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Rallye
Sprung auf Landschaftspark-Piste verfehlt

 Rallye-Boliden in Action sind ein beliebtes Fotomotiv. Im Landschaftspark am Hofgut Imsbach in Theley werden aber weder die Fahrer auf Punktejagd noch die Fans auf Fotojagd gehen.
Rallye-Boliden in Action sind ein beliebtes Fotomotiv. Im Landschaftspark am Hofgut Imsbach in Theley werden aber weder die Fahrer auf Punktejagd noch die Fans auf Fotojagd gehen. FOTO: dpa / A3643 Harald Tittel
Theley. Rallye-Boliden dürfen im August nicht am Theleyer Hofgut Imsbach starten. Jetzt muss schnell ein neuer Plan her. Von Frank Faber

Die ADAC-Rallye-Deutschland vom 22. bis 25. August wird nicht, wie zunächst angedacht, am Theleyer Hofgut Imsbach gestartet. Dort sollte am 22. August das Motorsportspektakel mit der Wertungsprüfung (WP) 1 Selbach beginnen und mit der finalen Powerstage WP 18 am 25. August unweit des Rallye-Zentrums am Bostalsee enden (wir berichteten). Der ausgetüftelte Plan des zuständigen ADAC Saarland ist mittlerweile im Papierkorb gelandet. Denn der Grundstückseigentümer des Hofguts Imsbach in Theley, die Naturlandstiftung Saar, hat direkt nach der öffentlichen Bekanntgabe, dass die weltbesten Rallyepiloten am Landschaftspark das Gaspedal durchtreten sollen, ein Veto eingelegt.


„Wir sind verärgert, wie man sich vonseiten des ADAC Saarland in der Öffentlichkeit geäußert hat“, sagt Udo Weyrath, Kurator der Naturlandstiftung. Erst durch einen Bericht in der SZ, so ergänzt der technische Geschäftsführer Eberhard Veith, sei die Naturlandstiftung über das Vorhaben ausführlich informiert worden. Von einem angesetzten Lokaltermin mit Begehung der voraussichtlichen Rallye-Strecke habe die Stiftung nichts mitgekriegt, weil die diesbezügliche E-Mail offensichtlich im Spamordner gelandet sei.

Fakt sei jedoch: „Eine Rallye durch den Landschaftspark widerspricht den Satzungen und Zielen der Stiftung – der Förderung des Naturschutzes und der Landschaftspflege – und ist in keinster Weise vereinbar“, stellt Kurator Weyrath klar. Zudem sei das Heranziehen und Bereitstellen von Flächen für derartige Veranstaltungen nicht gestattet.



Nach der ersten Absage hat Tholeys Bürgermeister Hermann Josef Schmidt (CDU) dann ins Geschehen eingegriffen. Der Verwaltungschef hat ADAC-Organisationsleiter Günter Jung und die Naturlandstiftung an einen Tisch gebeten, um die Situation noch einmal zu beraten. Schmidt bekräftigte allerdings schon vor den Gesprächen: „Wir versuchen, eine Alternative über Wege der Gemeinde zu finden, aber wenn die Naturlandstiftung nicht will, dann will die Gemeinde auch nicht“.

Auch mit dem jüngsten Vorschlag der Organisatoren des Weltmeisterschaftslaufes, nur die öffentliche Straße durch das Gelände als Zuwegung vorbei an einer Kuhweide mit Tempo 30 zu fahren, um an den Startpunkt zu gelangen, ist der ADAC abgeblitzt. Für Jung fachlich schwer zu verstehen, weil eingeholte Umweltgutachten grünes Licht signalisiert haben. „Aber den Interessen muss man Rechnung tragen. Dass wir die WP nicht fahren können, liegt nicht an der Naturlandstiftung, sondern an der Gemeinde Tholey, die nicht möchte“, behauptet Jung.

Den Vorwurf will der Bürgermeister so nicht stehen lassen. „Der Landschaftspark am Hofgut Imsbach und die Gemeinde Tholey müssen als ganze Einheit gesehen werden, und wir lassen uns nicht auseinanderdividieren. Der Landschaftspark gehört zum touristischen Gesamtkonzept der Gemeinde, und die Flächen sind nicht für die Öffentlichkeit, sondern für eine naturverbundene stille Erholung bestimmt“, erläutert Schmidt, warum sich die Gemeinde der Meinung der Stiftung angeschlossen hat.

Als neue Option für den Start der Rallye am 22. August favorisiert der Organisationschef aktuell den ersten Teil der WP St. Wendeler Land, zwischen der B 41 und Steinberg-Deckenhardt. Dieses Teilstück ist zudem für den Shakedown eingeplant. „Theoretisch kann die Strecke zusätzlich als WP gefahren werden“, meint Jung. Für die abschließende Powerstage (WP 18) mit Zieldurchfahrt wird der ADAC wohl Richtung Mosel ausweichen, weil zuvor die WP Grafschaft auf dem Programm steht. „Für das Saarland ist das dann die zweitbeste Lösung“, sagt Jung. Die letzte WP wird am Sonntag, 25. August, ab 12.08 Uhr gestartet und weltweit im Fernsehen ausgestrahlt.

In den nächsten zehn Tagen muss Jung dem Veranstalter der Rallye-Weltmeisterschaft, der FIA (Fédération Internationale de l‘Automobile) und weiteren Promotern, den Streckenplan für den kompletten WM-Lauf auf den Tisch legen. Fest steht: Am Samstag, 24. August, brausen die Piloten ebenfalls je zweimal über den Asphalt in Freisen, über die WP Römerstraße (zwischen Mainzweiler, Urexweiler und Marpingen) sowie über die Panzerplatte in Baumholder. Anschließend treffen sie zum Regrouping auf dem Schlossplatz in St. Wendel ein, ehe sie zurück ins Rallye-Zentrum an den Bostalsee fahren, das laut Jung mit Servicepark und Fahrerlager wie im Vorjahr den Schwerpunkt der Motorsportveranstaltung bilden wird.