand der Angesprochene wenig später in seinem Grußwort. Als er vor 35 Jahren das erste Mal nach Theley gekommen sei, hatte er einen Traum. Den Traum, die beiden Regionen wieder miteinander zu verbinden. Denn, wann immer er nach Theley kam, habe ihn Mathilde Ludwig mit den Worten begrüßt: „Wie schön dass du da bist, jetzt bist du wieder dahemm.“ „Vor 35 Jahren bis heute bin ich dahemm“, sagte Jacinto Bergmann, der an diesem Morgen den Wecker überhört hatte und von einem Kardinal geweckt wurde.

Dom Odilo Scherer erinnerte die Gäste im Zelt daran, warum sie hierher gekommen waren. „Wir sind hier, um eine Partnerschaft zu schließen. Partnerschaft, das bedeutet, sich gegenseitig zu unterstützen, den anderen zu kennen und freundschaftlich verbunden zu sein“, sagte der Kardinal. Es gehe darum, Brücken zu bauen und keine Mauern. Damals wie heute würden Menschen aus den gleichen Gründen auswandern: Sie flöhen vor dem Krieg, vor Hunger. „Wenn wir heute eine Partnerschaft schließen, dann geht es darum, Völker zusammenzubringen und das zu überwinden, was Menschen auseinanderbringt“, sagte Scherer. Es gehe um ein besseres Leben für alle.

Paulo Mertins, Bürgermeister von Alto Feliz, erinnerte an das Erbe, das die deutschen Auswanderer in seiner Gemeinde hinterlassen haben: die Sprache, das Essen, die Tänze. „Das alles wollen wir an unsere Nachkommen weitergeben“, versprach der Verwaltungschef. Und so hoffe er, dass die Partnerschaft mit Tholey von den Kindern und Enkelkindern weitergelebt werde.

Auf einem Tisch lagen die kunstvoll gestalteten Urkunden zur Unterschrift bereit. Deutsche und brasilianische Flaggen zierten das Himmelszelt. Während die beiden Bürgermeister und die beiden hohen kirchlichen Würdenträger die Partnerschaft mit ihrer Unterschrift besiegelten, wurden die Hymnen beider Länder vom Band abgespielt. Die Gäste aus Brasilien sangen spontan sowohl die deutschen als auch die portugiesischen Textzeilen mit. Ein Gänsehautmoment.

Alto Feliz, das heißt frei übersetzt „überglücklich“ und so sprach der Tholeyer Bürgermeister dann auch von einem „himmlischen Morgen mit überschönem Wetter, überglücklichen Menschen und einer überschönen Partnerschaft“. Die gelte es, in Zukunft weiter mit Leben zu füllen. Der Rathauschef denkt dabei an Jugendaustausch und organisierte Reisen nach Alto Feliz, um das Leben der brasilianischen Freunde besser kennen zu lernen.