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Autorenlesung
Ein Leseabend für alle Sinne

Bei der Bohnentaler Autorenlesung gab es zwei Premieren: Alwin Michael Schronen und Katja Bohlander-Sahner (von links) trugen jeweils aus ihren ersten Büchern vor. Manfred Spoo hatte seinen dritten Krimi im Gepäck.
Bei der Bohnentaler Autorenlesung gab es zwei Premieren: Alwin Michael Schronen und Katja Bohlander-Sahner (von links) trugen jeweils aus ihren ersten Büchern vor. Manfred Spoo hatte seinen dritten Krimi im Gepäck. FOTO: Marion Schmidt
Scheuern. In Scheuern rissen drei Autoren ihr Publikum mit viel leidenschaft in ihre Geschichten hinein mit. Von Marion Schmidt

50 Buchfreunde haben sich in der Bücherei in Scheuern zur Bohnentaler Autorenlesung eingefunden. Zum zweiten Mal hatte das Team um Ellen Lösch dazu geladen. Mit dabei waren die Autoren Katja Bohlander-Sahner, Alwin Michael Schronen und Manfred Spoo.Umgeben von den deckenhohen Bücherregalen hatten die Besucher sich im Büchereiraum niedergelassen. In zwei Leseblöcken lasen die Autoren aus ihren Werken.


Den musikalischen Anfang machte Alwin Michael Schronen. Der international bekannte Komponist von großer Chormusik leitete den Leseabend mit stimmungsvollen Kompositionen ein. Seit 30 Jahren ist er als Autor tätig, hat aber bisher keine Bücher, sondern Musik geschrieben. Schronen stellte nun in der Autorenlesung sein erstes literarisches Werk vor. In seinem Buch „Worte ohne Lieder I: Rätsel, Geschichten, Gedichte und Fotos“ lädt er den Leser auf eine Zeitreise durch sein Leben ein. Ob die aus früheren Hörfunksendungen bekannten Buchstabensuppen-Rätsel, kleine Anekdoten, Geschichten oder Gedichte – in seinem Buch gewährt der Autor dem Leser einen Einblick in Stationen seines Lebens.

Diese sind geprägt von der Musik, seiner Leidenschaft für die Fotografie und seiner Neugierde auf das Leben: „Ich versuche, vieles selbst zu machen, und möchte wissen, wie alles funktioniert“, verriet Schronen. Die Inhalte seines Buches zusammenzutragen, sei für ihn eine interessante Aufgabe und Beschäftigung mit seiner Vergangenheit gewesen. So ist Schronens Erstlingswerk ein autobiografisches Buch geworden.



Eine Premiere war die Autorenlesung auch für Katja Bohlander-Sahner aus Hirzweiler. Sie hatte zur Autorenlesung ihren ersten Roman „Im Dorf, da wohnen Tiger“ mitgebracht. Hauptakteure der Geschichte über ungewöhnliche Freundschaften, Familie und ein Geheimnis aus der Vergangenheit sind Nordal und Karolina, die der Zufall zusammenbringt. Die Spurensuche eines Familiengeheimnisses lässt die beiden von einem saarländischen Dorf bis nach Namibia und in die deutsche Vergangenheit reisen. „Auch in kleinen dörflichen Strukturen können grandiose Dinge geschehen“, leitete die Autorin ihre Lesung ein und gestand ihr Lampenfieber. „Ich habe immer ein Foto meiner beiden Kinder vor mir auf dem Tisch liegen, denn meinen Kindern lese ich ja auch immer vor. Das hilft mir über die Aufregung hinweg“, verriet Katja Bohlander-Sahner, die Psychologie und Kriminalistik sowie Creative Writing studiert hat. Das tägliche Leben liefert ihr die Ideen für ihre Geschichten. Mit ruhiger Stimme las sie Passagen aus ihrem ersten Roman und gewährte den Besuchern einen ersten Blick auf Nordal und Karolina. Man spürte, wie ihr die fiktiven Figuren ans Herz gewachsen sind. Zurzeit schreibt sie bereits an ihrem zweiten Roman.

Diesen hat der dritte Autor des Abends bereits hinter sich. Manfred Spoo las in der Bücherei aus seinem dritten Knauper-Krimi „Mörderischer Sommer am Bostalsee“. Der Autor aus Dillingen lotst Kommissar Knauper bei seinem dritten Fall wieder quer durchs Saarland. Dabei legt der Autor großen Wert auf authentische Wiedergabe der Schauplätze: „Die Fakten müssen stimmen. Ich ärgere mich über Krimis, bei denen das nicht so ist. In meinem dritten Krimi wird gesegelt. Ich selbst hatte aber keine Ahnung vom Segeln. Also ließ ich mich von den Segelprofis am Bostalsee einweisen.“ Dieses Mal müssen Kommissar Knauper und Kollegen den Mord an einem St. Wendeler Verleger aufklären. Dieser wurde in einem Bosener Ferienhaus ermordet, seine Leiche Tage später aus der Saar gefischt. „Ich bin nun seit vier Jahren im Ruhestand. Um nicht sinnlos Zeit vor dem Fernseher zu verbringen, begann ich Romane zu schreiben“, sagte Spoo. Wenn er live vor Publikum liest, taucht er temperamentvoll und vorlesegewandt in seine Geschichte ein. Mal zitierte er in Mundart, mal gekonnt in italienischer Sprache mit der passenden südländischen Klangfarbe, oder er sang Verse aus Falcos bekanntem Kommissar-Song. Mit facettenreicher Stimme mimte er bei seiner Lesung routiniert die Charaktere. Als langjähriger Rundfunkjournalist weiß Manfred Spoo, seine Zeilen vor Publikum lebhaft in Szene zu setzen. Bei allem Ernst, den das Genre vorgibt, Manfred Spoo erzählte seine Geschichte mit Witz und Esprit.

Bei der zweiten Autorenlesung in der Scheuerner Bücherei wurde wieder mit allen Sinnen genossen. Die Besucher erlebten den Geruch der Bücher, das Zuhören der Autoren, die Wahrnehmung von Sprache, Mimik und Gestik und das Knistern der Buchseiten beim Umblättern. Nach der Lesung nutzten viele die Gelegenheit zum Austausch mit den Autoren. „Bei einer Lesung live die Autoren vorzustellen, ist das Sahnehäubchen einer Bücherei. Die Begegnung zwischen Leser und Autor ist etwas, was man sonst als Leser nicht erlebt“, sagte Ellen Lösch vom Büchereiteam. Für Ortsvorsteher Dietmar Lauck ist die ehrenamtlich betreute Bücherei in Scheuern eine große Bereicherung für das Bohnental. „Das engagierte Büchereiteam versucht, mit viel Herz das Lesen als Tugend zu fördern“, ergänzte Tholeys Bürgermeister Hermann Josef Schmidt.