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Rallye-Weltmeisterschaft
St. Wendel wird zum Nabel der Rallye-Welt

Richtig viel los war im vergangenen Jahr beim sogenannten Regrouping der WRC-Boliden in der St. Wendeler Innenstadt. In diesem Jahr wird die nordsaarländische Kreis-
stadt sogar Start und Ziel der
ADAC Deutschland Rallye sein. Was neben Impulsen für Wirtschaft und Tourismus auch eine enorme Medienpräsenz mit sich bringen dürfte. Damit wird St. Wendel für vier Tage zum Zentrum der Rallye-Welt. 
Richtig viel los war im vergangenen Jahr beim sogenannten Regrouping der WRC-Boliden in der St. Wendeler Innenstadt. In diesem Jahr wird die nordsaarländische Kreis- stadt sogar Start und Ziel der ADAC Deutschland Rallye sein. Was neben Impulsen für Wirtschaft und Tourismus auch eine enorme Medienpräsenz mit sich bringen dürfte. Damit wird St. Wendel für vier Tage zum Zentrum der Rallye-Welt.  FOTO: Josef Bonenberger
St. Wendel. Die Kreisstadt ist Anfang und Ende, der Servicepark am Bostalsee Dreh- und Angelpunkt. Die Rallye Deutschland steht in den Startlöchern. Von Thorsten Grim

Rallye ist Motorsport pur. Die Fahrer hetzen ihre bunten Boliden nicht prozessionsartig Kilometer um Kilometer über einen sterilen Rundkurs. Sondern es geht munter über Stock und Stein. Oder zumindest über staubige Pisten, auf denen sonst höchstens Traktoren fahren. Allerdings sind der amtierende Weltmeister Sébastien Ogier aus Frankreich und seine Mitbewerber mit ihren Landmaschinen deutlich schneller unterwegs als die heimischen Bauern. Bis zu 380 Pferdchen hat ein WRC-Rennwagen der neuesten Generation gemeinhin unter der Haube. Umgelegt auf das Gewicht eines solchen Fahrzeugs bedeutet das: Wenn der Pilot das Gaspedal durchdrückt, prescht jedes Kilo mit fast vier PS nach vorne. Die Beschleunigung ist spektakulär.


Spektakulär sollen auch die rund 330 Kilometer werden, die die WRC-Rallye-Starts beim FIA Rallye-Weltmeisterschaftslauf Deutschland, so der offizielle Name der Rallye, unter ihre Schlappen nehmen. Das verspricht zumindest der ADAC als Ausrichter des Laufs, dessen Teilnehmer vom 16. bis 19. August über saarländische und rheinland-pfälzische Feldwege brettern. 18 Wertungsprüfungen (WP) stehen auf dem Programm. Wobei die Kreisstadt St. Wendel quasi an Anfang und Ende steht, während der Servicepark am Bostalsee der Dreh- und Angelpunkt des Motorsport-Theaters ist.

Zu den neuen Höhepunkten der Deutschland Rallye, deren Streckenplan der ADAC kürzlich in seinen Geschäftsräumen in Saarbrücken offiziell vorstellte, gehören ganz sicher Start und Ziel der Rallye in der nordsaarländischen Sportstadt. Bei der Eröffnungsfeier in der St. Wendeler Innenstadt werden am Donnerstagabend (16. August) die Teams samt Fahrer und Beifahrer zunächst offiziell vorgestellt. Hernach bewegt sich der Rallye-Tross in den nahen Wendelinuspark – gemächlich. Dann steht die erste Wertungsprüfung an, bei der die Piloten gekonnt mit dem Gaspedal spielen müssen. Denn es geht auf einen kleinen kompakten Kurs, ähnlich der Supermoto-Rennstrecke, der den Zuschauern laut ADAC echtes Arena-Feeling bietet. Super Special Stage nennt sich der Eröffnungsritt in der Fachsprache.



