Ameisen umgesiedelt Ameisen ziehen weg von der Autobahn

Artenschutz auf dem Mittelstreifen der einseitig gesperrten Autobahn A1 zwischen Hasborn und Primstal: Mehr als 1,6 Millionen hügelbauende Waldameisen sind am Montag umgesiedelt worden.

 Mit der Schaufel gräbt Baggerfahrer Giuseppe Napoli die Ameisen aus. Links Ameisenschutzwart Helmut Hahn und Baustellenleiter Jörn Brauchle.

Mit der Schaufel gräbt Baggerfahrer Giuseppe Napoli die Ameisen aus. Links Ameisenschutzwart Helmut Hahn und Baustellenleiter Jörn Brauchle.

Foto: Frank Faber

Noch krabbeln die hügelbauenden Waldameisen hektisch hin und her. Im Hintergrund rauscht der Verkehr zwischen den Ausfahrten Hasborn und Primstal auf der A1 vorbei. Mit einem Spaten und bloßen Händen werden die Ameisen von den Schutzwarten Jürgen Jakoby (Nonnweiler), Helmut Hahn (Kastel) und Berthold Hoffmann aus Sötern in einen sogenannten Bigpack für den Großumzug befördert. Fünf derartige bis zu 60 Zentimeter hohe Ameisennester müssen von den Naturschützern umgesiedelt werden. Ein aufmerksamer Mitarbeiter des Landesbetriebs für Straßenbau (LfS) hat die Hügel noch rechtzeitig vor den beginnenden Rodungsarbeiten und der Kanalverlegung auf dem Mittelstreifen der Autobahn entdeckt. „Da die Autobahn in Richtung Nonnweiler gesperrt ist, können wir die Ameisen umsiedeln“, sagt Ameisenschutzwart Hoffmann.

Die ausführende Straßenbaufirma Dittgen unterstützt den Umzug mit schwerem Gerät. Baggerfahrer Giuseppe Napoli hebt ein Loch auf der Grünfläche an der Ausfahrt Hasborn aus, hier soll ein Teil der etwa 1,8 Millionen Ameisen ihr neues Zuhause finden. „Die Eilage der hügelbauenden Waldameise ist im unteren Bodenbereich des Nestunterbaus. Sie ist zweimal im Jahr geschlechtsreif“, berichtet Hahn. Der Umzug, so Hoffmann, sei für die Ameisen ein schwerwiegender Eingriff. „Von Ende April bis Juni ist die beste Zeit für eine Umsiedlung, dann sonnt sich die Königin oben auf dem Hügel“, erklärt Hoffmann. Seine Kleidung ist mittlerweile übersät mit den Tierchen: „Sie pieseln nicht, sie kneifen nur“, sagt der Söterner Ameisenschutzwart salopp.

In der Luft liegt trotzdem etwas Säuerliches, als Baustellenleiter Jörn Brauchle zwei weitere gefüllte Bigpacks mit dem Radlader zum neuen Wohnort abtransportiert. Wie verrückt rasen die schichtweise eingebauten Insekten dort orientierungslos umeinander. „Sie müssen sich zunächst wieder sortieren und bringen dafür nun Puppen und Larven in Sicherheit, erst dann organisieren sie sich neu“, informiert Hoffmann.

Doch warum bauen Ameisen ihre Nester ausgerechnet auf den Mittelstreifen einer lärmenden Autobahn? „Durch den Wurzelbau und andere überfahrene Insekten finden sie ihre Nahrung und haben genügend Sonneneinstrahlung“, erklärt Hoffmann, Die Tiere graben sich  bis zu einer Tiefe von 1,50 Metern ins Erdreich ein. Auch der zweite auf dem Asphalt markierte Standort weist eine Höhe von 60 Zentimetern auf. „Das sind dann so 400 000 Ameisen mit maximal bis zu 300 Königinnen“, ergänzt Hoffmann.

Mit der Baumschere kappt Hahn zuerst das Grünzeug, ehe er feststellt, dass neben der befahrenen Autobahn noch eine gut frequentierte Ameisenstraße verläuft. „Alle werden wir wohl nicht erwischen können“, bedauert der Kasteler. Derweil marschiert Hoffmann über das Wiesengelände am Parkplatz Sombach Mühle, um ein geeignetes Plätzchen für die drei weiteren Nester zu finden. „Es muss genug Licht da sein, es muss Futter in der Nähe sein“, benennt er die Voraussetzungen.

 Ameisenschutzwart Jürgen Jakoby kümmert sich um das neue Zuhause der Waldameisen.

Ameisenschutzwart Jürgen Jakoby kümmert sich um das neue Zuhause der Waldameisen.

Foto: Frank Faber
 Die Ameisenschutzwarte Helmut Hahn (links) und Berthold Hoffmann legen einen Ameisenhügel frei.

Die Ameisenschutzwarte Helmut Hahn (links) und Berthold Hoffmann legen einen Ameisenhügel frei.

Foto: Frank Faber

Nachdem dann alle Ameisen in der neuen Siedlung eingetroffen sind, verstreut Hoffmann rundum etwas Zucker. „Auch die Ameisen mögen Süßes und das ist dann die Wiedergutmachung dafür, dass wir sie gestört haben“, sagt Hoffmann. Künftig sollen die neuen Nester wöchentlich von den Schutzwarten kontrolliert werden. „Dadurch, dass wir schweres Gerät zur Hilfe hatten, ging der Umzug schnell. Ohne hätten wir mehr als sechs Stunden für die Umsiedlung benötigt“, meint er. Bundesweit sei das Saarland bei Ameisenumsiedlungen auf dem dritten Platz.

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