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Jazzfestival
St. Wendel jazzt französisch

Das internationale St. Wendler Jazzfestival geht in die nächste Runde. Bernhard Wasmund und Ernst Urmetzer vom Jazz-Förderkreis haben gemeinsam mit Bürgermeister Peter Klär das Programm vorgestellt (von links).
Das internationale St. Wendler Jazzfestival geht in die nächste Runde. Bernhard Wasmund und Ernst Urmetzer vom Jazz-Förderkreis haben gemeinsam mit Bürgermeister Peter Klär das Programm vorgestellt (von links). FOTO: Thorsten Grim
St. Wendel. Die 28. Auflage des internationalen St. Wendeler Jazz-Festivals beginnt diesen Freitag mit einem Vorabkonzert. Schwerpunkt ist in diesem Jahr Frankreich. Von Thorsten Grim

„Es ist schon etwas ganz Besonderes, ein Highlight im städtischen Veranstaltungskalender“, schwärmt St. Wendels Bürgermeister Peter Klär (CDU), „aber auch ein Höhepunkt für die Macher.“ Sehr viel Arbeit stecke dahinter und noch mehr Herzblut darin: Die Rede ist vom St. Wendeler Festival WND-Jazz. Das erlebt in diesen Tagen seine 28. Auflage. Ein Vorabkonzert als Appetit-Happen mit dem Peter Hedrich Quintett feat. Jiggs Wigham wird bereits an diesem Freitag ab 20 Uhr im Kurhaus Harschberg aufgetischt. Der Hauptgang des 28. internationalen St. Wendeler Jazzfestivals wird dann am darauffolgenden Wochenende im Saalbau serviert. Und weil es „ein Genre abdeckt, das sonst in St. Wendel nicht so bedient wird“, wie Klär sagt, „bin ich stolz drauf, dass hier so etwas stattfindet“. Und darum unterstützt die Stadt das Festival auch monetär. Das Lob des Verwaltungschefs hört Ernst Urmetzer, Vorsitzender des ausrichtenden Jazzförderkreises (JFK), gerne. „Wir sind neben dem Jazz-Festival in St. Ingbert inzwischen das einzige im Saarland, das sich auf internationalem Niveau bewegt.“ Wobei in St. Ingbert der Mainstream bedient werde. „Wir sind eher so bisschen Nische“, sagt Urmetzer, der sich selbst als Spiritus Rector des Festivals bezeichnet. Nicht zuletzt auch deshalb, weil zuvorderst er es ist, der das Programm zusammenstellt und die Künstler engagiert. Das würde jedoch nichts bringen, hätte er nicht ein Team hinter sich, „dessen Engagement wirklich ein Traum ist“, wie Urmetzer sagt.


In diesem Jahr hatte der JFK-Chef allerdings nur wenig Vorlaufzeit, um das Festival auf die Beine zu stellen. „Die 27. Auflage war ja erst im vergangenen September“, berichtet Urmetzer. Und nur acht Monate später geht es bereits in eine neue Runde. Warum so kurz hintereinander? „Weil danach der Saalbau für mehrere Monate geschlossen wird“, erläutert der Festival-Leiter. „Der Saalbau wird von außen energetisch saniert und die Fassade aufgepeppt“; ergänzt Klär. Der Bürgermeister überlegt zudem, in absehbarer Zeit auch innen etwas zu machen. „Im Backstage-Bereich müsste dringend etwas getan werden“, schlägt Urmetzer vor. Auch die Lichtanlage könnte nach Ansicht des JFK-Chefs modernisiert werden. Doch da wird er sich noch gedulden müssen.

Nicht mehr lange gedulden müssen sich indes die Jazzer in St. Wendel und Umgebung, denn am Freitag startet WND-Jazz wie eingangs beschrieben mit einem Appetit-Happen. Peter Hedrich, der ab 20 Uhr mit seinem Quintett und unterstützt durch Jiggs Whigham im Kurhaus aufspielen wird, gilt als Ausnahmekönner an der Posaune. Geboren im saarländischen Reisbach, entdeckte Hedrich im zarten Alter von sechs Jahren seine Liebe zu dem sanft und weich klingenden Blechblasinstrument. Im Kurhaus wird er nun seine erste CD präsentieren. „New Hope“ heißt das Werk, mit dem Hedrich nicht nur Bezug nimmt auf das 1978 erschienene Album „Hope“ des renommierten Posaunisten Jiggs Whigham – der Altmeister hat die Neuauflage seines eigenen Werks auch mit eingespielt. „Hope“ habe in der musikalischen Entwicklung Hedrichs eine Schlüsselrolle gespielt, steht im Programmheft zu WND-Jazz zu lesen. Einmal gehört, sei Hedrich von Wighams unverwechselbarem Sound und dem großen warmen Ton so fasziniert gewesen, dass er ihm nacheifern wollte. Nun stehen Whigham und Hedrich gemeinsam auf der Bühne.

Schwerpunkt der 28. Auflage von WND-Jazz werde jedoch – 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs – Frankreich sein. „Im Mittelpunkt stehen dabei Bläser, und hier vor allem das Saxophon“, berichtet Urmetzer. Darum habe man als Motiv des diesjährigen Festivals das Häuschen einer Hornschnecke gewählt. „Das ist sozusagen das Ur-Instrument schlechthin“, erklärt Urmetzer. „Noch heute wird das Haus der Hornschnecke an vielen Orten auf der Welt als Instrument eingesetzt. Man bläst es an wie eine Trompete“, erklärt der St. Wendeler Ur-Jazzer Urmetzer. Beim Festival wird dieses Horn jedoch vermutlich nicht zum Einsatz kommen.

Dafür werden viele Musiker aus dem Nachbarland den Saalbau bespielen. „Wir hatten ja schon öfter in unserer Historie Frankreich als Schwerpunkt-Land. Doch in diesem Jahr war das sozusagen Pflicht.“ Eben weil sich das Ende des ersten weltumspannenden Krieges zum 100. Mal jährt. Früher der Erzfeind schlechthin, „können wir heute über eine Grenze ohne Schranken fahren. Das ist so eine tolle Sache und keineswegs selbstverständlich“, sagt Urmetzer. Das müsse man sich einfach ab und an ins Gedächtnis rufen. „Ich finde das sehr gut“, sagt  Klär, selbst Musiker, Blechbläser um genau zu sein. „Musik ist eine universelle Sprache, die Menschen zusammenbringt.“