Nach rasanten Abstechern in die Weinberge, auf die Römerstraße sowie die Panzerplatte kehrt die ADAC Rallye Deutschland zum Finale am 19. August noch einmal nach St. Wendel zurück: Nach der sogenannten Powerstage WP Bosenberg, die quasi die Abschlussprüfung für die Rallyefahrer bildet und direkt vor den Toren der Stadt endet, geht es gleich im Anschluss zur Siegerehrung auf den Schlossplatz. Spätestens dann werden die Rallye-Anhänger aus aller Welt wissen, ob Vorjahressieger Ott Tänak (Estland) seinen Erfolg wiederholen konnte.

St. Wendels Bürgermeister Peter Klär (CDU) freut sich nach eigener Aussage sehr über die Aufwertung, die seiner Stadt beim Lauf zur Rallye-WM zuteil wurde. „Wir haben uns direkt bereiterklärt, als Start- und Zielort der Deutschland Rallye zur Verfügung zu stehen und damit dieses Großereignis in der Region zu halten“, sagt der Chef der St. Wendeler Stadtverwaltung, die bereits bei vielen Großveranstaltungen gezeigt hat, dass sie solche zu stemmen in der Lage ist. Die Rallye locke, so vermutet Klär, im August tausende Besucher aus unterschiedlichen Nationen nach St. Wendel. „Für unsere Kreisstadt sind solche internationalen Sportevents enorm wichtig. Sie stärken nicht nur Wirtschaft und Tourismus, sondern sorgen durch die enorme Medienpräsenz auch für eine nachhaltige Imagewerbung im In- und Ausland, die sich in vielen Bereichen positiv auswirkt.“

Ins gleiche Horn stößt Klärs Amtsvorgänger Klaus Boillon (CDU). Der saarländische Innenminister ist der Ansicht, „dass die ADAC-Rallye Deutschland eine großartige Veranstaltung mit vielen positiven Effekten für unser Land“ ist. Die Fernsehbilder gingen um die Welt „und sind eine tolle Werbung für die landschaftliche Vielfalt der Region“. Er freue sich sehr, dass die Saarland-Premiere – die Deutschland Rallye war nach Jahren der Trierer Diaspora 2017 ins Saarland zurückgekehrt – im vergangenen Jahr „so überaus erfolgreich war. Und ich bin sehr zuversichtlich, dass dies auch 2018 der Fall sein wird“. Zumal seine Heimatstadt St. Wendel die Landeshauptstadt Saarbrücken als Start- und Zielort abgelöst hat. „Die vorgestellten Neuerungen sind auf jeden Fall sehr vielversprechend“, sagt Bouillon.

Jutta Kleinschmidt, die wohl bekannteste Rallye-Pilotin, die Deutschland bislang hatte und die 2001 als bis dato einzige Frau die  Rallye Dakar gewinnen konnte, ist Markenbotschafterin der ADAC Deutschland Rallye. Die studierte Physikerin sagt: „Die Rallye wird von Jahr zu Jahr zuschauerfreundlicher und die Fans kommen immer voll auf ihre Kosten. Dazu sagt Deutschland-Rallye-Leiter Friedhelm Kissel: „Unser Anspruch ist es, die Rallye Deutschland jedes Jahr weiter zu entwickeln. Das ist uns auch 2018 gelungen.“ Vor allem mit den Neuerungen beim Start und dem Finale der Rallye in St. Wendel. Den Motorsportfans verspricht Kissel „Hochspannung bis zur Entscheidung in der abschließenden Powerstage“.

Bürgermeister Peter Klär, Rallye-Leiter Friedhelm Kissel, Markenbotschafterin Jutta Kleinschmidt, Innenminister Klaus Bouillon und Norbert Heinz vom ADAC Saarland (v.links) haben den Streckenplan vorgestellt.
Bürgermeister Peter Klär, Rallye-Leiter Friedhelm Kissel, Markenbotschafterin Jutta Kleinschmidt, Innenminister Klaus Bouillon und Norbert Heinz vom ADAC Saarland (v.links) haben den Streckenplan vorgestellt. FOTO: Ann-Iren Ossenbrink/ADAC Motorsport / Ann-Iren Ossenbrink
Der Belgier Thierry Neuville mit Beifahrer Nicolas Gilsoul auf der Panzerplatte.
Der Belgier Thierry Neuville mit Beifahrer Nicolas Gilsoul auf der Panzerplatte. FOTO: ADAC Motorsport